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Finanzen

Deutsche Wirtschaft trotz schwierigen Fahrwassers auf Wachstumskurs

Konjunkturprognose des DIW Berlin: Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 1,6 Prozent steigen. Das Thema eMobility und Auto wird in Berlin der Motor.

DIW / Presselogo

Die deutsche Wirtschaft dürfte dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge in diesem Jahr trotz des eingetrübten weltwirtschaftlichen Umfelds um 1,6 Prozent wachsen. Damit halten die KonjunkturforscherInnen ihre Prognose im Vergleich zum Dezember 2015 nahezu stabil. Wie im vergangenen Jahr trägt die Konsumnachfrage maßgeblich zum Wachstum bei: Immer mehr Menschen kommen in Beschäftigung, die Löhne steigen spürbar. Verbunden mit Kaufkraftgewinnen infolge der niedrigen Energiepreise befeuert dies den privaten Konsum. Hinzu kommen die Ausgaben für Unterbringung, Versorgung und Integration der in Deutschland lebenden Geflüchteten. Weiterhin äußerst verhalten entwickeln sich jedoch die Ausrüstungsinvestitionen, die zuletzt sogar gesunken sind. Ab dem Frühjahr dürfte die Nachfrage nach deutschen Exportgütern auf vielen ausländischen Absatzmärkten wieder etwas stärker zunehmen. Insgesamt entwickelt sich die Weltwirtschaft aber schwach: 2016 dürfte die globale Wirtschaftsleistung mit etwas mehr als drei Prozent wachsen und damit – wie schon im vergangenen Jahr – so langsam wie seit der Finanzkrise im Jahr 2009 nicht mehr. Viele rohstoffexportierende Schwellenländer kämpfen nach wie vor mit den niedrigen Ölpreisen, und die Konjunktur in China ist auf einen schwächeren Wachstumspfad eingeschwenkt.
 

Die Risiken für die Weltkonjunktur haben zugenommen. Insbesondere die erhöhte Volatilität an den Finanzmärkten und die teilweise Verschlechterung der privaten Finanzierungsbedingungen könnten das Wachstum belasten. Die niedrigen Ölpreise setzen zudem Energieunternehmen, deren Gläubiger und die Staatshaushalte rohstoffexportierender Länder zunehmend unter Druck. Auf den Finanzmärkten könnte es erneut zu Verwerfungen kommen. Ein weiteres Risiko für die Prognose besteht in fortbestehender Deflation im Euroraum. Sie würde zu Kaufzurückhaltung bei Haushalten führen und den privaten sowie staatlichen Schuldenabbau erschweren. Schließlich gibt es in Europa politische Differenzen, etwa hinsichtlich der mit den Flüchtlingsströmen verbundenen Herausforderungen, die den politischen Integrationsprozess umkehren könnten. Sollte die Transformation der chinesischen Wirtschaft – anders als für die DIW-Prognose unterstellt – doch zu größeren Verwerfungen führen, würde dies die Weltkonjunktur und damit insbesondere die international stark verflochtene deutsche Wirtschaft spürbar belasten.

Die Weltwirtschaft kommt kaum in Schwung, prognostizieren die Experten vom Berliner DIW

Die niedrigen Rohstoffpreise – insbesondere beim Öl – sorgen für ein zweigeteiltes Bild: Auf der einen Seite brechen in rohstoffexportierenden Ländern wie Brasilien und Russland Einnahmen weg und die Staatshaushalte geraten zunehmend unter Druck. Auf der anderen Seite sind die niedrigen Energiepreise in vielen Industrieländern ein wichtiger Impulsgeber, da sie die Kaufkraft stärken und die Binnennachfrage antreiben. Insgesamt sind es hauptsächlich die Schwellenländer, die das globale Wachstum dämpfen: So schwächt sich die Konjunktur in China aufgrund von Überkapazitäten im Industriesektor und der Umstellung auf eine eher konsumorientierte Wirtschaftsstruktur weiter ab. Größere Verwerfungen erwartet das DIW Berlin aber nicht. Unter dem Strich dürfte die Weltwirtschaft in diesem Jahr nur um 3,3 Prozent wachsen. Für das kommende Jahr ist mit 3,7 Prozent ein etwas kräftigeres Plus zu erwarten, wenn sich die Konjunktur in einigen Schwellenländern auch aufgrund wieder stabilerer Rohstoffpreise etwas erholt.

Die Industrieproduktion in Deutschland kommt wieder in Schwung

Treiber des Wachstums ist aber nach wie vor der private Konsum. Im Zuge einer langsam wieder steigenden Auslandsnachfrage dürften auch die deutschen Ausfuhren wieder an Tempo gewinnen. Weil der Exportmotor derzeit aber noch stottert, vor allem aber weil Sorgen über das außenwirtschaftliche Umfeld belasten, halten sich viele Unternehmen weiterhin mit Investitionen zurück. In der zweiten Jahreshälfte 2015 sind die privaten Ausrüstungsinvestitionen sogar gesunken. Die rückläufige Industrieproduktion war jedoch vorübergehender Natur, bereits zum Jahresauftakt legte sie wieder zu. Vor allem die Binnenkonjunktur hat zum Wachstum beigetragen – und wird dies auch weiterhin tun. Der private Verbrauch profitiert von der ölpreisbedingt geringen Teuerung, Lohnsteigerungen und dem anhaltenden Beschäftigungsaufbau. Zwar wird die Arbeitslosenquote, nachdem sie in diesem Jahr erneut sinkt (auf 6,2 Prozent), im kommenden Jahr auf 6,6 Prozent steigen – allerdings nicht, weil Beschäftigung abgebaut würde, sondern weil immer mehr nach Deutschland geflüchtete Menschen eine Arbeitserlaubnis erhalten und die Zahl der Erwerbspersonen daher schneller steigen dürfte als die der Beschäftigten.

Die öffentlichen Haushalte werden trotz der Mehrausgaben in Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration voraussichtlich auch in den Jahren 2016 und 2017 mit Überschüssen abschließen. Die Steuereinnahmen nehmen weiter deutlich zu, insbesondere die Sozialbeiträge steigen aber kräftig. Allerdings expandieren die Ausgaben noch stärker – vor allem weil die Ausgaben des Staates in Zusammenhang mit der Flüchtlingsmigration in diesem Jahr bei 15 Milliarden Euro und im kommenden Jahr bei 18,3 Milliarden Euro liegen werden. Der Finanzierungssaldo sinkt von 0,6 Prozent im vergangenen Jahr auf 0,5 Prozent in diesem und 0,4 Prozent im kommenden Jahr.

Berlin hat wenig Industrie – wird aber Autostadt

Eine Autostadt ist Berlin zwar nicht – aber die Hauptstadt wird in besonderem Maße vom künftigen Wandel der Automobilindustrie profitieren. Zu dieser Einschätzung gelangen die Autoren einer aktuellen Studie im Auftrag der Technologiestiftung Berlin. Elektromobilität, Digitalisierung und Automatisierung sind die Sitchworte für Berlins Wirtschaft. An den Schnittstellen zwischen batteriebetriebenen Autos und Datenströmen werde Berlin in den kommenden Jahren seine wirtschaftlichen Stärken entfalten. Konkret: „Rund 10 000 hochqualifizierte Arbeitsplätze können bis 2030 in Berlin entstehen, in den bereits bestehenden Technologieunternehmen und in Start-ups“, sagt Nicolas Zimmer, Chef der Technologiestiftung in einem Zeitungsinterview. Also auch hier eine gute Wachstumsprognose, in Ergänzung zur DIW.

 

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