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Neues Modell staatlich geförderter Familienarbeitszeit verbessert Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Das derzeit in den Koalitionsverhandlungen diskutierte neue Modell einer staatlich geförderten Familienarbeitszeit könnte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland deutlich verbessern, zu einer partnerschaftlicheren Aufteilung der Familienarbeit führen sowie die Einkommen und Renten vieler Mütter steigen lassen.

DIW

Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das die Kosten und Wirkungen einer solchen Familienarbeitszeit untersucht hat. Das Modell sieht vor, dass beide Eltern für maximal drei Jahre ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent anpassen und für die Differenz zum Vollzeitverdienst entschädigt werden. Die finanzielle Unterstützung soll dabei im Anschluss an das Elterngeld gezahlt werden und sich wie dieses am Nettoeinkommen der Eltern orientieren. Eltern mit kleineren Einkommen würden prozentual stärker entschädigt werden als Eltern mit hohen Einkommen. Das Urteil der DIW-Forscher fällt dabei positiv aus: „Die Kosten der Lohnersatzleistung wären mit bis zu 140 Millionen Euro pro Jahr zu Beginn relativ moderat. Wenn sich die sozialen Normen langfristig ändern und mehr Familien das Modell nutzen, würden die Kosten zwar steigen, dann wäre aber auch viel für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreicht. Zudem würde sich das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland erhöhen, die Einkommen und Renten vieler Mütter würden steigen.“

Mehr als die Hälfte aller Kleinkind-Eltern hat Probleme, Familie und Job zu vereinbaren

Trotz vieler Verbesserungen in den letzten Jahren beklagt ein Großteil der Eltern von Kindern im Alter zwischen einem und drei Jahren – das sind immerhin 1,7 Millionen Familien im Land – die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Eltern hat eigenen Angaben zufolge große oder sehr große Probleme, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Etwa ebenso viele wünschen sich eine gleichmäßigere Aufteilung der Familienarbeit unter den Partnern. „Viele der derzeitigen Steuer – und Arbeitsmarktregelungen wie das Ehegattensplitting, die beitragsfreie Mitversicherung bei der gesetzlichen Krankenversicherung, aber auch die Begünstigung der Minijobs bewirken, dass das Ein- bis 1,5-Verdiener-Modell in Deutschland finanziell attraktiver ist, als wenn die Eltern im gleichen Umfang arbeiten“, erläutern die DIW-Wissenschaftler Kai-Uwe-Müller, Michael Neumann und Katharina Wrohlich. „Das neue Modell soll hingegen explizit eine gleichmäßige Verteilung fördern. So soll die Leistung nur gezahlt werden, wenn beide Eltern eine 80-Prozent-Stelle ausüben. Das entspricht in den meisten Fällen einer Wochenarbeitszeit von rund 32 Stunden.“

Die drei Forscher haben die Auswirkungen einer solchen neuen familienpolitischen Leistung im Auftrag der Friedrich-Ebert- Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung mit Hilfe von Mikrosimulationsmodellen untersucht. „Es zeigt sich, dass sich der Anteil der Eltern, die statt eines Ein- bis 1,5-Verdienermodells ein Arbeitszeitmodell wählen, in dem beide Partner 80 Prozent arbeiten, bei Einführung einer solchen Förderung kurzfristig verdoppeln würde“, fanden die Forscher heraus. Diese Eltern hätten mit der Förderung im Durchschnitt 300 bis 350 Euro mehr Nettoeinkommen zur Verfügung, als sie mit dem klassischen 1,5-Verdiener-Modell verdienen würden, je nachdem wie großzügig die Leistung ausgestaltet wird. Die DIW-Wissenschaftler haben zwei Varianten durchgerechnet: Bei der ersten werden bei mittlerem Einkommen 50 Prozent der Verdienstdifferenz zur Vollzeitstelle ersetzt, bei der zweiten 65 Prozent.

Anteil der Familien mit gleichmäßiger Arbeitsverteilung würde sich verdoppeln

In beiden Fällen, so fanden die Forscher heraus, hätte die Leistung eine spürbare Wirkung. „Der Anteil der Familien, die diese Arbeitszeit-Kombination wählen, würde um 0,5 bis 0,9 Prozentpunkte steigen.“ Da die Gruppe aber trotzdem zu Beginn relativ klein wäre, würden auch die Kosten recht moderat ausfallen. „Etwa 140 Millionen Euro pro Jahr müssten veranschlagt werden. Das ist für eine familienpolitische Leistung wenig, wenn man bedenkt, dass das Elterngeld jährlich etwa 4,6 Milliarden kostet.“

Langfristig könnte sich die familienpolitische Leistung auch an anderer Stelle bezahlt machen: etwa bei der Senkung der Altersarmut und einer Erhöhung des Arbeitskräftepotenzials in Deutschland. „Die Bevorzugung des Ein- bis 1,5-Verdienermodells führt derzeit dazu, dass einer der Partner deutlich weniger oder gar nicht arbeitet. In den meisten Fällen sind das die Mütter“, erläutern die Forscher. Über den Lebensverlauf beziehen Mütter deswegen heute deutlich geringere Einkommen und dementsprechend im Alter auch geringere Renten als Väter. Sie sind deutlich häufiger von Altersarmut bedroht. „Eine gleichmäßigere Verteilung der Erwerbs- und Familienarbeit würde den Frauen eine stärkere Beteiligung am Arbeitsmarkt ermöglichen und auch helfen, das aus demographischen Gründen sinkende Arbeitskräftepotenzial stabiler zu halten.“

 

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