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Buchtipp

Wenn’s um Geld geht, selber handeln

Die Finanz- und Bankenkrise hat erneut gezeigt, wie fahrlässig es ist, die Entscheidungen über das eigene Vermögen, und sei es noch so bescheiden, in fremde Hände zu legen.

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Zur eigenverantwortlichen Geldanlage gibt es keine Alternative

Und das verlangt, selber schlau zu werden. Einer der profiliertesten Experten, James Montier, zeigt nun anhand neuer Erkenntnisse der Verhaltensökonomie, auf was Anleger und Anlegerinnen achten müssen. In seinem Buch „Der Schlüssel zu Ihrem Anlage-Erfolg“, das ebenso wichtig wie unterhaltsam ist.

Privatanlegers bester Freund heißt Hirn

Ein Schläger und ein Ball kosten zusammen 1,10 Euro. Der Schläger kostet ein Euro mehr als der Ball. Wie viel kostet also der Ball? Nein, 10 Cent ist falsch! Der Ball kostet nur 5 Cent. Hätten Sie es gewusst? Wahrscheinlich nicht, ich übrigens auch nicht. Es ist ein Beispiel von vielen, mit denen James Montier in seinem Buch „Der Schlüssel zu Ihrem Anlage-Erfolg“ illustriert, womit sich die Verhaltensökonomie oder neudeutsch „Behavioral Finance“ beschäftigt. Mit der Art und Weise, wie wir uns selbst austricksen.

Endlich Klartext vom Guru

James Montier arbeitet seit 20 Jahren als Investmentmanager und hat sich als Buchautor einen Namen gemacht. Seine meistens dickleibigen Bücher gelten als Standardwerke. Nun hat er mit „Der Schlüssel zu Ihrem Anlage-Erfolg“ ein schmales Bändchen für interessierte Privatanleger vorgelegt. Sie erfahren, warum der wichtigste Feind Ihres Anlage-Erfolgs Sie selber sind – und was Sie dagegen tun können.

Wir können nicht so tun, als lebten wir noch in der Steinzeit

Unsere Gehirne sind Ergebnis einer langen evolutionären Entwicklung, die allerdings, und das ist das Problem, in geologischem Schneckentempo abläuft. Deshalb ist es sehr gut auf die Bedingungen abgestimmt, die wir als Urmenschen vor 150.000 Jahren in der afrikanischen Savanne vorfanden, aber nur schlecht auf die Anforderungen einer industriellen Welt, die erst seit 300 Jahren besteht. Und schon gar nicht auf die eines modernen Finanzsystems, das wir erst seit ein paar Jahrzehnten haben. Das System Stammhirn steuert aber immer noch viele unserer Verhaltensweisen, vor allem, wenn wir unter Stress geraten. Wir reagieren dann, ohne nachzudenken „auf die Schnelle“. Für das Überleben in der Wildnis ist das so nötig wie richtig. Denn lieber einmal zu viel weglaufen, wenn es alle tun, als vom nächsten Löwen gefressen werden.

Die Zukunft schert sich einen Dreck um die Vergangenheit

Und was sind nun die Schlüssel zu Ihrem Anlage-Erfolg? James Montier sagt, vergessen Sie die Vergangenheit, glauben Sie nicht an Prognosen und meiden Sie Experten! Wir haben eine tief sitzende Abneigung, einmal gefasste Meinungen zu verändern, die dazu führt, auf die Zukunft gerichtete Entscheidungen von früheren beeinflussen zu lassen. Sie kennen vielleicht das Phänomen, dass Sie Positionen erst dann wieder verkaufen, wenn der Einstandswert wieder erreicht ist – vor lauter Trauer um die sogenannten „sunk costs“.

„Wer Wissen hat, prophezeit nicht. Wer prophezeit, hat kein Wissen.“

Die Richtigkeit von Prognosen der vielen Experten ist kaum größer als die eines Zufallsgenerators. Dennoch saugen wir wie besessen Zukunftsorakel aller Art auf. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken, warnt Montier. Egal, ob es um die Verarmung der westlichen Industriegesellschaften wegen der demografischen Entwicklung geht, um leuchtend helle Aussichten oder Katastrophenszenarios für den DAX zum Jahresende. Halten Sie sich lieber an den chinesischen Philosophen Laotse: „Wer Wissen hat, prophezeit nicht. Wer prophezeit, hat kein Wissen.“

Was alle machen, kann auch idiotisch sein

Montier wirbelt unsere Alltagsannahmen gehörig durcheinander. Wie kann es sein, dass sich weit mehr als die Hälfte aller Autofahrer für überdurchschnittlich gute Autofahrer halten? (Und in einer gepflegten Runde von Investmentmanagern wird man kaum ein anderes Ergebnis erwarten dürfen!) Hier ist eine angeborene kognitive Verzerrung am Werk, der „overconfidence-bias“, (bei Männern stärker als bei Frauen ausgeprägt und bei Experten jeder Couleur am stärksten). Genauso irrig die Annahme, viele Informationen führten zu richtigen Entscheidungen. Anders herum wird ein Schuh draus. Mehr Informationen verhelfen definitiv nicht zu besseren Entscheidungen, sondern nur zu der gefährlichen Gewissheit, richtig zu liegen. Oder der Glaube, kollektive Entscheidungen seien die besseren. Tatsächlich neigen Menschen dazu, sich in Gruppen idiotischer zu verhalten, als wenn sie auf sich gestellt sind, und das umso mehr, wenn diese Gruppen hierarchisch strukturiert sind. Und selbst wenn wir wissen, dass sie falsch ist, schließen wir uns gerne der Meinung der Mehrheit an. Denn sich gegen die Herde zu stellen, löst nicht nur Angst aus, sondern erzeugt – messbar mit modernen Gehirnscans – sogar Schmerz.

Wer mit diesem Buch nicht steinreich wird, wird wenigstens gut unterhalten

Montier ist bekennender Value-Investor, also Anhänger einer Anlagestrategie, die durch Analysen versucht, „unterbewertete“ Unternehmen zu finden, um damit überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Warren Buffet, einer der bekanntesten Vertreter dieser Schule, ist damit steinreich geworden. Ich bin weder das eine, noch das andere, aber dennoch empfehle ich das Buch: Denn auch, wenn man nicht zum Value-Investor werden will, ist es lehrreich und wegen der vielen verhaltensökonomischen Experimente, die Montier vorstellt, sehr unterhaltsam.

James Montier: Der Schlüssel zu Ihrem Anlage-Erfolg

Dr. Birgit Bosold, www.Managementbuch.de

 

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