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Finanzen

Drei Gründe für fallende Kurse

Sell in May and go away: Angesichts der Risiken, die Anleger mit der Schuldenkrise in Griechenland verbinden, ist es durchaus wahrscheinlich, dass viele Investoren dieser alten Weisheit folgen und ihre Aktienpositionen nun erst einmal abbauen. Die Frage ist, ob sie damit richtig liegen oder ob sie damit Renditechancen verschenken.

Parszyk/PIXELIO

Richtig ist, dass der Monat Mai historisch gesehen zu den schwächsten Börsenmonaten zählt. Der Dax fiel im Mai, zurückgerechnet bis 1965, um durchschnittlich 0,2%. Nur im September ist die durchschnittliche Entwicklung mit minus 2,1% noch schlechter. Richtig ist aber auch, dass der Ratschlag, sich im Mai von der Börse zurückzuziehen, in jüngerer Vergangenheit seine Gültigkeit verloren hat. Denn in den Jahren seit 1990 setzte der Dax im Mai und Juni häufig die im Frühjahr begonnene Aufwärtsbewegung fort, eine Konsolidierung setzte erst Ende Juli, Anfang August ein. Aktienstrategen sind daher hin und her gerissen. Für sicherheitsorientierte Anleger dürfte es aber die richtige Entscheidung sein, zunächst Gewinne abzusichern, denn wie eine Analyse der Helaba zeigt, ist es Investoren in der Historie mit der Sell-in-May-Strategie gelungen, mitunter hohe Verluste zu vermeiden.

Für eine bevorstehende Konsolidierung der Aktienmärkte spricht in erster Linie die Verunsicherung, die die Schuldenkrise der Griechen hervorruft. Marktteilnehmer fürchten, dass nun weitere Länder wie Portugal, Spanien und Italien ebenfalls zunehmend in Schwierigkeiten geraten. Auf die stärkeren Länder der Europäischen Währungsunion kommt derweil die Aufgabe zu, Milliardenhilfen bereitzustellen. Allein Deutschland als Land mit der größten Wirtschaftskraft in der Eurozone wird zu dem Hilfspaket, an dem sich auch der Internationale Währungsfonds beteiligen wird, bis 2012 wahrscheinlich rund 25 Mrd. Euro beisteuern. Dabei steht allerdings zu befürchten, dass die Griechen noch länger Unterstützung benötigen, wenn es ihnen nicht gelingt, ihre Sparmaßnahmen wie beabsichtigt durchzusetzen. Auch dies trägt zur Verunsicherung bei. Das Thema Schuldenkrise dürfte die Aktienkurse deshalb noch lange Zeit belasten, auch wenn das Hilfsprogramm für Griechenland – wie beabsichtigt – bis zum 10. Mai steht.

Für sinkende Notierungen an den Aktienmärkten spricht auch, dass die Berichtssaison zum ersten Quartal allmählich auf das Ende zusteuert. In der neuen Handelswoche legen zwar in Deutschland allein zehn Dax-Konzerne Geschäftszahlen vor, danach wird der Finanzkalender auf Unternehmensseite aber dünner. Bislang fallen sowohl jenseits als auch diesseits des Atlantiks die Geschäftsberichte mehrheitlich unerwartet positiv aus. Zudem bildet sich der erhoffte Trend aus, in dem Unternehmen ihre Prognosen hochschrauben. Gleichwohl ist nun bereits viel Positives in die Kurse eingepreist, sodass die Aktienmärkte von dieser Seite nicht mehr allzu starke Unterstützung erfahren dürften.

Hinzu kommt, dass Marktanalysten auch von Konjunkturseite allmählich nachlassende Impulse erwarten. Mit dem Anstieg der Stimmungsindikatoren zogen die Aktienindizes bereits kräftig an, nun haben diese viel beachteten Barometer, zu denen der ISM Index in den USA und das Ifo-Geschäftsklima in Deutschland zählen, aber ein Niveau erreicht, das kaum noch Luft nach oben lässt. Zudem müssen die nun zur Veröffentlichung anstehenden wirtschaftlichen Realdaten die bestehenden Konjunkturhoffnungen aufs Neue bestätigen. Investoren blicken dabei unter anderem auf den Auftragseingang und die Industrieproduktion in Deutschland. Hohe Bedeutung haben zudem die Daten zu den Konsumentenausgaben in den USA sowie der monatliche Arbeitsmarktbericht.

Mittel- bis langfristig, so betonen viele Banken, bleiben die Perspektiven für die Aktienmärkte indes recht positiv. Dies liege zu einem großen Teil an den positiven Gewinnperspektiven der Unternehmen, die offenbar nicht unter der Griechenland-Krise leiden. Optimistische Adressen wie die Commerzbank und die DZ Bank prognostizieren in Richtung Jahresende deutlich steigende Kurse. Daher könnte es lohnenswert sein, sich im Mai nicht von der Börse zurückzuziehen, sondern die fallenden Kurse zu nutzen, um sich auf diesem Niveau zu positionieren.

 

Thorsten Kramer / Börsen Zeitung

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