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Lokale Wirtschaft

Fügetechnik und intelligente Automatisierung überzeugen Jury

Aus einem hochkarätigen Teilnehmerfeld hat die Jury zwei Gewinner für den OWL Innovationspreis MARKTVISIONEN der OstWestfalenLippe GmbH ausgewählt: Die Bielefelder Böllhoff Verbindungstechnik GmbH erhält den Preis für das Hochgeschwindigkeits-Bolzensetzen „RIVTAC“, eine innovative Fügetechnik für die Automobilindustrie. Die MSF-Vathauer Antriebstechnik GmbH & Co. KG (Detmold) wird für die intelligente Automatisierungslösung „MONO-SWITCH Field Power Even Thinking“ ausgezeichnet.

OstWestfalenLippe GmbH

Der Start Up -Preis für eine erfolgversprechende Unternehmensgründung geht an die Gütersloher topocare GmbH, die ein Verfahren und eine Maschine zur Verbesserung von Deichbau und Hochwasserschutz entwickelt hat. Der Start Up-Preis ist mit 5.000 € dotiert, gestiftet von den Partnern des Wettbewerbs, Stadtwerke Bielefeld und Westfalen Weser Energie. Die Preisverleihung findet am 18. November im Theater im Park Bad Oeynhausen statt. Festrednerin ist Innovationsministerin Svenja Schulze.

65 Unternehmen hatten sich mit 73 innovativen Produkten, Dienstleistungen und Prozessen für den renommierten Wirtschaftspreis beworben, den die OstWestfalenLippe GmbH in diesem Jahr zum zehnten Mal auslobt. „Die große Resonanz macht die enorme Innovationskraft unserer heimischen Unternehmen sichtbar und zeigt die Akzeptanz des Wettbewerbs in der Wirtschaft“, freut sich Herbert Weber, Geschäftsführer der OstWestfalenLippe GmbH.

Die Bewerbungen decken die Branchenvielfalt der Region ab. Das Spektrum reicht von Maschinenbau, Elektrotechnik und Automotive über Möbel, Energie und Bauen bis zu Gesundheit. Das Thema Intelligente Technische Systeme – der Fokus des Spitzenclusters it´s OWL – spielt in vielen Wettbewerbsbeiträgen eine wichtige Rolle. „Die Gewinner stehen für die Wertschöpfungstreiber in der Region – den klassischen Maschinenbau und die intelligente Automatisierung als Wegbereiter für die vierte industrielle Revolution. Darüber hinaus machen sie die hohe Kooperationskultur in OWL deutlich“, berichtet Thomas Niehoff, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen und Sprecher der Jury.

Effiziente Fügetechnologie für den Leichtbau

Der Einsatz von Leichtbauwerkstoffen treibt die Automobilindustrie zur stetigen Weiterentwicklung der Fügetechnik. Aufgrund der zunehmenden Profilbauweise im Materialmix werden hohe Anforderungen gestellt: Es werden mechanische Fügeverfahren benötigt, die nur eine einseitige Zugänglichkeit der Fügestelle benötigen und das Fügen in einem Arbeitsgang erledigen. Hierfür bietet das RIVTAC Hochgeschwindigkeits-Bolzensetzen der Böllhoff Verbindungstechnik GmbH eine innovative Lösung: Ein nagelähnliches Hilfsfügeteil, der Setzbolzen, wird auf hohe Geschwindigkeit beschleunigt und in die nicht vorgelochten Fügeteile eingetrieben. Dabei verdrängt die Spitze des Setzbolzens das Material, ohne dass ein Butzen entsteht. Das Verfahren garantiert eine hohe Festigkeit und wird bei der Daimler AG bereits in der Serienfertigung eingesetzt. Die Jury honoriert dass einzigartige Verfahren, das in Kooperation mit regionalen Hochschulen und Unternehmen entstanden ist. Sie ist überzeugt, dass Böllhoff mit RIVTAC seine Marktposition weiter ausbauen und neue Anwendungsfelder und Märkte erschließen wird. Jurymitglied Friedhelm Rieke (Geschäftsführer Stadtwerke Bielefeld) erläutert: „Das Produkt leistet einen entscheidenden Beitrag, dass sich der Leichtbau in der Automobilindustrie durchsetzen und somit der Schadstoffausstoß verringern wird. Mit der neuen Produktlinie wird Böllhoff Wachstum und Beschäftigung am Standort Bielefeld stärken und seine führende Position in der Verbindungstechnik ausbauen.“

Intelligente Automatisierung für Industrie 4.0

Die Industrie steht vor einer neuen Dimension der Automatisierung. Unternehmen werden ihre Maschinen, Lager und Betriebsmittel weltweit vernetzen. Diese Systeme werden eigenständig Informationen austauschen, Aktionen auslösen und sich gegenseitig selbstständig steuern. Das Detmolder Unternehmen MSF-Vathauer Antriebstechnik hat dafür mit dem System MONO-SWITCH Field Power Even Thinking eine intelligente dezentrale Automatisierungslösung entwickelt, die in weitläufigen Förderanlagen wie Hochregallagern, Postverteilerzentren, Flughafenlogistik oder für den innerbetrieblichen Warentransport eingesetzt wird. Die Intelligenz liegt darin, dass ein Produkt nicht mehr nur von A nach B befördert wird. Vielmehr kann es selbst bestimmen, an welche Stelle des Produktionsprozesses es gefahren wird. Jeder einzelne Antrieb des Fördersystems kann sich selbstständig steuern, die Antriebskomponenten können miteinander kommunizieren . Sollte sich der Produktions- oder Logistikfluss ändern, kann das Motormanagement einfach und schnell an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Die Technologie wird von MSF Vathauer in mehreren Forschungsprojekten weiterentwickelt. Mit dem OWL-Innovationspreis würdigt die Jury die hohe Innovationsleistung des kleinen Unternehmens. Sie ist überzeugt, dass das Unternehmen mit dem Produkt seine Marktposition ausbauen und seinen Umsatz erheblich erhöhen wird. Thomas Niehoff unterstreicht: „Das Produkt stellt eine konkrete und wirkungsvolle Lösung auf dem Weg zur vierten industriellen Revolution (Industrie 4.0) dar. So können Produktionsprozesse intelligent, wandelbar, effizient und nachhaltig gestaltet werden. Damit wird ein wichtiger Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit von Produktion am Standort Deutschland geleistet. Das Produkt ist ein Beispiel für die Vorreiterstellung des Spitzenclusters it´s OWL als Wegbereiter für Industrie 4.0.“

Effizienter Deichbau und Hochwasserschutz

Die Klimaerwärmung sorgt weltweit für steigende Wasserpegel. Gerade nach dem diesjährigen Hochwasser stehen die Verbesserung der Deichstruktur, aber auch der Bau von Ausgleichsflächen und Poldern ganz oben auf der Liste von Ländern und Kommunen. Das im Oktober 2012 gegründete Gütersloher Unternehmen topocare GmbH hat dazu eine innovative Lösung entwickelt: Mit der weltweit einzigartigen geotextilen Wickeltechnik des Start-Ups lassen sich erstmals geotextile Endlosschläuche herstellen. Hierzu wird ein Geotextil um ein Rohr gewickelt, das zeitgleich mit einem beliebigen schüttfähigen Material wie beispielsweise Sand gefüllt wird. So entsteht ein Schlauch mit bis zu einem Meter Durchmesser. Zusammen mit dem ebenfalls patentrechtlich geschützten Verlegesystem, dem topomover, lassen sich die Schläuche direkt vor Ort produzieren und einbauen. Im Katastrophenfall kann daher sehr schnell reagiert werden. Es wird Zeit und Personal gespart. Denn die Maschine ist über längere Distanzen nicht nur schneller als der Mensch, sie kennt auch keine Ermüdungserscheinungen. Darüber hinaus werden die Sicherheit und Stabilität der Deiche stark erhöht und weniger Platz und Material benötigt. Die Jury lobt, dass in Kooperation mit regionalen Unternehmen Ingenieurskunst, Maschinenbau und Materialwissenschaften zu einer neuen und innovativen Lösung mit hohem Nutzen zusammengeführt wurden. Aufgrund der innovativen Technologie, die durch zahlreiche Patente geschützt und kontinuierlich weiter entwickelt wird, und der hohen Resonanz in der nationalen und internationalen Fachwelt sieht die Jury für das junge Unternehmen hervorragende Marktchancen. „Die Jury ist überzeugt, dass topocare aus OWL heraus Deichbau und Hochwasserschutz revolutionieren und die nationalen und internationalen Märkte erobern wird“, unterstreicht Angelika Schomberg, Leiterin Kommunikation von Westfalen Weser Energie.

OWL Innovationspreis MARKTVISIONEN 2013

Zum zehnten Mal hat die OstWestfalenLippe GmbH den OWL-Innovationspreis MARKTVISIONEN ausgeschrieben. Sein Ziel ist es, gute Geschäftsideen aus der Region ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken und neue Impulse zu geben. Ausgezeichnet werden innovative Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse in ostwestfälisch-lippischen Unternehmen. Eine Jury entscheidet über die Vergabe des OWL-Innovationspreises und des Start-Up-Preises für Erfolg versprechende Gründungen. Letzterer ist mit 5.000 Euro dotiert. Partner des Wettbewerbs sind die Stadtwerke Bielefeld und Westfalen Weser Energie GmbH & Co. KG, weitere Unterstützer der VDI, die Volksbank Bad Oeynhausen-Herford und der Bielefelder Malerfachbetrieb Hans Schmitz. Auf die zehn Ausschreibungen sind insgesamt 833 Bewerbungen eingegangen. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben.

Die Mitglieder der Jury

Astrid Bartols, Vorsitzende DGB Region Ostwestfalen-Lippe
Ernst-Michael Hasse, Präsident IHK Lippe zu Detmold
Michael Heidkamp, Geschäftsführer Westfalen Weser Energie GmbH & Co. KG
Thomas Niehoff, Hauptgeschäftsführer IHK Ostwestfalen zu Bielefeld (Sprecher der Jury)
Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff, Präsidentin Fachhochschule Bielefeld
Friedhelm Rieke, Geschäftsführer Stadtwerke Bielefeld
Prof. Dr. Gerhard Sagerer, Rektor Universität Bielefeld
Prof. Dr. Wilhelm Schäfer, Vizepräsident Universität Paderborn
Hans Schmitz, Vizepräsident Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld
Prof. Dr. Stefan Witte, Vizepräsident Hochschule Ostwestfalen-Lippe

 

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