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Mit Fleece und Fleiß: Das Wetter und die Sportbekleidung

Das Wärme- und Kälteempfinden der Menschen ist unterschiedlich. Sagt man so. Stimmt aber. Am augenfälligsten ist es bei sportlich aktiven Zeitgenossen.

Das Wärme- und Kälteempfinden der Menschen ist unterschiedlich. Sagt man so. Stimmt aber. Am augenfälligsten ist es bei sportlich aktiven Zeitgenossen.

In unserer Nachbarschaft lebt ein Ehepaar asiatischer Herkunft und fortgeschrittenen Alters, das mindestens drei Mal pro Woche die Stöcke schwingt und eine große Runde durch den Wald zurücklegt. Ganz gleich, ob es Frühling oder Herbst ist, die Witterung sengend heiß oder bitterkalt, ob ein Sturm durch die Straßen fegt oder nur ein ganz laues Lüftchen weht: Die Beiden tragen IMMER dieselben Sachen. Lange Hosen, langärmelige Jacken, dazu ein breitkrempiger Hut und – als einzige Abwechslung – mal eine Sonnenbrille und mal nicht.

Schwitzen die nicht, wenn sie so durch die pralle Sonne marschieren? Oder frieren sie nicht, wenn sie bei minus fünf Grad Richtung Wald schreiten? Ich weiß es nicht – und bewundere ihre Körper, die bei gleichbleibender Umhüllung anscheinend jedwede Umgebungstemperatur ausgleichen können.

Ganz anders die Dauerläufer. Hier zeigt sich die individuelle Befindlichkeit stets in der Kleidung – völlig unabhängig von irgendwelchen Außentemperaturen. Am schönsten lässt sich das beim Start von Jedermannrennen beobachten. Während die oder der Eine mit ärmellosem Shirt, kürzesten Hosen und Sonnenkappe lostrabt, stürzt sich die Nebenfrau/der Nebenmann in Fleece-Laufjacke, langer Laufhose und Strickmütze ins Geschehen. Überraschenderweise kommen beide Kandidaten am Ende fast zeitgleich ins Ziel. Hier siegen eindeutig Laufstil und –vermögen über die Art der Bekleidung.

Bei Radfahrern, besonders denen auf schmalen Reifen und flotten Boliden, gilt dagegen der Satz „Form follows Function, but Fashion first!“. Mag das sportliche Vermögen ebenso bescheiden sein wie das Wetter – es kommt vor allem drauf an, dass man gut gestylt in die Pedale tritt. Wärmende Hosen und unförmig wirkende Jacken stören da nur. Und zur Not fährt man eben ein kleineres Ründchen, falls Witterung und Kleidung denn kälte- und regentechnisch doch nicht zusammenpassen.

Modisch völlig unbeeindruckt, dafür mit Blick aufs Wetter optimal ausgerüstet tritt regelmäßig nur eine Gruppe vor die Haustür: die der Hundebesitzer. Vielleicht ist die kleidungstechnische Arglosigkeit dem Umstand geschuldet, dass diese Menschen nicht aus sportlichem Antrieb, sondern allein wegen des Vierbeiners am anderen Ende der Leine vor die Tür gehen. Außerdem würden modische Accessoires beim regelmäßigen Aufkratzen und Eintüten der Hinterlassenschaften sicherlich nur stören…

 

Wolfram Lotze

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