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Leben Live

Über Frauen und über die Emanzipation in Deutschland

Seien wir mal ehrlich: 1919 durften Frauen zum ersten Mal in Deutschland wählen; 1961 wurde Elisabeth Schwarzhaupt Bundesministerin; 1980 war in Island Vigdís Finnbogadóttir das weltweite erste demokratisch gewählte weibliche Staatsoberhaupt. Hat die Emanzipation in Deutschland unter Umständen ausgedient?

<a href="pixelio.de" target="_blank" rel="nofollow noopener noreferrer">Thomas Max M�ller</a>

Ich bin durchaus feministisch angehaucht. Bezeichnet mich jemand als Praktikantin oder studentische Hilfskraft, kann ich mich darüber amüsieren. Lächele ich meinem Gegenüber aufmunternd zu und führe die Themen aus, mit denen ich mich tatsächlich beschäftige, führt das oft zu Erstaunen und Ratlosigkeit. „Ach so, Sie machen das neben ihrem Bachelorstudium?“ oder auch „Toll, Sie haben schon fertig studiert?“

Das sind Floskeln, die ich regelmäßig zu hören bekomme. Unglücklicherweise habe ich den Master bereits 2016 abgeschlossen und in vier verschiedenen Ländern studiert, wenn man den Auslandsaufenthalt in Kapstadt mitzählt. Dies ist jedoch eine Diskriminierung meines Alters, nicht meines Geschlechts, mit der sicherlich meine männlichen Mitstreiter genauso zu kämpfen haben.

Worauf ich aufmerksam machen möchte ist die gesellschaftliche Resonanz. Gesellschaft ist (laut Wikipedia) „eine größere menschliche Gruppe, deren Mitglieder durch unterschiedliche Merkmale einer zusammengefassten und abgegrenzten Anzahl von Personen, die als soziale Akteure miteinander verknüpft leben und direkt oder indirekt agieren“.

Großartig! Und genau das ist es, auf was ich aufmerksam machen möchte.

Wir Frauen sind schon lange emanzipiert. Ich fühle mich in keiner Weise in irgendeinem Bereich meines Lebens diskriminiert, vernachlässigt oder auf die Ersatzbank abgeschoben. Leider geht es den meisten Frauen aber nicht genauso. Woran liegt das?

Sind wir  Frauen selbst schuld?

Begeben wir Frauen uns vielleicht automatisch in solch eine Situation? Ich glaube, dass vieles daran hängt, dass wir eine „natürliche“ Opferrolle einnehmen, eben weil wir selbst uns oft als das schwächere Geschlecht verkaufen. Damit muss mehr Rücksicht auf uns genommen werden und unter Umständen nutzt das ein geringer Teil der berufstätigen Frauen tatsächlich aus, um sich damit Vorteile im Job verschaffen zu können.

Mir ist durchaus bewusst, dass das eine radikale Sichtweise ist. Doch wenn ich mich so umschaue, habe ich oftmals das Gefühl, dass ein gewisser Teil der Frauen Gefallen daran findet, als das kleine, hilfsbedürftige Geschlecht gesehen zu werden. Schockierend, aber wahr. 

Natürlich gibt es, so wie in jeder Lebenssituation, Ungerechtigkeiten auch im Job. Es liegt aber an uns Frauen, diese dann zu bemängeln und einzufordern, was unsere männlichen Kollegen unter Umständen bereits erhalten. Nicht anders läuft es zwischen den männlichen Kollegen selbst ab.

Ich bin es leid zu sehen, in was für Abhängigkeiten wir Frauen uns teilweise freiwillig begeben, nur weil wir denken, dass wir in der Vergangenheit das benachteiligte Geschlecht gewesen sind. Spätestens seit Alice Schwarzer, aber vielmehr noch aufgrund der gesamten 68er-Bewegung, ist das Verständnis für Frauen da. Wir müssen uns dessen nur bedienen und nicht schüchtern und leise in der Ecke stehen in der Hoffnung, dass unseren Kollegen auffällt, dass wir weiblich sind und daher unter Umständen benachteiligt sein könnten. Diese Denkweise kann man nicht voraussetzen, wenn man sich gleichzeitig als emanzipiert betrachtet.

Es gibt keine Extrawurst für emanzipierte Frauen, das muss einigen noch klar werden.

 

Karin Völker

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