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15 Jahre Nibelungenfestspiele vor dem Wormser Dom

„GOLD. Der Film der Nibelungen“. Ein Filmteam um den Regisseur Arsenij Kubik (Vladimir Burlakov), den Produzenten Konstantin Trauer (Uwe Ochsenknecht) und den Drehbuchautor Charlie P. Weide (Josef Ostendorf) nimmt vor dem Wormser Dom den berühmten Streit der Königinnen Kriemhild und Brünhild auf.

Bernward Bertram

Die Episode ist gut gewählt, stellt sie doch die Schlüssel- und Gelenkstelle des Nibelungenliedes ins Zentrum des dramaturgischen Konzepts. Der junge Nachwuchsregisseur Kubik besetzt die Rollen von Kriemhild und Brunhild doppelt und bricht damit mit der Alterslosigkeit der Heldinnen. Kubik will erreichen, dass das, was die Nibelungen untereinander treiben, sich bei diesem Nachtdreh auch zwischen seinen Schauspielern ereignet. Eine Flut von Gerüchten und Verleumdungen werden im Vorfeld des Drehs von Society-Reporter Peter Scheumer, gespielt von Dominic Raacke, lanciert und sorgen für untergründige Spannungen.
Es ist das erste Mal in Worms, dass der deutscheste aller Stoffe (Heiner Müller) vor dem Wormser Dom als Komödie, streckenweise als Parodie auf die Welt des Films und die Unterhaltungsindustrie aufgeführt wird. Autor Albert Ostermaier transponiert den Sagenstoff in diesem zweiten Teil seiner Nibelungentrilogie auf eine Meta-Ebene. In einem aktionistisch-lärmenden Spiel des Spiels überzeugen die Schauspieler immer dann, wenn sie Liebe, Neid, Hass, Rachlust und Leidenschaft am eigenen Körper verspüren. Ostermaier erkennt hier verborgene Kräfte der Psyche am Werk: „Das Nibelungenlied ist das Unterbewusstsein aller Figuren, immer wieder bricht es durch, bricht es auf. Die Auseinandersetzung über das Nibelungenlied ist zugleich ein Spiegel seiner Rezeption in der Geschichte und im konkreten Jetzt vor der Kulisse der Gegenwart.“
Unsere Gegenwart, das heißt eben auch: Eine derb geführte Debatte darüber mitzuerleben, ob Mohamad Söder als muslimischer Türke überhaupt für die Siegfried-Rolle in Frage kommt. Als der sich mit verbalen Entgleisungen, aber moralisch unangefochten dagegen wehrt, Brünhild vergewaltigen zu müssen, weil das nach der Silvesternacht in Köln ganz schlecht komme, werden wir völlig aus der Geschichte in die Gegenwart geworfen.
Intendant Nico Hofmann versteht das fiktiv gefilmte Drama als Sittengemälde unserer Zeit: „Macht, Eitelkeit und Egozentrik auf der Seite der Selbstsüchtigen und die Suche nach Utopie in einer immer zerrisseneren Welt auf der Gegenseite.“ Wenn das die Alternative wäre, dann ist es nicht mehr weit bis zur Apokalypse und dem Weltgericht. Im Sittengemälde des mittelalterlichen Liedes gab es neben Liebe, Herrschaft und Gefolgschaft noch die sprichwörtliche nibelungische Treue, eine gemeinschaftsstiftende Tugend, die man dem Zuschauer heute wohl kaum noch zumuten möchte.
An die Stelle der Treue rückte vor dem Wormser Dom die Prominenz: Unter den Premierengästen erfreute sich Mario Adorf ungebrochener Beliebtheit, ungekrönter Promi des Abends im stärksten Blitzlichtgewitter war jedoch Bundestrainer Jogi Löw.

 

Stadt Hamburg

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