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Interviews

Christiane Amini hält tausendundeine Wahrheit bereit

Wo es Parallelen zwischen Unternehmenskulturen und traditionellen Familienstrukturen gibt, weiß Christiane Amini nur zu genau. Als junge Frau lebte sie fast neun Jahre im Iran. Susan Tuchel besuchte die Unternehmerin und Inhaberin von IQM – Inner Quality Matters in ihrem Büro in Flingern.

Anne Domdey

business-on: Bekannt wurden Sie durch Ihr Buch „1001 Wahrheit. Liebe in Zeiten der Revolution – als Deutsche in der wundersamen Kultur des Iran“, das gerade in einer zweiten Auflage und als Hörbuch erschienen ist. Sie erlebten in Teheran zwischen 1975 und 1983 den Schah, die Revolution und den Krieg und flohen dann in Ihre Heimat?

 Christiane Amini: Ja, ich kam mit zwei Kindern und meinem persischen Ehemann in Hamburg an. Wir hatten vier Koffer dabei, sonst nichts. Da ich Modedesignerin bin und auch in Teheran geschneidert habe, machte ich mich mit Freundinnen mit einem Secondhandladen für Kinder selbstständig.

 business-on:  Wie kamen Sie nach Düsseldorf?

 Christiane Amini: Als Iraner konnte man sich in den 80er-Jahren nur in Düsseldorf selbstständig machen, also kamen wir hierhin. 1992 trennte ich mich von meinem Mann, 1997 machte ich mich ein zweites Mal selbstständig als Coach und Mentorin mit meinem Unternehmen IQM. Mir wurde immer klarer, wie sehr mich die Zeit in Teheran geprägt hat. Ich konnte kein einziges Wort Persisch, als ich dort ankam und habe gelernt, Menschen zu lesen, ihre Gesten, die Art, wie sie sprechen und ich weiß auch, wie Menschen bei äußerem Druck zusammenhalten. Das alles sind wertvolle Skills im Umgang mit Führungskräften, von denen ich rund 300 mitentwickelt habe. Viele Unternehmen, auch internationale, lassen sich von mir coachen. Ich spreche sehr gut Persisch und coache auch auf Englisch.

 business-on:  Wo sehen Sie die Parallelen zwischen Familienstrukturen im Iran und Unternehmenskulturen in Deutschland und Europa?

 Christiane Amini:Jede Führungskraft und jeder Arbeitnehmer bringt seine eigene Sozialisierung, sein individuelles System, in dem er groß geworden ist, mit in das Unternehmen. Wir sind im Job keine anderen Menschen. Im Iran habe ich die fundamentalen Elemente der Familie, in der ich lebte, erfahren, z. B. die core values, die uns leiten, führen und Halt geben. Die Familien fühlen sich stark emotional verbunden und bei Konflikten oder Streitigkeiten trifft man sich auf einer Ebene, bei der sich alle wohl fühlen: beim Essen. Man erzählt sich Geschichten, geht in echten Kontakt und zeigt Humor. Das erleichtert den Umgang mit neuen Herausforderungen. Diese Elemente sind eine Art  Blueprint für mein Coaching. In der holistischen Prozessbegleitung gehen wir davon aus, dass jeder Mensch, jedes Team ein Blueprint hat. Dies in der Komplexität zu erkundigen ist der erste Schritt. Zu reflektieren, statt die Strecke entlang zu rasen.

 business-on: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Christiane Amini: Ich habe das Unternehmen Metecon in Mannheim zehn Jahre lang begleitet und mit Leadership-Seminaren bei seiner Entwicklung und Umstrukturierung begleitet. Das hat über positive Auswirkungen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter und bei der persönlichen Weiterentwicklung der Kollegen auch ein neues Verständnis für Führung bewirkt.  2018 wurde das Unternehmen zum Top-Arbeitgeber gekürt.

 business-on: Was hilft denn bei der Entwicklung von Führungskräften?

 Christiane Amini: Wenn wir aufhören in Mängeln und Fehlern zu denken. Was Menschen privat und beruflich weiterhilft, ist, wenn sie ihre Talente erkennen und ihre Stärken leben können. Ich habe 2013 das Format TalentSchlüssel entwickelt. Mit diesem findet man heraus, welche Wirkung ich mit meinem Verhalten erziele, in welchem Kontext ich am besten etwas beitragen kann, wie ich mir meine Leidenschaft bewahren kann und was es braucht, um meine Leistung hoch zu halten. Das ist für Führungskräfte in Unternehmen wertvoll, aber nicht nur: denn wir sind alle Führungskräfte in unserem Leben.

 

Das Interview führte Dr. Susan Tuchel

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