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Fahren Sie bitte freundlich – immer

Ein Wort gibt das andere und haste nicht gesehen, dreht sich die Gewaltspirale nach oben, körperliche Auseinandersetzungen nicht immer ausgeschlossen. Dabei ist der pflegliche Umgang mit den Mitmenschen ein hohes Kulturgut.

G�nter Havlena / pixelio.de

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ Ein Sprichwort, das schon der Kleriker und Dichter Freidank im 13. Jahrhundert kannte: „Swie man ze walde rüefet, dazselbe er wider güefet.“ Aber was, wenn Menschen Unschönes und Unflätiges statt in den kaum mehr vorhandenen Wald in den Straßenverkehr rufen? Meine neueste Devise, nachdem ich zornbebend, schimpfend und wild gestikulierend den einen oder anderen Beinah-Fahrradunfall hatte: Ich bin – auch mit dem päpstlichen Segen urbi et orbi (für Nichtlateiner: urbs, die Stadt, wird ausdrücklich erwähnt) − ausgesucht höflich und freundlich zu den motorisierten Vierradfahrern. Statt Adrenalin auszuschütten sammle ich Indizien und Autokennzeichen.

So geschehen bei einem Lieferfahrzeug eines Hamburger Unternehmens, das auch in Düsseldorf appetitliches Essen durch die Gegend fährt. Der Fahrer missachtete zunächst den Sicherheitsabstand zu meinem Fahrrad. Als ich mir diesen von ihm an der nächsten roten Ampel wünschte, teilte er mir unmissverständlich mit, dass er diesem Wunsch nicht entsprechen wolle.

Als ich dann auch noch auf meinem Vorfahrtsrecht an der Ampel bestand (indem ich die Hand hob, um ihm zu signalisieren, dass ich nun bei Grün zu fahren gedenke), beschimpfte er mich wüst und drohte mir körperliche Gewalt an, öffnete auch schon die Autotüre. Heil zu Hause angelangt, recherchierte ich das Unternehmen. Der Fahrer wurde ermittelt und – so wurde mir seitens der Geschäftsleitung versichert – zur Rechenschaft gezogen.

Neuer Eintrag für Bußgeldkatalog

Beim nächsten Mal wollte mich ein Autofahrer von einer engen Straße „weghupen“. Ich checkte die Lage, aber rechts parkte Stoßstange an Stoßstange. Keine 100 Meter später vor der roten Ampel trafen wir wieder aufeinander. Der Fahrer ließ die Scheibe herunter, ich erklärte ihm, dass ich ihn gerne vorbeigelassen hätte, aber die Verkehrslage dies nicht zugelassen habe. Er reagierte mit einer umgangssprachlichen Herabsetzung des weiblichen Geschlechtsteils, die im folgenden Bußgeldkatalog fehlt:

  • „Du Mädchen!“ (zu einem Polizisten) 200€*
  • „Dumme Kuh“ 300€*
  • „Du blödes Schwein!“ 475€*
  • Scheibenwischer-Geste 1000€*
  • Stinkefinger zeigen 4000€*
  • „Du Wichser“ 1000€*
  • „Idiot“ 1500€*
  • „Am liebsten würde ich jetzt Arschloch zu dir sagen!“ 1600€*
  • „Schlampe“ 1900€*
  • „Alte Sau“ 2500€*

* Diese Strafen stammen aus diversen Gerichtsurteilen. Sie können nach individuellem Fall abweichen und richten sich nach dem Verdienst des Betroffenen. (Hier geht’s zum Bußgeld-Katalog)

Damit es zu einem entsprechenden Eintrag kommt, habe ich Anzeige erstattet, was einen Aufenthalt in einer muffigen Polizeistube und eine gehörige Portion Geduld für den gemächlich protokollierenden Polizeibeamten bedeutete.

Aber sind Bußgeldzahlungen noch das Mittel der Wahl? Bei Buße klingt die mittelalterliche Vorstellung nach, dass man mit einer Bußgeldzahlung die Ordnung, den ordo, wiederherstellen könne. Da wir aber im 21. Jahrhundert den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit legen, nachdem wir innerhalb kürzester Zeit den Planeten Erde nicht schlecht strapaziert haben, schlage ich für Verkehrsrowdies verpflichtend und für Menschen, denen die Galle schon mal schnell in Richtung ihrer Mitmenschen überläuft, präventiv die Teilnahme am 5. Düsseldorfer Tag für Gewaltfreie Kommunikation am 10. April vor. Anmeldungen hier – bei 40 Euro Eintritt inklusive Suppe ein echtes Schnäppchen.

Beim „Dreck-weg-Tag“ sind von Jung bis Alt viele bereits unterwegs, um ihr Lebensumfeld von Unrat zu befreien. Brauchen wir vielleicht einen „Schimpfwort-frei-Tag“, um überhaupt wieder in den Genuss einer sauberen zwischenmenschlichen Atmosphäre im Straßenverkehr zu kommen?

 

Susan Tuchel

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