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Platz da – wir haben schließlich Corona

Sind wir mit AHA und „Wumms“ schon aus dem Schneider?

fotoArt by Thommy Weiss / pixelio.de

Der homo oeconomicus ist praktisch veranlagt. Wenn geklärt ist, dass die Supermarktregale gut gefüllt und genügend Papier für hinten untenrum vorhanden ist, geht es ihm gut. Die Helden des Alltags sind abgefeiert. Die Tarifverhandlungen für Lohnerhöhungen laufen trotz „Wumms“ schleppend. Altenpflege ist immer noch kein Traumberuf. Man lebt so gut es geht mit dem Virus weiter. Das ist bis zu einer flächendeckenden Impfung auch alternativlos. Genauso wie das tägliche Ausfüllen der Zettel im Eiscafé, im Restaurant, im Museum, bei einem Konzert oder gestern bei der Messe Tour natur. Bei dem einen Mitbürger schafft dies das Vertrauen, dass Infektionsketten nachverfolgt werden können. Bei dem anderen Mitbürger weckt es das Misstrauen, dass die Daten womöglich zu Marketing-Zwecken genutzt werden. Mein Verdacht ist, dass es weder das eine noch das andere ist. Die Datensammlung dient der Selbstberuhigung.

Zur Selbstbeunruhigung führt hingegen die Corona-App, die ich gleich am ersten Tag heruntergeladen habe. Ich hielt das für meine erste Bürgerpflicht und wollte auch nicht, dass 20 Millionen für die Entwicklung der Software zum Fenster rausgeschmissen waren. Seitdem sind fast 12 Wochen ins Land gegangen. In dieser Zeit habe ich sieben Risiko-Begegnungen gehabt. Trotzdem wurde ich die ganze Zeit durchgehend grün mit niedrigem Risiko eingestuft. Jeweils nach 14 Tagen verschwinden die Risiko-Begegnungen. Mein Mann, der sein Handy in der Regel zu Hause vergisst, hatte die ganze Zeit keine einzige. Seit vorgestern auf einmal drei auf einen Streich. Sollte denn tatsächlich keine dieser Risikobegegnungen kurz neben mir gesessen oder gestanden haben an einem Ort, an dem ich einen Zettel ausgefüllt habe?

Mit Augenmaß

Alltagsmasken gehören, seitdem sie erhältlich sind (denn vorher waren sie kein Schutz und überflüssig), zum modischen Outfit. Wir ziehen sie ständig an und aus. Die AHA-Formel bestimmt unser öffentliches Leben. Wir orientieren uns an Richtungspfeilen, stellen uns an Klebelinien auf und versuchen uns nicht zu nahe zu kommen. Vieles von dem, was ich vor dem Lockdown, der eigentlich keiner war, weil wir vor die Türe durften, in meiner Kolumne „Rette sich wer kann: Hamsterkäufe statt Frühjahrsdiät“ angedacht habe, ist eingetroffen: Es wurde gebastelt, ausgemistet, geputzt, Alkohol getrunken, bei Lieferando bestellt und Cyber-Sport gemacht. Die lieben Kleinen haben im Homeschooling tatsächlich mehr Fernsehen geguckt als ihnen guttat. Was in meiner Kolumne fehlte: Die Arbeitswelt steht seitdem Kopf. Homeoffice kriegt nun keiner mehr vom Tisch. Die Möbelbranche springt auf den Zug auf mit ergonomischen Arbeitsplätzen für winzige Wohnungsecken. Und täglich gibt es Neuerungen. Letztens im Museum wollte ich zu meinem Softgetränk ein Glas haben, das gab es nicht – wegen Corona. Als ich fragte, was wäre, wenn ich denn einen Wein nähme, ja, dann bekäme ich ein Glas. Also nahm ich das Weinglas für die Apfelsaftschorle, das war coronakonform.

In manchen Mitmenschen wird durch die Pandemie offenbar so eine Art „Blockwart-Gen“ aktiviert. Sie wissen ganz genau, wer sich wie zu verhalten hat, in der Warteschlange oder sonst wo. Das kannte ich bislang nur von Autofahrern, die mich auf schlechte Fahrradwege zwingen wollten. Auch schön finde ich die Idee, sich mithilfe von Corona freie Bahn zu verschaffen. Im ICE auf der Rückfahrt von Lippstadt versperrten zwei ältere Damen, davon eine mit Krückstock, den Durchgang bei dem altersgerecht umständlichen Unterfangen, sich hinzusetzen. Die Frau vor mir hatte offensichtlich nicht die Geduld zu warten und rief: „Platz da – wir haben schließlich Corona“.

 

Susan Tuchel

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