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Quergedacht: Muss Deutschland in Therapie?

Rote Couch

QUERGEDACHT: DIE TUCHEL-KOLUMNE

Mit der Frühjahrssonne kommt alles ans Licht: schlechtgeputzte Fenster, die Kummerfalten der sozialen Isolation und die Corona-Pfunde. Und haste nicht gesehen werden Allergiker nicht nur mit Pollen, sondern wir alle mit guten Tipps für eine innere und äußere Rundum-Erneuerung zugeschüttet. Und jeder meint es nur gut, die Glücksforscher, die Theologen, die Sportmediziner und die Psychologen. Sie alle wissen ganz genau, was das Beste für uns ist: Die Glücksforscher setzen auf ein positives Mindsetting, Online-Spiele mit Freunden und jeden Abend aufschreiben, was es Schönes am Tag gab. Mit einem murrenden Volk musste schon Moses in der Wüste klarkommen. Heutige Seelsorger raten, Gutes zu tun, den Armen zu spenden und mit Gott zu reden. Ist ja schließlich auch Fastenzeit. Die steht dieses Jahr gefühlt nicht ganz so hoch im Kurs, weil dem Rheinländer und insbesondere dem rheinischen Katholiken Verzicht ohne Karneval schlecht beizubringen ist. Die Fitness-Gurus haben hingegen Hochkonjunktur. Sie propagieren gebetsmühlenartig frische Luft, Bewegung und den herabschauenden Hund. Was für sie spricht ist die Vermehrung der regulatorischen T-Zellen durch sportliche Betätigung, die das Risiko eines sogenannten Zytokinsturms bei SARS CoV-2 minimieren. Bleiben also noch die Psychologen, die kommen gerne mit Achtsamkeit, Selbstwirksamkeit und Resilienz um die Ecke.

In der Tiefe der Seele

Dabei gehören wir alle auf die Couch, denn unser Seelenleben ist durch Corona durcheinandergeraten, aufgewirbelt, im schlechtesten Fall traumatisiert worden. Die Wartezeiten für eine Therapie stehen aktuell denen für einen Impftermin in nichts nach. Wer sich aber jetzt schon einmal mit auf die Couch setzen möchte, kann das in der französischen Serie „In Therapie“ der beiden Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache tun.

Der äußere Rahmen hat es in sich: Drei Tage nach den Anschlägen in Paris auf das Konzerthaus Bataclan am 13. November 2015 empfängt der Psychotherapeut Philippe Dayan (Frédéric Pierrot) die Chirurgin Ariane (Mélanie Thierry), die 48 Stunden lang nach den Anschlägen bis zur Erschöpfung operiert hat, in seiner Pariser Praxis. Und da gibt es noch den Polizisten Adel (Reta Kateb), der im Bataclan im Einsatz war, die 16-jährige Leistungsschwimmerin Camille (Céleste Brunnquell), die mit zwei Gipsarmen in die Praxis kommt und ein Gutachten braucht, dass sie den Unfall nicht absichtlich herbeigeführt hat, sowie ein Ehepaar, Damien mit seiner schwangeren Frau Léonora (Pio Marmaï und Clémence Poésy), das herausfinden will, ob es das Kind wirklich will. Diese Charaktere, ihre Schicksale, ihre Tränen, ihre Wut und Verzweiflung auf dem roten Sofa von Philippe haben mich geradezu voyeuristisch gepackt. Und man kann diese Serie auch in Corona-Zeiten völlig unbedenklich empfehlen, denn fast alles spielt sich kammerspielartig in der Praxis von Philippe ab, die unseligerweise Teil seiner Wohnung ist. Und so wird Philippe Woche für Woche immer tiefer in den Sog seiner Patienten gezogen, während seine Rolle in der eigenen Familie immer öfter von seiner Frau und seinen Kindern in Frage gestellt wird.

Mein Frühjahrstipp neben Sport, Intervallfasten und Frühjahrsputz ist schnell „In Therapie“ zu gehen! Am besten von Beginn an in der Arte-Mediathek, denn „in Echtzeit“ läuft bereits am Donnerstag dieser Woche Folge 21 von 35.

Susan Tuchel

 

Susan Tuchel, Journalistin, Autorin und PR-Beraterin in Düsseldorf, nimmt gesellschaftliche Trends, politische und wirtschaftliche Entwicklungen ins Visier. Ihre Kolumne, mal sachlich und nüchtern, mal emotional oder scharfzüngig, erscheint exklusiv jeden ersten Montag im Monat bei business-on.

 

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