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Tuchel-Kolumne: Corovilienz ist ein neuer Ansatz

Ostereier mit Graupeln

Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Osterruhe, Brücken-Lockdown, all das macht mir gar nichts mehr aus, denn ich habe etwas gefunden, das mich durch die Krise trägt: Corovilienz. Es ist mein zweiter Neologismus, also eine Wortneuschöpfung, entstanden aus Corona, Virus und Resilienz. Mein erster Neologismus war moogeln. Der Artikel kann hier nachgelesen werden und steht bereit zur Aufnahme in den Duden.

Aber zurück zur Corovilienz. Corona und Virus muss ich nicht erklären und Resilienz liegt gerade voll im Trend, passt hervorragend zu Achtsamkeit, Selbstwirksamkeit und Yoga. Resilienz kommt vom Lateinischen resilire, was zurückspringen und abprallen heißt. Resilienz ist ein Prozess, in dem Menschen nicht die Prozesse verändern, sondern ihr Verhalten an die Gegebenheiten anpassen, damit es ihnen wieder besser geht, Traumata überwunden werden können usw. Das ist doch eine schöne Perspektive, jedenfalls bis alle geimpft sind.

Wann müssen eigentlich die Ostereier weg?

Heute Morgen habe ich mir die Frage gestellt, ob es eigentlich eine verbindliche Regel gibt, ab wann die Osterdekoration wieder in die Kiste auf den Speicher muss. Ein fixer Zeitpunkt ist nicht vorgesehen, erfuhr ich nach Recherchen im Netz. Aber man kann die Hasen und Eier durch Schmetterlinge und Blumen ersetzen, also die Osterdekoration Schritt für Schritt in eine Frühjahrsdekoration überführen. Während ich diese Kolumne schreibe, steht meine Outdoor-Osterdeko vor dem Problem der Klimailienz, weil sie gerade zugegraupelt wird.

Aber ich will heute definitiv noch mehr machen, was resilient ist. Es gab harsche Kritik von Besuchern an meinen unzulänglichen Bemühungen um den Artenschutz in meinem Hinterhof. Deshalb werde ich in der nächsten Schneeregenpause das beanstandete Insektenhotel reinholen, das, statt als Do-it-yourself-Werk gebastelt, schnöde bei einem Discounter erworben wurde. Denn diese als Insektenhotel gehandelten Holzgebilde, so steht es auf naturgartenfreunde.de, sind aus billigem Ausgangsmaterial hergestellt, eher lieblos, teilweise sogar unprofessionell verarbeitet und ignorieren nahezu komplett die Ansprüche der Insekten an einen artgerechten Nistraum. Außerdem sollen Insekten sich beim Auschecken ihre zarten Flügel ramponieren, haben mir Freunde erzählt. Da das nicht ohne Weiteres an mir abprallt, werde ich das Ding entweder innen glattschleifen oder auseinandernehmen und den Nachbarn als Brennholz zur Verfügung stellen.

Aber ich möchte noch mehr tun in Sachen Resilienz. Ich werde eine Sprachilienz entwickeln, die mich z. B. innerlich stark macht beim unsachgemäßen Gebrauch von „das“ und „dass“ und bei Genderendungen.  Ich zitiere aus einer Unternehmenspräsentation: „Wie kann ein*e Umsetzer*in feststellen, wenn Mitarbeiter*innen Herausforderungen bei der Umsetzung von Prozessen haben?“ Da steige ich mental aus.

Und wenn wir schon so denken, sprechen und schreiben wollen, dann bitte in aller Konsequenz, liebe Verbrecher*innen, Zuhälter*innen, Einbrecher*innen, Dealer*innen und Päpst*innen. Und nein, es gibt keine Mitglieder*innen! Wohl aber Herrinnen.

Susan Tuchel

 

 

Susan Tuchel, Journalistin, Autorin und PR-Beraterin in Düsseldorf, nimmt gesellschaftliche Trends, politische und wirtschaftliche Entwicklungen ins Visier. Ihre Kolumne, mal sachlich und nüchtern, mal emotional oder scharfzüngig, erscheint exklusiv jeden ersten Montag im Monat bei business-on.

 

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