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Prof. Hans-Peter Burghof: „Die Gesetze werden in Brüssel gemacht und Europa aufoktroyiert.“

Prof. Dr. Burghof, Inhaber des Lehrstuhls Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim, erläuterte beim After Business Talk der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT) Stuttgart die Gestaltung der Finanzsysteme in Europa und die Konsequenzen aus der Finanzkrise.

MIT Stuttgart

„Stabilität und Diversität von Finanzsystemen“, so lautete die Überschrift des Vortrages von Prof. Dr. Hans-Peter Burghof bei der MIT Stuttgart. Nach der freundlichen Begrüßung in den Räumen der BMW Niederlassung Stuttgart-Vaihingen durch Herrn Alexander Galonzka, in Vertretung der Geschäftsleitung, begrüßte auch der Vorsitzende der MIT Stuttgart, Dr. Carl-Christian Vetter die zahlreichen Mitglieder und Gäste. 

Hauprefererent des Abends war Prof. Dr. Burghof: Für Brüssel ist das ökonomische  Ideal ein globaler Markt, auf dem jeder das Gleiche weiß, alle Börsen teil nehmen und alles sich annähert. Kapital muss dort investiert werden, wo es den größten Nutzen bringt, d.h. Geld ist eine globale, gewaltige Effiziensmaschine. Jede Anlage muss immer noch effizienter im „Anlageuniversum“ gestreut werden. Hinter dieser Regulierung stehen massive wirtschaftliche Interessen, mehr Geld zu verdienen. Deutsche Banken, global gesehen, verdienen zu wenig. Daher ist der Druck auf sie enorm. 

Anschaulich schilderte Prof. Burghof, wie Brüssel mit Argusaugen beobachtet, dass das deutsche Bankensystem nicht zu den Anstrengungen passt, einheitliche Märkte mit einheitlichen Finanzsystemen und einheitlichen Normen zu schaffen. 

Aus Brüsseler Sicht sind Volksbanken, Landesbanken und Genossenschaftsbanken ganz merkwürdige Gebilde. Diese Verschiedenartigkeit des deutschen Bankensystems jedoch ist nicht zufällig, sondern hat sich so über Jahrzehnte entwickelt und ist so gewünscht. Der regionale Geldkreislauf in Deutschland stört Brüssel. Bei den Volksbanken ist die Gewinnmaximierung nicht das erste Ziel. Folglich  stimmt das System in Deutschland nicht: „Sozialromantik ist nicht gut“. Diese Regionalität ist ein positives Instrument. Die Globalisierungsbemühungen sind eine Scheinkonsequenz für den Ausweg aus der Krise. Es ist ein abstraktes Kapitalmarktmodell, das jedoch in der Praxis nicht funktioniert. Beispiel dafür ist die Hypo Real Estate. Prof. Burghof: „Berlin ist nur Kasperltheater. Die Gesetze werden in Brüssel gemacht und Europa aufoktroyiert. Wir riskieren, dass unser Bankensystem wegreguliert wird.“

Die Vereinheitlichungstendenz in Brüssel ist überhaupt kein Thema für den Mittelständler. Zugang zu Krediten für kleine Firmen gibt es im Ausland nicht.

Der Mittelständler wird in Brüssel als „Kleinvieh“ angesehen und interessiert nicht mehr, weil mit ihm kein Geld zu verdienen ist: „die Diversität ist ein Effizienztreiber und die Verschiedenheit der Banksysteme untereinander ist gut und nicht, wie Brüssel meint, schlecht“ und „Es muss die Bank sein, die zu Ihnen passt.“ In Deutschland gibt es günstiges  Geld  und Konditionen in der Fläche.  

Die Frage, die sich jeder Mittelständler stellen muss, ist: Was erwarte ich von meiner Bank, welche Bank passt zu mir, wo bekomme ich eine stabile und   dauerhafte Beziehung zu meiner Bank? Bei einer langfristigen  Finanzierung weiß niemand was kommt, jedoch ist das Verhalten der Banken bei Unternehmenskrisen wichtig für die Region. Wichtig ist vor allem der Umgang mit unvollständigen Verträgen. In einer Krise wird neu verhandelt. Das geht bei Großbanken nicht, die zwar u.U. billiger sind, jedoch in der Kundenbeziehung nicht flexibel. Wir müssen mehr auf das Individuum achten. Ob ein Partner gut ist, wird wichtig in dem Moment, wenn der Vertrag unvollständig wird, z.B. ein Kredit nicht mehr bedient werden kann. 

Diese Verschiedenheit unseres Bankensystems hat dazu geführt, dass sich Deutschland nach der Krise so schnell erholt hat. Es ist ziemlich effizient und zugleich zentral sowie dezentral durch seine verschiedenen Organisations-formen. „Berlin merkt hoffentlich, was für Folgen die Regulierung aus Brüssel für Deutschland hat und zieht rechtzeitig die Reißleine.“  

Prof. Burghof fasst zusammen: „Ein einziges Großbankensystem muss unterbunden werden. Nur Vielfalt führt zu Kreativität, sonst stolpern wir in die nächste Krise. Ein einheitliches Europa macht keinen Spaß! Die Politik muss in  Brüssel für unser Banksystem eintreten. Was aber als Ergebnis übrigbleiben wird, ist aktuell leider nicht vorhersehbar.“ 

 

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