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Firmen müssen umdenken – betriebliche Gesundheitsförderung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert seelische Gesundheit als die Quelle, die es den Menschen ermöglicht, ihre Fähigkeiten auszuschöpfen und einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten. Die seelische Gesundheit ist die Basis für Wohlbefinden und freies, unbeschwertes Handeln und Denken auf jeder Ebene.

Alphaspirit / Fotolia.com

Konnten wir vor Jahren noch zwischen Privat- und Arbeitsleben unterscheiden, so kann heute Berufs- und Privatwelt  nur noch als Einheit betrachtet werden. Es gibt keine natürliche Grenze mehr zwischen Arbeit und Freizeit.

Im Zeitalter der digitalen Medien mit riesigem Informationsfluss, ständiger Erreichbarkeit und schneller Kommunikation ist es heute erforderlich und möglich, überall und zu jeder Zeit reaktionsfähig zu sein. Wir sind jedoch dieser Informationsflut und Arbeitsverdichtung und dadurch bedingter Erhöhung der Komplexität dauerhaft kaum noch oder nicht mehr gewachsen. 

Multitasking, permanenter Zeitdruck, Monotonie und Störungen im Arbeitsfluss nehmen nach wie vor Spitzenplätze im Ranking um das Stress-Empfinden ein und führen vielfach zu psychischen Fehlbelastungen. 40 % von 18.000 Befragten einer Studie können arbeitsbedingt nur noch selten oder nie Rücksicht auf familiäre oder private Interessen nehmen (siehe Stressreport 2012, BAuA).

Ein Umdenken ist in vielen Unternehmen/Betrieben zwingend erforderlich. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Wandels muss sowohl über die Führungsebene als auch über die Mitarbeiter gleichsam entwickelt und gelebt werden.

Firmen, die sich dem Wandel hin zur Wertschätzung entziehen, können auch bei der Mitarbeiter-Rekrutierung die „Generation Y“, (die nach 1980 Geborenen) kaum  noch ansprechen. Diese Generation steht für Work-Life-Balance, Leistung und Lebensgenuss, Leichtigkeit und Freude im Arbeitsleben und für Selbstverwirklichung.

Es ist unglaublich, wie viel Kraft die Seele dem Körper zu leihen vermag.“  (Wilhelm von Humboldt)

Eine betriebliche (körperliche UND seelische) Gesundheitsförderung * bietet den Arbeitgebern ein Instrument und die Chance, ihre Mitarbeiter zu unterstützen. 

Ein Modell der  betrieblichen Gesundheitsförderung zur seelischen Unterstützung der Mitarbeiter ist der regelmäßige Einsatz eines Coachs/Beraters im Unternehmen.** Der Coach begleitet dabei Mitarbeiter und Führungskräfte über einen gewissen Zeitraum mit dem Ziel, in vertraulichen Einzelgesprächen die jeweils relevanten und belastenden beruflichen UND privaten Themen zu definieren und Lösungsansätze zu erarbeiten. Das führt zu einer gravierenden seelischen Erleichterung des Mitarbeiters, baut Druck ab und setzt Energien frei.      

Die Bereitschaft von Führungskräften und Mitarbeitern zur Selbsterkenntnis, zur Selbstfindung, zur Veränderung und zum gelassenen Umgang mit sich selbst (und anderen) ist Voraussetzung für diese Arbeit. Eine Führungskraft sollte sich auch als Dienstleister am Mitarbeiter verstehen, die Menschen-Führung im besten Sinne leben und somit zum positiven, wertschätzenden Umgang beitragen. Der Mitarbeiter erhält so den Freiraum, über sich, seine Ziele, seine Arbeit und sein Leben nachzudenken und im Anschluss seine Prioritäten neu zu setzen.

Wenn Mitarbeiter ihre Arbeit als sinnvoll und Bestandteil eines Ganzen erkennen, bringen sie sich entsprechend ein. Das Gefühl, selbst etwas zu bewegen und mit eigener Meinung gehört und wertgeschätzt zu werden, ist überaus wertvoll. Diese Wertschätzung führt zu größerer Offenheit, stärkerem Vertrauen und Selbstvertrauen und somit zu vorgenannter Leichtigkeit und Freude im Arbeitsleben.

Die daraus resultierende Zufriedenheit der Mitarbeiter überträgt sich auf die Zufriedenheit der Kunden. Das Unternehmen wird als Arbeitgeber attraktiver, Fehl- und Krankheitstage werden reduziert. Wertschöpfung durch Wertschätzung führt letztlich zu einer Steigerung der Produktivität und Wirtschaftlichkeit im Unternehmen!

* Betriebliche Gesundheitsförderung: 500,-  Euro pro Mitarbeiter/-in und Jahr können steuerlich geltend machen werden (§ 3 Nr. 34 EStG). Ebenso Ausgaben darüber hinaus im „überwiegend eigenbetrieblichen Interesse“.

** Der Einsatz eines Coachs im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung muss im Übrigen bei weitem nicht so kostenintensiv sein, wie das vllt. oft angenommen wird. Es gibt hier unterschiedliche Ansätze, die mit dem jeweiligen Coach zu verhandeln sind: Das Business- Coaching beinhaltet schwerpunktmäßig berufliche Themen; das Persönliche Coaching behandelt private und berufliche Themen überwiegend in Einzelgesprächen und ist somit deutlich kostengünstiger.

 

Dörte Kromer von Baerle

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