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Vorsorge

Die Betriebliche Altersversorgung: Vorteile für den Chef und seine Mitarbeiter

Die Altersversorgung über den Arbeitgeber bietet gerade kleinen und mittleren Betrieben heute attraktive Möglichkeiten. Mit dem richtigen Versorgungssystem gewinnen sowohl der Firmeninhaber als auch seine Angestellten.

Die Altersversorgung über den Arbeitgeber bietet gerade kleinen und mittleren Betrieben heute attraktive Möglichkeiten. Mit dem richtigen Versorgungssystem gewinnen sowohl der Firmeninhaber als auch seine Angestellten.

Die betriebliche Altersversorgung gehört zu den freiwilligen Sozialleistungen des Arbeitgebers. Wird eine Betriebs Rente vereinbart, ist sie automatisch Bestandteil des Arbeitsentgelts und muss daher im Arbeitsvertrag geregelt werden. Betriebliche Altersversorgungsleistungen können entweder ausschließlich durch den Arbeitgeber, ausschließlich durch die Arbeitnehmer, aber auch von beiden Parteien zusammen finanziert werden. In den großen Konzernen war es früher üblich, dass neue Mitarbeiter gleich in die bestehenden Versorgungssysteme mit aufgenommen wurden. Der Arbeitgeber machte eine konkrete Zusage über die spätere Rentenleistung, finanzierte diese mit Geldern aus dem Unternehmen und kümmerte sich später um die Auszahlung.

Von der arbeitgeberfinanzierten Betriebsrente zur Entgeltumwandlung

Doch die Zeiten großzügiger Direktzusagen, so die Bezeichnung der klassischen arbeitgeberfinanzierten Betriebsrenten, sind vorbei. Die vom Unternehmen selbst finanzierten Pensionsrückstellungen führen mittlerweile aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung zu langfristigen Verbindlichkeiten mit nur schwer zu kalkulierenden Kosten für die späteren Renten. Zahlreiche Unternehmen sitzen regelrecht auf einer finanziellen Zeitbombe in Form nicht oder nicht ausreichend rückgedeckter Direktzusagen, da die Begünstigten aller Voraussicht nach viel älter werden als ursprünglich angenommen. Aus diesem Grund hat die Bereitschaft der Arbeitgeber, neue Mitarbeiter in die bestehenden Versorgungssysteme zu integrieren, spürbar nachgelassen. Um die Altersversorgung über den Betrieb wieder attraktiv zu machen, wurde daher im Zuge der Rentenreform 2001 ein Rechtsanspruch auf eine Betriebsrente eingeführt, die allerdings auf dem Wege der sogenannten Entgeltumwandlung prinzipiell vom Arbeitnehmer zu finanzieren ist. Insbesondere der Mittelstand sollte damit ermutigt werden, seine Mitarbeiter zusätzlich über den Betrieb für das Alter abzusichern. Mit Erfolg. Seitdem es den Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung gibt, ist die Zahl der Arbeitnehmer mit Anspruch auf eine Betriebsrente gestiegen. Bereits ein Drittel der Beschäftigten in Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern macht mittlerweile von diesem Recht Gebrauch.

Steuern sparen mit der Betriebsrente

Die Aussichten, dass künftig mehr und mehr Arbeitnehmer ihre Altersvorsorge über Gehaltsumwandlung selbst finanzieren, haben sich mit der Einführung der nachgelagerten Besteuerung durch das Alterseinkünftegesetz zum Jahresbeginn 2005 noch einmal verbessert. Seither können Arbeitnehmer bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung direkt aus dem Bruttogehalt in einen Betriebsrentenspar Vertrag einzahlen. Die Beiträge zahlt der Arbeitnehmer also nicht aus seinem bereits versteuerten Nettoeinkommen . Sie werden per Gehaltsumwandlung geleistet. Praktisch bedeutet das, dass der Arbeitgeber gleich einen Teil des unversteuerten Bruttolohns in die Betriebsrente abführt. Der besondere Reiz hierbei: Die Vorsorgeaufwendungen die aus einer Gehaltsumwandlung stammen, sind von der Lohnsteuer und bis einschließlich 2008 auch von der Sozialversicherungspflicht befreit. Bei Neuverträgen, bei denen die Versorgungszusage erst nach dem 31.12.2004 erteilt wurde, erhöht sich der steuerfreie Betrag für den Arbeitnehmer um weitere 1800 Euro – für den Arbeitgeber ist dieser Erhöhungsbetrag jedoch sozialabgabenpflichtig. Damit kann jeder Arbeitnehmer insgesamt rund 4.300 Euro im Jahr steuerfrei zum Aufbau einer kapitalgedeckten Altersversorgung über Direktversicherungen, Pensionskassen oder Pensionsfonds nutzen. Jeder Arbeitgeber muss eine solche Betriebsrente anbieten, wenn ein Arbeitnehmer dies wünscht. Die steuerlichen Vorteile erhält man allerdings nur dann, wenn das angesparte Kapital in Form einer lebenslangen Rente ausgezahlt wird und wenn die Beiträge in eine Direktversicherung, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds eingezahlt werden. Erst später wenn der Beschäftigte in Rente geht, werden die Auszahlungen versteuert.

Der richtige Durchführungsweg spart Zeit und Geld

Für kleine bis mittlere Betriebe bieten es sich grundsätzlich an, einen externen Dienstleister mit der Durchführung der betrieblichen Altersversorgung im Unternehmen zu beauftragen. Die Zusammenarbeit mit einem Experten spart administrativem Aufwand und verringert die finanziellen Risiken. So bietet heute jede große Versicherung Lösungen zur betrieblichen Altersversorgung an. Außerdem gibt es viele unabhängige Beratungsfirmen, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben. Für Betriebe mit nur wenigen Beschäftigen sind die Direktversicherung, die Pensionskasse und der Pensionsfonds die drei Durchführungswege die zur Wahl stehen. Denn nur mit einer dieser drei Versicherungsformen kann der Arbeitgeber den Rechtsanspruch seiner Mitarbeiter auf Entgeltumwandlung erfüllen. Hat der Arbeitgeber bereits einen dieser drei Durchführungswege in seinem Betrieb eingeführt, so muss der Arbeitnehmer, der Gehalt in eine Betriebsrente umwandeln möchte, diesen auch annehmen.

Kostenvorteile sprechen für die Betriebsrente

Aus Sicht der Arbeitnehmer sprechen die Kostenvorteile zunächst einmal für die Betriebsrente. Schließen mehrere Angestellte eines Unternehmens gemeinsam einen Vorsorgevertrag ab, so hat der Anbieter der Versicherung weniger Beratungs- und Verwaltungsaufwand als bei einem Einzelvertrag. Jedes Prozent, das bei diesen Kosten gespart werden kann, kommt den Versicherten am Schluss in Form höherer Rentenleistungen zu Gute. Je nach Sparbeitrag und Laufzeit des Vertrages kann dieser Unterschied später leicht einige Hundert Euro mehr Rente im Monat ausmachen. Bei der Gehaltsumwandlung sind die Beiträge außerdem von der Lohnsteuer und noch bis einschließlich 2008 von der Sozialversicherungspflicht befreit. Zwar werden die Betriebsrenten dann bei der Auszahlung voll versteuert. Im Rentenalter ist der persönliche Einkommenssteuersatz aber in der Regel niedriger als während des Erwerbslebens. Die steuerliche Entlastung der Arbeitseinkommen ist vor allem für die jüngeren Beitragszahler eine Verbesserung. Auch der Arbeitgeber profitiert davon, wenn er in seinem Betrieb die Möglichkeit zur Gehaltsumwandlung anbietet. Er spart dabei noch bis einschließlich 2008 Sozialabgaben, und mindestens genauso wichtig: Er zeigt seinen Mitarbeitern, dass er sich für deren Interessen einsetzt und kann damit soziale Kompetenz beweisen.

Die fünf Wege der betrieblichen Altersversorgung im Überblick

Direktzusage
Die Direktzusage ist das traditionelle Versorgungssystem großer Firmen und vor allem bei Managern mit Spitzengehältern beliebt, weil steuerfreie Einzahlungen in großer Höhe möglich sind. Für die Direktzusage werden Pensionsrückstellungen gebildet, die als Betriebsausgaben steuerlich geltend gemacht werden können. Diese Mittel stehen dann für Investitionen im Unternehmen zur Verfügung. Dafür trägt das Unternehmen allein das Risiko dafür, dass die Rückstellungen für die Rentenzahlungen an die Mitarbeiter später ausreichen.

Unterstützungskasse

Wie bei der Direktzusage trägt das Unternehmen auch hier das Finanzierungsrisiko. Es wird mit der U-Kasse jedoch ein rechtlich selbständiger Verein oder eine GmbH eingeschaltet, die für die späteren Rentenleistung aufkommt. Für kleine und mittlere Unternehmen sind die Direktzusage und die Unterstützungskasse aufgrund des relativ hohen Verwaltungsaufwands und der finanziellen Risiken eher ungeeignet.

Direktversicherung

Hier schließt der Arbeitgeber eine Lebensversicherung für den Arbeitnehmer bei einem Versicherungsunternehmen ab und zahlt die regelmäßigen Prämien. Bezugsberechtigt sind die Arbeitnehmer, bzw. im Todesfall deren Angehörige. Mit einer Direktversicherung erfüllt der Arbeitgeber seine gesetzliche Pflicht zum Angebot einer Betriebsrente aus Gehaltsumwandlung. Die Direktversicherung bietet Gruppenverträge mit günstigeren Konditionen bei den Abschluss- und Verwaltungskosten an. Im Vergleich mit einer privaten Lebensversicherung erzielen die Versicherten eine bessere Rendite auf die eingezahlten Beiträge. Wechselt ein Arbeitnehmer seinen Job, so kann er den Vertrag beim neuen Chef fortführen wenn auch dieser eine Direktversicherung anbietet. Die Versicherungsgesellschaft des neuen Arbeitgebers muss jedenfalls den Vertrag einer anderen Gesellschaft ohne Kostenaufschlag fortführen

Pensionskasse
Pensionskassen sind selbständige Versicherungsunternehmen, die ausschließlich betriebliche Altersvorsorge anbieten. Viele Pensionskassen sind an ein Großunternehmen oder eine Branche gebunden. In den letzten Jahren wurden aber eine Reihe von Kassen neu gegründet, die allen Unternehmen offen stehen. Eine gute Pensionskasse sollte dem Arbeitgeber individuelle Versicherungstarife für seine Mitarbeiter anbieten. So können Arbeitnehmer, die außerhalb des Betriebs entweder schon Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen abgeschlossen haben, oder gar keine Familienabsicherung benötigen, als auch diejenigen, die sich komplett über die Pensionskasse versichern möchten, bei einem Anbieter gemeinsam versichert werden.

Pensionsfonds
Diesen Durchführungsweg gibt es erst seit Anfang 2002. Während Pensionskassen höchstens 35 Prozent ihrer Mittel in Aktien investieren dürfen, gibt es bei den Pensionsfonds praktisch keine Beschränkung. Pensionsfonds können daher die Renditechancen an den Kapitalmärkten stärker nutzen als jede andere Form der betrieblichen Altersversorgung. Vermögensverluste sind trotz der möglichen höheren Anlagerisiken dennoch ausgeschlossen, denn die Pensionsfonds sind gesetzlich verpflichtet, den Arbeitnehmern zumindest die Auszahlung ihrer Beiträge zu garantieren. Genau wie Pensionskassen und Direktversicherungen bieten auch Pensionsfonds Zusatzversicherungen bei Erwerbsunfähigkeit oder Tod des Versicherten an.

 

Markus Jähnig

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