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Der Lesestoff für die Massen wird nicht mehr von Profis geschrieben

Der Buchbranche geht es nach Meinung unseres Kolumnisten trotz aller Abgesänge nicht schlecht. Zumal eBook-Verleger mehr und mehr Marktchancen wahrnehmen. Aber zu schwindelerregenden Buchverkäufen wird es nicht mehr kommen – dieses Feld hat ein moderner Buch-Verleger belegt.

Gopp / pixelio.de

 Vor einigen Jahren habe ich mit meinem Freund Michael Lentz eine TV-Reihe über Bestseller-Autoren gedreht. Johannes Mario Simmel, Sandra Paretti oder Willi Heinrich hießen die Erfolgsautoren damals.

Wir besuchten, um über den Erfolg von Romanen mehr zu erfahren, auch den Altverleger Gustav Lübbe. Er war der Gründer eines Buch- und Groschenheft-Imperiums in Bergisch-Gladbach, das auch heute unter seinem Sohn Stefan beständig wächst.

Lübbe erklärte uns damals, welche Bücher warum Erfolg haben – und zwar am Beispiel seiner Buchpyramide.

In der Spitze befindet sich die intellektuelle Gourmetkost, die uns heute etwa Elfriede Jelinek oder Peter Handke servieren. Kennzeichen: Keine gewaltigen Auflagen, aber höchste Schreibkunst, die die meisten Menschen nicht verstehen oder nachvollziehen können.

Dann gibt es ein dickes Mittelfeld in der Pyramide. Dort tummeln sich Bestsellerautoren wie Dan Brown, Michael Crichton oder Stephen King.

Die Ansprüche der Leser werden immer schlichter

Von der Spitze der Pyramide bis zur untersten Ebene werden die Leserschichten immer größer und die Ansprüche dieser Leser an die Lektüre immer schlichter.

Unterhalb der Bestseller befinden sich die Groschenhefte gestern wie heute u.a. aus den Verlagen der Verlegerfamilie Lübbe: Liebesromane, Landarzt-Schmöker, Jerry-Cotton-Spannung. 

Alles Garanten für klingelnde Kassen, bei der Verleger nur darauf achten müssen, dass sie ihre Leserinnen und Leser nicht durch zu viel Handlung und komplizierte Helden überfordern.

Und ganz unten, da ist eine ganz breite, ganz dicke Leserschicht mit einem Lesestoff, den Lübbe damals noch nicht erfunden hatte und sein Sohn Stefan bis heute auch nicht geschafft hat.

„Die da unten wollen eine einfachste Sprache, absolut einfachste Handlungen und einfachste Anforderungen an den Intellekt“, sagte der alte Lübbe damals. „Die Leser wollen auf absolut niedrigstem Niveau unterhalten werden. Dieses Niveau der Erzählungen ist so flach, dass es bisher noch nicht von einem Autor zu schreiben war.“

Lübbe, ein knallharter Verleger mit exzellentem Gespür fürs Geschäft, bedauerte, dass er diese Leserschicht vermutlich nie durch Lesestoff aus seinen Unternehmungen erreichen würde. Aber wem das irgendwann einmal gelingen würde, das ahnte Lübbe, würde mehr verdienen als alle anderen Buchverleger in Deutschland zusammen.

Die Buchpyramide des Altverlegers Lübbe ist komplett

Erst heute, mehr als zwei Jahrzehnte nach unserer Begegnung gibt es dieses Leseprodukt – allerdings im Internet. Modernste Kommunikationstechnik bietet die Basis für einen Lesestoff, der nicht von professionellen Autoren geschrieben wird, sondern von der Masse der Menschen selbst, die sich dann an ihren eigenen Sätzen erfreuen.

Diese Lektüre besteht aus Milliarden und Abermilliarden kurzer Sätze und Textblöcke. Es ist eine in atemberaubender Geschwindigkeit sich entwickelnde Geschichte ohne zusammenhängende Handlung und mit Milliarden von Helden, die meist völlig profil- und belanglos sind und deren Erlebnisse als Textschnipsel aneinandergereiht und häufig sogar durch Fotos ersetzt werden.

Dieses Buchprodukt heißt Facebook – das Gesichtsbuch. Und der Verleger, der dieses moderne Bilderbuch erfunden hat, heißt Mark Zuckerman.

Die Geschichten werden nicht mehr auf Papier, sondern virtuell im World-Wide-Web geduckt. Dieses Bilderbuch belegt heute die unterste Schicht der Lübbeschen Pyramide und der Verleger ist vielfach reicher als alle Verleger in Deutschland zusammen.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…
                                                                          Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

 

Peter Jamin

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