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Warum Unternehmen primär in Menschen statt in Software investieren sollten

Digitalisierung ist das Buzzword unserer Zeit. Zu Recht – der Druck zur digitalen Transformation ist in fast allen Unternehmen spürbar.

Coverfoto/Ausschnitt (Redaktion)

Digitalisierung ist das Buzzword unserer Zeit. Zu Recht – der Druck zur digitalen Transformation ist in fast allen Unternehmen spürbar. Aber während wir viel über Technik und Zukunftsvisionen sprechen, bleiben die organisatorischen und menschlichen Aspekte im Hintergrund. Dabei bestimmen sie über Erfolg oder Misserfolg der Digitalisierung! Drei Bereiche müssen bewusst angegangen werden, wenn die Transformation Erfolg haben soll:

1. Führung ist wichtiger als Strategie

Bei der Umsetzung von Strategien ist die richtige Führung der Schlüssel zum Erfolg. Die beste Digitalisierungsstrategie nützt nämlich nichts, wenn sie nicht umgesetzt werden kann. Konkret bedeutet das: Die Chefetage muss den Weg nicht nur vorgeben. Sie muss auch aktiv vorangehen, wenn die Belegschaft ihr folgen soll. Wer sich seine E-Mails noch ausdrucken lässt, wird sich nur schwer als Digital Leader etablieren. 

Ein Stück weit müssen Mitarbeiter dabei begleitet werden. Den Weg aufzeigen, Schulungen, Trainings – alles gut und hilfreich. Aber um Mitarbeiter wirklich in Bewegung zu bringen, müssen Sie für jeden Einzelnen die eine grundlegende Frage beantworten: „Was hat das Ganze mit mir zu tun?“ Zu viele Unternehmen unterschätzen das Gewohnheitstier in ihren Mitarbeitern. Jeder hat das Recht zu erfahren, warum er sich jetzt mehr anstrengen und ändern soll. „Auf gut Glück“ macht sich niemand auf den Weg. Aber wer das Warum verstanden hat, der wird den Weg auch selbst gehen.

Oft sind Unternehmen und Mitarbeiter Gefangene des eigenen Erfolges. Wenn ein Arbeitsbereich die letzten Jahre reibungslos funktioniert hat, warum sollten die Mitarbeiter dann etwas verändern? Es sind doch schon alle damit beschäftigt, möglichst effektiv und fehlerfrei zu arbeiten. Doch wer nicht merkt, dass es bald neue Wege gibt, dem Kunden Wert zu bieten, der wird in Zukunft an Umsatz verlieren. Und gerade in den Hochphasen hat man die Mittel, neue Wege zu erkunden. 

Die Frage: „Was hat das mit mir zu tun?“ müssen wir auch für Führungskräfte beantworten. Der Leiter der Fertigung sieht nicht von selbst, dass das neue Produkt jetzt auch eine User Community braucht. Auch der Vertrieb wird nicht von sich aus von Einzelpreisen auf Abonnements umstellen. Und wenn das Unternehmen sich auf einmal als Dienstleister statt als Hersteller versteht, dann muss sich das Selbstbild der ganzen Organisation verändern. 

Dieser Blick über den Tellerrand erfordert Raum und Zeit. Und eine Führung, die genau dazu ermutig. Wer nur an Kennzahlen gemessen wird, der hat tatsächlich keine Zeit für Neues! Eine gute Strategie ist deshalb nur die halbe Miete. Die andere Hälfte besteht aus guter Führung. 

2. Menschliches Kapital muss man pflegen 

Wachstum entsteht heute durch Verbesserung und Kreativität. Der „leere“ Arbeitsmarkt verschiebt dabei das Gleichgewicht zugunsten der Arbeitnehmer. Und die haben eine Menge Wünsche: Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Kinderbetreuung, Räumlichkeiten zum Rückzug, Sport- und Freizeitangebote – all das erachten junge Arbeitnehmer als selbstverständlich. Dafür sind andere Aspekte weniger wichtig. Ein dicker Dienstwagen? Inzwischen eher unattraktiv, dann lieber eine BahnCard. Unternehmen müssen sich regelmäßig die Frage stellen, wie attraktiv sie für ihre Angestellten sind. 

Es bringt nichts, auf die Generation Y und Z zu schimpfen. Wenn junge Menschen nur noch 30 Stunden pro Woche arbeiten möchten und stattdessen viel Wert auf Familie, Freizeit und Soziales legen, dann ist das eine Realität, mit der sich Unternehmen beschäftigen müssen. Und dann muss es in der Kantine eben auch veganes Essen statt der typischen Currywurst geben. Auch organisatorisch wird einiges erwartet: Moderne IT, flache Hierarchien, Mitspracherecht. Die klassische Karriere wird weniger wichtig, die Arbeit muss Spaß machen und einen Sinn haben. 

Passende Rahmenbedingungen für junge und innovative Mitarbeiter zu schaffen, ist ein wichtiger Teil der Digitalstrategie. Sie brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, nicht umgekehrt – und der Weg zur Konkurrenz ist kürzer als gedacht. Jobanforderungen sind im ständigen Wandel: UX-Designer, Data Scientist oder VR-Spezialist – alles Jobs, die es vor wenigen Jahren noch gar nicht gab. Sie müssen dafür sorgen, dass diese Menschen zu Ihnen kommen. 

Und vergessen Sie nicht die naheliegendste Quelle für neue Talente: Die Mitarbeiter im eigenen Hause. Viele ganz gewöhnliche Angestellte haben großes Interesse an der Digitalisierung. Geben Sie ihnen die Möglichkeit, sich dort zu entwickeln und Sie bekommen loyale Spezialisten, die Sie nicht mehr langwierig einarbeiten müssen.

3. Digitalisierung ist kein Selbstzweck

Denken Sie immer daran, welchem Zweck Digitalisierung eigentlich dient: Dem nachhaltigen Unternehmenserfolg. Jedes Unternehmen lebt davon, für seinen Kunden Wert zu entwickeln und diesen erfolgreich zu verkaufen. Und was ein Wert ist, den es sich zu kaufen lohnt, entscheidet immer der Kunde.

Ein ganz wesentlicher Trend ist dabei der Wandel vom Produzenten zum Lösungsanbieter. Daimler und andere Automobilhersteller sind dabei, sich zu Mobilitätsanbietern zu entwickeln und treffen dabei auf ganz neue Konkurrenten – zum Beispiel auf die Bahn, aber auch auf Startups wie Uber (Taxidienste), Flixbus (Fernbusse) und BlaBlaCar (Mitfahrzentrale). Doch auch ganz normale Mittelständler sind dabei, sich zu wandeln. 

Nehmen wir Hekatron, ein mittelständischer Hersteller von Rauchmeldern. Der Rauchmelder ist ein eher einfaches Produkt. Er signalisiert Rauchentwicklung, kommuniziert mit einer Brandmeldeanlage und die mit der Feuerwehr. So weit, so schon lange bekannt. Doch der Betreiber eines Gebäudes ist gar nicht daran interessiert, welche Apparate da an der Decke hängen, er will nur, dass die Brandmeldeanlage sicher funktioniert. Hekatron hat das erkannt und entwickelt sich schrittweise zum Lösungsanbieter. Man hilft Kunden bei der Planung, regelt wo nötig die Finanzierung, schult in einem eigenen Ausbildungszentrum die Monteure und bietet ein ganzes System von vernetzten Apps und Programmen an, um die ganze Bandbreite des Themas Brandschutz abzudecken. Gut möglich, dass das Unternehmen in Zukunft gar keine Brandmelder mehr verkauft – sondern eben Lösungen als Komplettpaket. 

Das Beispiel zeigt den radikalen Fokus auf den Kundenwert. Den Willen, diesen Wert digital zu steigern, ohne große Rücksicht auf liebgewonnene Gewohnheiten. Wir brauchen die Zeit und den Mut, Neues zu denken und auszuprobieren. Das ist nicht immer sofort effizient, man zahlt immer Lehrgeld. Aber es ist eine hervorragende Investition, wenn damit die Zukunft des Unternehmens gesichert wird. 

Denken Sie also daran: Bei der Digitalen Transformation geht es nicht um Bits und Bytes, sondern um Führung, die richtigen Mitarbeiter und den Fokus auf den Wert für den Kunden. Und wie immer gilt: Sie müssen es nur tun!

Buchtipp der Redaktion

„In einem Jahr digital“ von Ömer Atiker / ISBN 978-3527509072 / Wile-VCH

Ömer Atiker geht in seinem Buch nicht nur auf die To-Do’s ein, sondern gibt dem Leser auch einen guten Überblick darüber, was Digitalisierung eigentlich ist, wo wir heute stehen und welche Möglichkeiten dies vielleicht für das eigene Unternehmen eröffnet. Nicht nur für digital unentschlossene Unternehmer eine klare Lese-Empfehlung. (Redaktion)

 

Ömer Atiker

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