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Energiedialog Iserlohn im Zentralen Wasserwerk „Krug von Nidda“

Virtuelles Kraftwerk Iserlohn nimmt Fahrt auf Gemeinsame Pressemitteilung von Stadt und Stadtwerken Iserlohn

Virtuelles Kraftwerk Iserlohn nimmt Fahrt auf Gemeinsame Pressemitteilung von Stadt und Stadtwerken Iserlohn

Iserlohn. Rund fünfzig Gäste folgten kürzlich der gemeinsamen Einladung von Stadt und Stadtwerken Iserlohn zum zweiten Energiedialog ins „Herz“ der Iserlohner Trinkwasserversorgung.

Nach der letztjährigen erfolgreichen Auftaktveranstaltung im Stadtwerke-Bistro „ErneuerBar“ waren nun Wassertanks und Rohrleitungen mit eindrucksvollem Durchmesser die außergewöhnliche Kulisse für einen weiteren informativen Austausch zum Zukunftsthema „Energiewende in der Waldstadt“ zwischen Stadtwerken, Kommune und Interessensvertretern aus den Bereichen Umwelt- und Verbraucherschutz, Politik und Verwaltung.

Mike Janke, Leiter des Ressorts Planen, Bauen, Umwelt und Klimaschutz der Stadt Iserlohn, stimmte die Gäste auf die Themen des Abends ein und führte auf Seiten der Stadt als Moderator durch die Veranstaltung.

„Wir sind schon ein bisschen stolz darauf, dass mit unserem zentralen Wasserwerk „Krug von Nidda“ eines der modernsten Wasserwerke Europas hier in Iserlohn jährlich rund 4,5 Mio. cbm Trinkwasser, also zwei Drittel des städtischen Bedarfes produziert“, nahm Stadtwerke-Chef Dr. Klaus Weimer in seiner Begrüßung zunächst Bezug auf die Örtlichkeiten.

Der erste „Energie“-Programmpunkt bestand darin, die Anwesenden ausführlich über den aktuellen Stand der laufenden Energie-Projekte in der Waldstadt zu informieren.

Anfang August werde das neue Energiekonzept der Bundesregierung in Kraft treten, das die Versorgerlandschaft erneut vor große Herausforderungen stellen dürfte.

„Die Umsetzung der Energiewende muss auf kommunaler Ebene vorangetrieben werden“, so der Geschäftsführer des heimischen Energieversorgers, „Energiewende heißt Bürgerwende!“

Thorsten Grote, Leiter der Abteilung Stadtentwicklung und Freiraumplanung der Stadt Iserlohn, informierte über die Ausweisung der geplanten Konzentrationszonen für Windenergie im Stadtwald und auf der Schälker Heide, was von den zahlreichen Besucher besonders aufmerksam verfolgt wurde und zu intensiven Diskussionen führte. Für beide Flächen liegen die geforderten avifaunistischen Gutachten inzwischen vor – für beide Flächen gebe es keinen absoluten Verhinderungsgrund für die Erstellung von Windenergieanlagen. Angesichts der zurzeit fehlenden Rechtssicherheit ist der aktuelle politische Beschluss, das Planverfahren ruhen zu lassen, bis die juristischen Rahmenbedingungen geklärt sind.

Das ausgearbeitete Klimaschutzkonzept der Stadt sei in konkrete Maßnahmen geflossen, fasste die Klimaschutzbeauftragte der Waldstadt Ulrike Jostmann die Projektarbeiten rund um die Bewerbung der Stadt zur KWK-Modellkommune zusammen. Kraft-Wärme-Kopplung – die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme, sei die Energieeffizienztechnologie Nr. 1. Ihr Vorteil: erhebliche Einsparung von Primärenergie und entsprechende Reduzierung des CO2 -Ausstoßes. Ein erster Erfolg ist zu verzeichnen. Iserlohn hat inzwischen als eine von 21 nordrhein-westfälischen Kommunen die Phase 2 auf dem Weg zur Modellkommune, die Erstellung des mit einem sechsstelligen Eurobetrag geförderten Bewerbungs-Feinkonzeptes, erreicht.

„Virtuelles Kraftwerk Iserlohn“ – diese Vision treibt das Team um Thomas Armoneit, Bereichsleiter technisches Management und Stadtwerke-Verantwortlicher des KWK-Projektes an. Viele dezentrale Anlagen unterschiedlicher Energiequellen würden über die Leitwarte der Stadtwerke zentral gesteuert, mit dem Ziel höchstmöglicher Versorgungssicherheit. Eine Bedeutung käme KWK-Anlagen zu, die eventuelle Lücken im Energieangebot auf regenerativer Basis verlässlich schließen könnten – damit auch weiterhin „das Licht an 365 Tagen im Jahr angeht.“

Der weitere Ausbau des Iserlohner Fernwärmenetzes, die Errichtung von Nahwärmeinseln in Form von Blockheizkraftwerken (BHKW) in verschiedenen Stadtteilen (Aucheler Straße, Rheinen, Letmathe-Ostfeld und Sümmern) sowie die Installation von Mikro-KWK als Objekt-Anlagen sind die Bausteine zur KWK-Modellkommune. „Energie erzeugen, speichern, regeln und vermarkten“, ist, so Armoneit, die Aufgabe des kommunalen Versorgers.

Bei der Realisierung der Baumaßnahmen können auch heimische Unternehmer profitieren. Bürgerbeteiligung ist ausdrücklich gewünscht: Über eine Energiegenossenschaft hat jeder Iserlohner die Möglichkeit, sich am kommunalen virtuellen Kraftwerk zu beteiligen. In den nächsten Tagen wird dazu das Geschäftsmodell „Energiegenossenschaft Iserlohn e.G.“ in Zusammenarbeit mit der Märkischen Bank an die Öffentlichkeit gehen.

Klimaschutz und erneuerbare Energien sind untrennbar mit Elektromobilität verbunden, ein Thema, zu dem die Initiatoren als Referenten Dr. Markus Schäfer, Berater der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis, gewinnen konnten. Euphorie und Skepsis, hier geringe Lärmbelastung und unverzichtbarer umweltfreundlicher Antrieb, dort die hohen Kosten und das noch lückenhafte Netz von Ladestationen, dazu die oft verwirrenden oder sich widersprechenden Informationen aus den Medien – der Ausbau der Elektromobilität polarisiert. Das belegte an diesem Abend ganz anschaulich die Auswertung des Fragebogens zur individuellen Nutzung der E-Mobilität, der von Dr. Schäfer zu Beginn der Veranstaltung unter den Anwesenden verteilt worden war und in der Folge rege diskutiert wurde. Einige sind bereits überzeugte Nutzer des Elektro-Antriebes, weil er „für die Zukunft alternativlos sei“, so ein Statement aus dem Publikum. Die Überzeugung des Fachmannes: In Deutschland werde die Weiterentwicklung der E-Mobilität eher behindert als gefördert. Technisch wäre eine flächendeckende Nutzung für einen großen Teil der Bevölkerung auch wirtschaftlich gesehen sehr wohl sinnvoll, aber von verschiedenen Interessengruppen offensichtlich nicht so gewollt. „Man denke nur, was alles wegbrechen würde“, gab Schäfer zu bedenken, „von der Zulieferindustrie bis zum KFZ-Gewerbe.“ Seine Prognose ist trotzdem positiv: es werde neue Autohersteller geben, Batteriepreise würden sinken und die Leistungsfähigkeit steigen, zudem sei alleinig die Größe von Autos, gerade bei jüngeren Verkehrsteilnehmern, kein Statussymbol mehr – gute Aussichten also für den Durchbruch des klimafreundlichen Kfz-Antriebs.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, rundete Reiner Timmreck, Technischer Leiter der Stadtwerke den Abend ab. Bei der Auftaktveranstaltung des Energiedialoges war das Geothermie-Potenzial für das Stadtgebiet Iserlohn nachgefragt worden. Timmrecks Fazit nach Erstellung der Analyse: „Es besteht kein wesentliches Potenzial für größere Anlagen, in den ausgewiesenen Flächen durchaus aber für Ein-bis Zweifamilienhäuser.“

Iserlohner Bürger und Vertreter von Interessensgruppen aus erster Hand informieren und konstruktiv diskutieren, das Format des Energiedialoges hat sich etabliert auf dem Weg zum „Virtuellen Kraftwerk Iserlohn“, eine baldige Fortsetzung ist geplant.

 

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