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Corona forciert Nachfrage nach elektronischen Ursprungszeugnissen

Eine Digitalisierungsmaßnahme der IHK Siegen hat sich in der Corona-Krise als besonders wirkungsvoll erwiesen. Sie betrifft die so genannten Ursprungszeugnisse, mit denen Unternehmen den Ursprung ihrer Ware nachweisen können.

Handelskonflikte, wie die zwischen den USA und China oder den USA und der EU, führten 2019 bei vielen Waren zu Zollsteigerungen. Sanktionen haben mancherorts Handelsgeschäfte sogar gänzlich unterbunden. (Symbolbild)

Siegen/Olpe. Eine Digitalisierungsmaßnahme der IHK Siegen hat sich in der Corona-Krise als besonders wirkungsvoll erwiesen. Sie betrifft die so genannten Ursprungszeugnisse, mit denen Unternehmen den Ursprung ihrer Ware nachweisen können. Diese „Geburtsurkunden“ für Waren sind seit Beginn des Jahres anhand einer neu geschaffenen Web-Anwendung elektronisch bei der IHK beantragbar. Ohne zeit- und kostenaufwendige Fahrt- und Postwege können Exportunternehmen darüber Ursprungzeugnisse beantragen und nach Freigabe durch die IHK auf den hierfür erforderlichen Formularen ausdrucken.

Gerade während des weitreichenden Lockdowns stieg seit März bei vielen Unternehmen der Bedarf deutlich an, Ursprungszeugnisse online zu beantragen. Jens Brill, Leiter Außenwirtschaft der IHK Siegen: „In unserem Kammerbezirk liegt die Quote der elektronisch beantragten Ursprungszeugnisse seit Beginn der Pandemie mit 54 % erstmals höher als die Anzahl der herkömmlich manuell ausgestellten Ursprungszeugnisse. Alleine im September wurden 873 elektronische Ursprungszeugnisse beglaubigt. Wir zählen in diesem Jahr bereits bis jetzt so viele wie in 2019 insgesamt.“ Die Digitalisierung eigener Prozesse und Arbeitsabläufe bedeute in einer Zeit physischer Einschränkungen, wie beispielsweise Grenzschließungen, nicht selten die einzige Chance, handlungsfähig zu bleiben. „Vermeintlich kleine digitale Erleichterungen könnten gerade in Krisen, aber auch im insgesamt schwierigen Fahrwasser der Weltwirtschaft wirkungsvolle Hilfen für die Unternehmen sein und durch Handelskonflikte entstehenden Mehraufwand zumindest teilweise abfedern“, ergänzt IHK-Geschäftsführer Hans-Peter Langer. Das Verarbeitende Gewerbe in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe habe im vergangenen Jahr einen Auslandsumsatz von mehr als 7,2 Mrd. € erwirtschaftet. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres seien die Auslandsumsätze der regionalen Industrieumsätze hingegen um 19 % eingebrochen. „Es ist offenkundig, wie wichtig für diese Betriebe mit ihren internationalen Lieferketten ein freier Welthandel und möglichst reibungslose Verwaltungsabläufe sind.“

Handelshemmnisse steigern bürokratische Belastung 

Die Handelshemmnisse für Unternehmen mit Auslandsgeschäft hatten dabei zunächst unabhängig von der Corona-Krise bereits in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Handelskonflikte, wie die zwischen den USA und China oder den USA und der EU, führten 2019 bei vielen Waren zu Zollsteigerungen. Sanktionen haben mancherorts Handelsgeschäfte sogar gänzlich unterbunden. Beklagt werden allgemein mehr Bürokratie, höhere Kosten, Produktionsengpässe und längere Lieferzeiten. Die Corona-Pandemie hat diese negativen wirtschaftlichen Erscheinungen zusätzlich verstärkt. „Alleine in der Herstellung von Metallerzeugnissen sank der Auslandsumsatz in der ersten Jahreshälfte 2020 um 28 %. Das betrifft unter anderem den für uns wichtigen Teil der Automobilzulieferer“, hebt Jens Brill hervor. „Die Erschwerung des Auslandsgeschäfts durch COVID-19 können wir exemplarisch an den von uns ausgestellten Carnets ablesen.“ Carnets sind eine Art Reisepass für Waren, die nur temporär – insbesondere für Ausstellungszwecke – ins Ausland gebracht werden.

Die Zahl der von den IHKs ausgestellten Carnets ging im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bundesweit von 6.240 um 73 Prozent auf 1.685 zurück. „In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe haben wir 2020 bislang weniger als die Hälfte der noch im Vorjahreszeitraum benötigten Carnets ausgegeben. Coronabedingt sind Messen, Sportevents, Kulturveranstaltungen und Auslandseinsätze von Fachpersonal als die wichtigsten Anwendungsbereiche für Carnets weggebrochen“, erläutert Brill.

Für das Außenwirtschaftsreferat der IHK gestalteten sich die Aktivitäten mit dem Pandemieausbruch neu. Unternehmeranfragen zur innerbetrieblichen Pandemieplanung, zu Reiseeinschränkungen, Grenzschließungen, Quarantänebestimmungen, zum Vorliegen „Höherer Gewalt“ (Force Majeure), zur Einfuhr und Ausfuhr von Corona-Schutzausrüstungen, zur eventuellen Systemrelevanz des eigenen Unternehmens, aber auch zu außenwirtschaftsbezogenen Hilfspaketen von Bund und Ländern rückten seit dem Frühjahr in den Vordergrund. Hans-Peter Langer: „Die Entwicklungen in der Außenwirtschaft zeigen, dass es hochgradig sinnvoll ist, digitale Technologien ‚wann immer und wo immer‘ einzusetzen. Dennoch können sie die persönliche Beratung bei individueller Betroffenheit nicht ersetzen.“

Bildquellen

  • container_789488_1920: pixabay.com
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