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Ausfallzeiten gefährden Erfolg des Unternehmens

Veranstaltung für mehr Gesundheit im Betrieb im bbz Arnsberg

Markus Kluft / Handwerkskammer S�dwestfalen

Rund 150 Betriebsinhaber und Führungskräfte von Handwerksbetrieben aus Südwestfalen und der Region Hellweg-Lippe folgten der Einladung der Handwerkskammer Südwestfalen, der Kreishandwerkerschaften sowie der IKK classic zu einer Informationsveranstaltung Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Südwestfalen. Zu dem Thema „Gesunde Mitarbeiter – starker Betrieb“ diskutierten Referenten aus Politik und Sport dort zusammen mit Betriebsinhabern über die Gesundheit im Betrieb.

Die Gesundheitssituation in Deutschland

Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen eröffnete als Referent die Runde. Schäffer fühlte sich bei dem Thema betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) sofort angesprochen und begann seinen Vortrag mit den Worten „Ausfallzeiten gefährden den Erfolg von Unternehmen“. Anschaulich gab er Einblicke in die Gesundheitssituation und den drohenden Fachkräftemangel in deutschen Betrieben: Im Jahr 2010 haben deutsche Arbeitnehmer 410 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage produziert, 2014 waren es bereits 543 Millionen Tage – 80 Millionen allein wegen psychischer Erkrankungen. „Fragt man Arbeitnehmer nach den Ursachen hierfür, nennen sie hohen Zeitdruck, schlechte Arbeitsorganisation und Multitasking“, begründete der Staatssekretär. Und die Situation auf dem Arbeitsmarkt werde sich weiter verschärfen: Für die brummende Konjunktur in Deutschland gebe es zu wenig Fachkräfte. Experten rechneten damit, dass im Jahr 2020 zwischen 270.000 und 300.000 Fachkräfte fehlen werden, im Jahr 2030 bereits 650.000. Mehr als 170.000 Menschen gingen jährlich in den vorzeitigen Ruhestand, 73.000 von ihnen wegen psychischer Erkrankungen. Wenn man bedenke, dass es erst mit 67 Jahren Rente gebe, sei es Zeit, jetzt etwas zu tun, um die Gesundheit der Mitarbeiter lange zu erhalten. „Außerdem beträgt das Durchschnittsalter deutscher Mitarbeiter 51 Jahre. Damit ist man für den Fußball zu alt, aber auf dem Arbeitsmarkt im besten Alter“, beendete Staatssekretär Schäffer seinen Vortrag und leitete so auf den nächsten Sprecher, BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, über.

Gesunde Impulse aus dem Spitzensport

Denn Fußball war genau das richtige Stichwort: Die Zuhörer erhielten nun Impulse aus dem Spitzensport. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke – Sauerländer durch und durch und selbst Unternehmer – war als prominenter Gast geladen. Er sprach über den wirtschaftlichen und fußballerischen Erfolg des BVB 09, von Marke, Image und Bodenständigkeit. Er sagte aber auch, dass man die Gesundheit der Mitarbeiter ernst nehmen und beim Gesundheitsmanagement in Betrieben Mitte und Maß finden müsse. Für eher schädlich halte er das veränderte Kommunikationsverhalten der Menschen. Er selbst findet ein persönliches Gespräch immer noch sinnvoller als die Reizüberflutung durch Smartphone und Internet. Auf die Frage, wie er persönlich mit dem andauernden psychischen Druck umgehe, sagte er, für ihn sei das Wichtigste, seinen Job gern und nicht mit Widerwillen zu erledigen.

Erfahrungen aus der Praxis

Anschließend kamen Georg Verfuß (Bauunternehmer aus Hemer), Christian Will (Autohaus Will aus Iserlohn) und Christian Schirm (Objekteinrichtungen aus Brilon) auf die Bühne. Die drei Unternehmensinhaber haben mit der IKK classic bereits ein erfolgreiches betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt und gaben ihre Erfahrungen an die Teilnehmer weiter. Georg Verfuß riet, die Sorgen der Mitarbeiter ernst zu nehmen – innerhalb und außerhalb des Betriebes – und die Unternehmenskultur zu überdenken. Er war erfreut über die große Teilnahme an einer anonymen Mitarbeiterbefragung zur Beurteilung der Gesundheitssituation in seinem Betrieb. Er führte im Anschluss zahlreiche Mitarbeiter-Gespräche durch und findet, dass die Akzeptanz, BGM im Betrieb durchzuführen, gestiegen ist.

Christian Will richtete den Fokus auch auf die betriebswirtschaftliche Seite: „Wer denkt, die Investition in die Gesundheit der Mitarbeiter bringe kurzfristig Rendite, liegt falsch. BGM ist langfristig angelegt.“ Der Unternehmer plädierte dafür, nicht nur den Kunden, sondern auch die Gesundheit der Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen. So habe im Autohaus Will alles mit einer Obstschale im Betrieb angefangen. „Es sind nicht die großen, sondern die kleinen Dinge, die zählen“, sagt Christian Will. Der Betrieb widmete sich beispielsweise den Themen Lärm und Gerüche.

Christian Schirm ist in Sachen BGM schon ein alter Hase. Nichtraucherschutz, körperliche Belastungen (Rücken) bis hin zu richtig gravierenden Änderungen in der Arbeitsorganisation hat die Firma bereits umgesetzt und die Mitarbeiter wenden sich jedes Jahr einem neuen Thema zu. „Förderlich ist da sicherlich auch der Bonus, den die IKK classic an den Betrieb, aber auch an die Mitarbeiter, ausschüttet“, meint er. Christian Schirm ermutigte andere Betriebe, einfach anzufangen. Erst mit kleineren Dingen – die großen kämen dann von ganz alleine.

 

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