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Das Felsenmeer wie nie zuvor erleben

Förderbescheid für einzigartiges Projekt: Höhlen unter dem Naturschutzgebiet werden digitalisiert und mit moderner Technik „über Tage“ projiziert.

BM Christian Schweitzer (r.), Projektleiter Michael Kretschmann (Mitte, Stadt Hemer) ließen sich von Wolfgang Hänisch zeigen, wo genau der mittelalterliche Bergbau im Felsenmeer betrieben wurde.

Das Felsenmeer. Eines der bedeutendsten 77 Geotope Deutschlands, Biotop, bergbauliches Bodendenkmal, Naturschutzgebiet, touristisches Ausflugsziel, Wahrzeichen und Aushängeschild der Stadt Hemer. Und bald um eine (ge-)wichtige Attraktion reicher. Denn was unter der zerklüfteten Schlucht zu entdecken ist, war bislang ausschließlich Profi-Höhlenkundlern zugänglich. Das wird sich bald ändern, denn der Stadt Hemer hat gestern (4. November) einen Förderbescheid über knapp 180.000 Euro aus dem NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, erhalten. Damit werden die verkarsteten Bereiche unter dem Felsenmeer und weit über die Heinrichshöhle hinaus bis Ende 2022 erlebbar gemacht.

Die Besucher des Felsenmeer werden bald erleben können, wie es unter dem Felsenmeer ausschaut. Wolfgang Hänisch (r.) erläuterte BM Christian Schweitzer und Projektleiter Michael Kretschmann (l.) vor Ort im Felsenmeer anhand seines Planes die Gänge und Höhlen unter dem Felsenmeer.

„Visualisierung des mittelalterlichen Bergbaus im Bodendenkmal Felsenmeer, Nummer 11 der Bodendenkmalliste der Stadt Hemer“ – der Projekttitel klingt sperrig. „Was sich aber dahinter verbirgt, ist für Hemeraner aller Generationen und natürlich auch touristische Gäste höchst spannend“, verspricht Hemers Bürgermeister Christian Schweitzer, „den Menschen sollen Einblicke ermöglicht werden, die aus Sicherheitsgründen so noch nie möglich gewesen sind.“

Schweitzer denkt dabei an die Vorschriften, die Wege durch das Felsenmeer nicht verlassen zu dürfen. Zu schnell kann ein falscher Tritt in mit Laub verdeckte Schluchten zu lebensgefährlichen Situationen führen. „Mit der heutigen Technik gibt es aber neue Wege und Möglichkeiten, die Hohlräume unter dem Felsenmeer zu entdecken.“

Die Besonderheiten sollen aber nicht nur sichtbar, sondern auch erfahrbar gemacht werden. Geplant ist eine moderne Präsentation des Montanensembles Felsenmeer als überregional bedeutendes kulturelles Erbe der Stadt Hemer und der Region. Diese Präsentation soll zeitgemäß mit 3D-Videos umgesetzt werden. Der mittelalterliche Bergbau des Felsenmeers wird virtuell an die Oberfläche projiziert und für jedermann sichtbar gemacht werden. „Dies geschieht in der Form, dass die Besucher zwar oberirdisch auf den Wegen gehen, virtuell aber schrittweise die Höhlensituation unter ihren Füßen auf ihren digitalen Endgeräten erleben. Und zwar ohne verschmutzte Schuhe, Platzangst und Lebensgefahr. Ganz einfach digital“, beschreibt Projektleiter Michael Kretschmann aus dem Bereich Stadtentwicklung bei der Stadt Hemer.

„Das über- und untertägig weitläufige Bodendenkmal Felsenmeer bei Hemer ist in ganz NRW eine der archäologisch bedeutendsten Altbergbaustrukturen. Im Lehm der Hohlräume, in denen das wertvolle Eisenerz abgebaut wurde, sind noch Arbeitsspuren der Bergbauer sichtbar, zudem wurden Feuerstellen und Werkzeugdepots entdeckt“, sagt Prof. Dr. Michael Baales von der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. Holzproben, die in das Hochmittelalter datieren sowie Größe und Erhaltungszustand machen das Bodendenkmal einzigartig in Europa. Umso wichtiger erscheint es, dass das schwer bis kaum zugängliche Areal mithilfe der Fördermittel einer breiten Öffentlichkeit zugänglich wird und so weitere Forschungen möglich werden. Dieser widmet sich die Speläo-Gruppe Sauerland e.V. bereits seit Jahrzehnten intensiv, ihr ist zudem die Erkenntnis zu verdanken, dass es sich beim Felsenmeer nicht nur um eine Karsterscheinung, sondern eben um einen Altbergbau handelt. Seit einigen Jahren arbeitet sie hier in enger Kooperation mit den Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in Olpe zusammen.

Sind 1982 auf den mehr als 1.000 Jahre alten Bergbau in Höhlen gestoßen und betreiben seitdem Forschungen unter dem Felsenmeer: die Mitglieder der Speläo-Gruppe Sauerland.

Wie wertvoll das Projekt und das Wissen der Partner ist, bringt Wolfgang Hänisch von der Speläo-Gruppe auf den Punkt: „Wir sind 1982 auf den mehr als 1.000 Jahre alten Bergbau in Höhlen gestoßen und betreiben seitdem unsere Forschungen. Aufgrund der Seltenheit von Bergbau in Höhlen ist es ein sehr großer Erfolg, dass der älteste Tiefbau auf Eisenstein in NRW nun digital an die Erdoberfläche befördert wird.“

In drei Realisierungsschritten wird dieses Thema den Menschen auf moderne Art und Weise nahegebracht. Der Umsetzungsplan schließt im ersten Abschnitt 3D-Aufnahmen der „Unter-Tage-Bereiche“ ein, im Anschluss erfolgt die wissenschaftliche Aufbereitung der Funde, die Erstellung einer 3D-Präsentation und abschließend die Herstellung und Ertüchtigung der technischen Infrastruktur und der Wege. Denn das Felsenmeer wird zusätzlich einen barrierearmen Rundweg erhalten. Dabei geht der Dank der Stadt Hemer an die engen Kooperationspartner, die LWL-Archäologie für Westfalenund die Speläo-Gruppe-Sauerland. „Ohne die Fachkenntnisse und das persönliche Engagement dieser Mitstreiter wäre eine Realisierung dieses aufwändigen Projektes nicht möglich“, so Schweitzer.
Übrigens: Aus den erstellten (digitalen) Medien wird zusätzlich eine Präsentation entwickelt, die im Felsenmeermuseum und/oder in der Stadtbibliothek gezeigt werden könnte. Die Gesamtkosten belaufen sich auf circa 220.000 Euro, wobei dank der Förderung aus dem Programm Heimatzeugnis ein Eigenanteil in Höhe von rund 40.000 Euro verbleibt.

Bildquellen

  • 222657p: Giebels / Stadt Hemer
  • 222654p: Hänisch / Speläo-Gruppe Sauerland e.V.
  • 222656p: Giebels / Stadt Hemer

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