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Neues Beratungsangebot für Wittgensteiner Händler

55 % der heimischen Händler bezeichnen ihre Geschäftslage als schlecht, 61 % berichten über ein zurückhaltendes Kaufverhalten ihrer Kundschaft, jeder fünfte Händler kämpft mit Liquiditätsengpässen und 47 % beklagen einen Eigenkapitalrückgang.

Stellten das neue Beratungsangebot vor: (v.l.) Boris Edelmann, Karsten Wolter, Klaus Gräbener und Jun.-Prof. Dr. Thomas Ludwig.

Bad Berleburg. „55 % der heimischen Händler bezeichnen ihre Geschäftslage als schlecht, 61 % berichten über ein zurückhaltendes Kaufverhalten ihrer Kundschaft, jeder fünfte Händler kämpft mit Liquiditätsengpässen und 47 % beklagen einen Eigenkapitalrückgang. In weiten Teilen des Handels ist die Lage mit ‚angespannt‘ also noch moderat umschrieben.“ IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener rief diese zentralen Ergebnisse der gerade erschienenen Konjunkturumfrage der Siegener Kammer in Erinnerung, als er gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas Ludwig, Karsten Wolter und Boris Edelmann eine weitere Initiative zur Stärkung des Wittgensteiner Einzelhandels vorstellte. Der Handel werde von zwei Seiten in die Zange genommen. Einerseits untersage oder erschwere der Staat etlichen Händlern nach wie vor, ihrem ureigenen Geschäft nachzugehen. Dies wiederum stärke Tag für Tag die Position des unsichtbaren Wettbewerbers, des Online-Handels. Kein Wunder, dass zwei von fünf Handelsunternehmen im IHK-Bezirk eine sinkende Beschäftigung in ihren eigenen Reihen erwarten. Es gibt also für die IHK jede Menge Gründe, gemeinschaftlich alles in der Region zu unternehmen, um den heimischen Handel weiter zu stärken, zumal immer mehr Menschen schon vor Corona ihr Kaufverhalten fundamental veränderten. Exemplarisch hierfür steht die zunehmende Nutzung digitaler Einkaufsplattformen mit Warenlieferung bis in die eigenen vier Wände.

„Die Amazons dieser Welt gehören zu den Gewinnern der Corona-Pandemie. Doch allein hierüber nur zu jammern, hilft nicht wirklich weiter. Online-Shops haben sich als Einkaufskanal fest etabliert und führen dem stationären Einzelhandel vor Augen, dass ein ansprechender Internetauftritt elementar ist. Auch mithilfe universitären Sachverstands wollen wir die Händler in Wittgenstein auf diesem Weg noch konsequenter als bisher unterstützen“, erläutert Klaus Gräbener. Dies sei der Ausgangspunkt des neuen Beratungsangebots, bei dem man auf den Sachverstand eines Wittgensteiners setze. Um interessierten Händlern im Altkreis bei der digitalen Transformation unter die Arme zu greifen, beauftragte die IHK Jun.-Prof. Dr. Thomas Ludwig aus Erndtebrück mit der Durchführung individueller, bedarfsorientierter Technologieberatungen. Die Finanzierung erfolgt durch die Kammer, für die Unternehmen ist die Dienstleistung kostenlos.

„Ziel ist es, den Einzelhändlern vor Ort aktuelle Konzepte und technologische Möglichkeiten aufzuzeigen, um neue Ansätze beim Einsatz digitaler Technologien auszuprobieren“, ordnet Dr. Ludwig ein. Die Themen umfassen beispielsweise 360°-Fotos und -Videos, virtuelle Rundgänge, Online-Shops, Warenwirtschaftssysteme, freies WLAN, QR-Codes, Chatbots zur automatisierten Beantwortung von Anfragen, den Einsatz von Tablets oder Smartphones im Einzelhandel, Point-of-Sale-Technologien, Augmented & Virtual Reality, CRM-Systeme, 3D-Druck oder maschinelles Lernen. Auf Basis der durch die IHK Siegen vermittelten Anfragen nimmt Dr. Thomas Ludwig eine konkrete Ist-Analyse vor um zu verstehen, welche Prozesse existieren und wie die aktuelle technologische Infrastruktur im Betrieb aufgebaut ist. Hieraus wird gemeinsam abgeleitet, wo aktuelle Herausforderungen in der eigenen Praxis existieren. Parallel dazu weist der Wissenschaftler die Einzelhändler auch auf mögliche Förderinstrumente hin, die genutzt werden können, um Digitalisierungsprozesse im eigenen Unternehmen voranzutreiben.

Karsten Wolter, Mitglied der IHK-Vollversammlung und Inhaber der Kur-Apotheke in Bad Berleburg, unterstützt den neuen Ansatz uneingeschränkt: „Für die Betriebe gerade im ländlich geprägten Wittgensteiner Land ist es bedeutsam, eigene Onlinepräsenzen aufzubauen und diese kontinuierlich zu optimieren. Zugleich gilt es, sich auch innerhalb der Ladengeschäfte für neue Technologien zu öffnen.“
Während der Corona-Krise hätten Einzelhändler, die weiter stationär verkaufen durften, durch digitale Beratungsangebote oder kontaktlose Bezahlsysteme ihre Kunden und Mitarbeiter geschützt und zugleich neue Services eingeführt. Wolter: „Hier muss noch mehr geschehen. Gut, wenn wir dabei auf solch sachkundige Unterstützung setzen können. Ich freue mich darüber, dass die IHK bei der Unterstützung des heimischen Handels noch weitere Akzente setzt.“ Koordiniert wird die neue Initiative von Boris Edelmann, der bisher bereits die heimischen Händler auf dem Weg in die digitale Transformation begleitet. „Corona treibt den Handel in einem noch vor anderthalb Jahren unvorstellbaren Maß weiter in die digitale Welt. Händler, die hierbei von Dr. Ludwig und uns begleitet werden möchten, können jederzeit gerne mit mir Kontakt aufnehmen.“

Bildquellen

  • 048-21-Technikberatung-(IHK): IHK Siegen
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