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Fachwissen

Welche Reiseversicherungen müssen sein?

Kamera, Handy, Auto, Kofferset – der Deutsche überlässt nichts dem Zufall und versichert seine Lieblingspreziosen. An einer Gesundheitspolice für das Ausland dagegen wird gern gespart – bis einem die Kosten für medizinische Leistungen das letzte Hemd ausziehen. Welche Reiseversicherung ist unverzichtbar, welche Luxus, welche komplett sinnlos?

Presse / testroom.de

Anders überlegt? Reiserücktrittsversicherungen

Vollkaskoversichert reisen? Ein verlockender Gedanke. In einem Interview der Stiftung Warentest gibt Expertin Bettina Chill Tipps zur Reiserücktrittsversicherung, ohne die es nicht geht, oder? Doch, so Chill, nicht jeder Urlauber brauche diese Versicherung, auch wenn sie scheinbar immanenter Teil jedes Pauschalreisepakets ist, sie mache nur bei kostspieligen Reisen, z. B. als Familie mit Kindern, Sinn. Alles andere sei „eine Frage persönlicher Risikobereitschaft“: Manche könnten damit leben, 1000 Euro oder mehr in den Wind zu schießen.

Auch Anwältin Grit Andersch, Berliner Expertin für Reiserecht, sieht im Interview auf Juraforum.de weniger Bedarf bei „kurzfristigen und preiswerten Last-Minute-Reisen“ – das Risiko unvorhergesehener Reiseverhinderungen sei hier gering; nur bei langfristig geplanten Trips lohne die Police. Die Kosten? Sind überschaubar: Akzeptable Verträge für eine Reise von 1500 Euro gibt es für gute 50 bis 60 Euro.

Vollschutz bzw. Topschutz empfiehlt sich für den Fall, dass Kunden ihre Urlaubsreise vor Antritt absagen, diese verfrüht abbrechen oder sich ein Aufenthalt unerwartet verlängert: Eine ergänzende Reiseabbruchversicherung greift, die bei Abbruch während der Reise den Restwert (ab Zeitpunkt des Abbruchs) versichert. Was wird erstattet? Bei Absage vor Reiseantritt die Stornokosten, ansonsten die Zusatzkosten, also entgangene Urlaubsleistungen plus Kosten für den Rückflug. Je nach Vertrag zieht der Versicherer einen Selbstbehalt von bis zu 20 % der Schadenssumme ab.

Bezüglich der Rücktrittskosten gilt: Je näher der Abreisetag rückt, desto höher die Stornogebühren. Wer also zwei Tage vor Kreuzfahrtstart ausfällt, wirft seinem Veranstalter gute 80 Prozent des Reisepreises in den Rachen. Und storniert man erst am Reisetermin, ist alles weg.

Klare Regeln, klare Reaktionen, oder? Schwierigkeiten ergeben sich, wenn eine Stornierung mit gesundheitlichen Beschwerden, deren Eintritt vorhersehbar war, begründet wird. Erleidet jemand mit Rückenproblemen einen Bandscheibenvorfall, müssen mitunter die Gerichte über die Ansprüche entscheiden. Ähnlich verhält es sich, wenn nicht klar ist, ob Impf-Unverträglichkeiten oder Schwangerschaften im Vorfeld bekannt waren. Und nur existenzbedrohende Vermögensschäden durch Feuer, Naturkatastrophen und Straftaten sind abgesichert. Expertin Bettina Chill rät: Stornieren, sobald das Problem auftaucht.

Rundum sicher? Nicht immer

Die Krux: Gerade häufig auftretende Szenarien deckt die Police nicht ab – etwa, weil ein Urlaub aus beruflichen Gründen oder wegen Streit mit mitreisenden Partnern verschoben wird. Krankheitsbedingt absagen? Dazu müssen Sie Ihren behandelnden Arzt von seiner Schweigepflicht befreien. Erfasst dagegen sind Todesfall, schwerere Erkrankungen oder ein Unfall, den der Reisende, ein Mitreisender oder ein naher Angehöriger erleidet – vorausgesetzt, er ist nicht älter als 75: Hier rechnet man jederzeit mit dem Ableben. Doch auch Erkrankungen haben ihre Tücken: Wer sich das Bein bricht, muss nicht weiterwandern, aber kann nach Einschätzung mancher Gerichte durchaus einen Badeurlaub fortsetzen.

Was tun bei beruflich motivierten Terminverschiebungen? Das Arbeitsrecht hilft aus – und holt Stornokosten zurück. Reisewillige Arbeitnehmer sollten daher immer die Zusage des Chefs in der Tasche haben, dass sie Urlaub in diesem Zeitraum erhalten – Schwarz auf Weiß.

Sonderfall Flugreisen

Aufgepasst bei Flugbuchungen: Reiserücktrittsversicherungen sind nicht automatisch Teil des Pakets. Auch genüge es nicht, dass die Versicherung „abgewählt werden kann“, so Rechtsgutachter Jan Mazak am Europäischen Gerichtshof (EuGH), Luxemburg. Beispiel: Das Onlineportal ebookers.com liste die Reiserücktrittsversicherung inmitten aller Kosten auf – und verstecke ganz unten einen dezenten Hinweis auf ein Opt-Out zum Herausnehmen aus der Buchung.

Als der Bundesverband der Verbraucherzentralen klagte, reichte das Oberlandesgericht Köln den Fall an den EuGH weiter – seine Entscheidung wird noch diesen Sommer erwartet. Generalanwalt Mazak: Eine Reiserücktrittsversicherung sei immer aktiv als Opt-In zu wählen. Ohnehin ist bei Airline-Policen Vorsicht geboten – sie bieten meist nur abgespeckten Schutz – wie Ryan Air, deren Angebote irischer Rechtsprechung unterliegen.

Policen, die die Welt nicht braucht

Reisebüros lieben den Policenmix, inklusive Haftpflicht- und Unfallversicherung. Doch nur eine Haftpflicht- oder Unfallversicherung für das ganze Jahr lohnt, was Kosten und ausreichende Deckungssummen angeht.

Meist nicht sinnvoll: Eine Reisegepäckversicherung. Tritt der Verlustfall ein, wartet man vergeblich auf Ersatz – oder erhält lediglich den Zeitwert. Kaum zu glauben, leider aber wahr: Der Versicherte verpflichtet sich, seinen Koffer zwischen die Beine zu klemmen und seinen Laptop mit in die Zugtoilette zu nehmen. Schmuck darf man im Süden gar nicht erst anlegen – alles andere gilt als fahrlässig. Was tun? Gepäck besser über die Hausratversicherung absichern, die sich allerdings nicht auf Auto oder Wohnmobil erstreckt.

Das einzige Muss: Auslandskrankenversicherung

Hajo Köster, Bund der Versicherten (BdV), klagt gegenüber Focus Online, dass die Zahl der Auslandspolicen stetig rückläufig sei, obwohl die ADAC-Fallzahlen eine deutliche Sprache sprächen: Gesundheitsschutz sei die Basis, auf die dann Reiserücktrittsversicherungen, Autoschutzbriefe oder Flugstornopolicen aufzusatteln seien.

Tatsächlich genügt die Absicherung über die Krankenkasse kaum – ob Notarztbehandlung, Operationen oder Krankenhausaufenthalt. Versicherungsfachmann Köster spricht von einem „Trugschluss mit katastrophalen Folgen“, der Normalverdiener schnell finanziell ruinieren könne. Arzt und Krankenhaus werden nur gegen Vorkasse tätig, danach erstatten die Kassen nach deutschen Sätzen – mit oft unter 50 Prozent viel zu wenig. Von Ländern ohne Erstattung wie den USA (ohne geltendes Sozialversicherungsabkommen) nicht zu reden: Hier kostet ein Tag intensivmedizinische Behandlung bis zu 10.000 Euro.

Rücktransporte? Keine Kassenübernahme. Ein betreuter Rückflug von Mallorca schlägt mit 10.000 Euro zu Buche, für Australien droht das Zehnfache. Auch für Privatpatienten empfiehlt sich angesichts derart horrender Summen eine ergänzende Police.
Dabei sind Policen mit acht bis zwölf Euro jährlich (Single) vergleichsweise günstig, eine Familie ist mit 15 bis 24 Euro dabei, und auch Tarife ohne Selbstbehalt sind machbar. Wer einen Vertrag besitzt, sollte jedes Jahr den Check machen: Tragen die Vertragsbedingungen noch der Lebensrealität Rechnung? Sind Rücktransport oder Hilfen wie ein Rollstuhl in der Altpolice wirklich enthalten?

Genaues Hinsehen erscheint zwingend, auch wenn es nach Einschätzung von Anwältin Grit Andersch keine „allumfassende Absicherung“ gibt. Sie als Anwältin für Tourismusrecht sei kurioserweise eine Spontantouristin, die „mit Sack und Pack loszieht“ und daher mit allem rechnet. Verständlich – wo Reisemängel zum Job gehören, denkt man im Urlaub ungern daran. Für alle anderen gilt: Besser vorher schlau machen.

Redaktionelle Beratung: reiseruecktrittsversicherung.org

 

FN

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