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Landrat schreibt an ThyssenKrupp-Vorstand und -Aufsichtsrat

Region fordert wirtschaftlich tragfähiges Konzept für Joint Venture mit Tata

Region fordert wirtschaftlich tragfähiges Konzept für Joint Venture mit Tata

„Die Region Südwestfalen erwartet vom Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG, dass er einer Fusion der eigenen Stahlsparte mit der des indischen Tata-Konzerns nur zustimmt, wenn die wirtschaftliche Tragfähigkeit des neuen Unternehmens sichergestellt ist!“ Diese zentrale Forderung des südwestfälischen Stahlgipfels hat Landrat Andreas Müller jetzt dem Aufsichtsratsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG, Prof. Dr. Ulrich Lehner, in einem Schreiben übermittelt. Zudem hat der Landrat in einem weiteren Schreiben Dr. Heinrich Hiesinger, den Vorstandsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG, über die Ergebnisse des südwestfälischen Stahlgipfels informiert.

Den Stahlgipfel hatte der Kreis Siegen-Wittgenstein Ende November in Kreuztal-Eichen ausgerichtet. Anlass war die geplante Fusion der Stahlsparten von ThyssenKrupp und des indischen Mitbewerbers Tata. Für ThyssenKrupp nahm Thomas Schlenz, Arbeitsdirektor thyssenkrupp Steel Europe AG, an dem Gipfel teil. Zudem waren u.a. heimische Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter, Bürgermeister, Kreistags-, Landtags- und Bundestagsabgeordnete sowie weitere Akteure aus Südwestfalen dazu eingeladen.

In seinen Schreiben an Prof. Dr. Lehner und Dr. Hiesienger machte der Landrat deutlich, dass zentrale Informationen auf dem Stahlgipfel Besorgnisse bei den Teilnehmern ausgelöst haben. „Im Laufe der Gespräche entstand bei vielen der Eindruck, dass das neue Unternehmen die Funktion einer ‚Bad Bank‘ für die ThyssenKrupp AG übernehmen soll: Milliardenschulden und -risiken werden in das neue Unternehmen ausgelagert. Zugleich solle dieses Unternehmen eigene Gewinne abführen. Eine Nachschusspflicht für die Mutterkonzerne sei dagegen nicht vorgesehen“, so Andreas Müller: Über liquides Eigenkapital werde das neue Unternehmen ebenfalls nicht verfügen: „‘Es hat nicht einmal Geld, um eine Briefmarke zu kaufen‘, brachte es ein Gipfelteilnehmer auf den Punkt“, schildert der Landrat. 

Deshalb seien Fragen nach der Montan-Mitbestimmung im neuen Unternehmen, den Standorten oder geplanten Investitionsprogrammen zwar wichtig, viel entscheidender sei zum jetzigen Zeitpunkt aber eine andere Frage, nämlich: Wird das neue Joint Venture-Unternehmen so aufgestellt sein, dass es wirtschaftlich tragfähig und somit überlebensfähig ist?
Insbesondere Gewerkschaftsvertreter warfen ThyssenKurpp auf dem Stahlgipfel vor, mit dem Joint Venture nicht das Ziel zu verfolgen, auf Herausforderungen des Stahlmarktes zu reagieren, sondern lediglich den Marktwert und die Kreditwürdigkeit der ThyssenKrupp AG erhöhen zu wollen.

„Solch ein Konstrukt mag vielleicht in guten Zeiten funktionieren, wäre aber schon bei den geringsten Verwerfungen am Markt zur Insolvenz verdammt“, fasst Andreas Müller die Sorgen der Gipfelteilnehmer zusammen: „Deshalb waren sich die Gipfelteilnehmer einig, dass die Verhandlungsführer zunächst die grundlegende Konstruktion des neuen Gemeinschaftsunternehmens so gestalten müssen, dass diese wirtschaftlich tragfähig ist. Nur unter dieser Voraussetzung können die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch die Akteure in Südwestfalen eine solche Fusion unterstützen“, so der Landrat.

Der Stahlgipfel habe auch deutlich gemacht, dass die Akteure in der Region fest an der Seite der Belegschaften an den Standorten in Kreuztal-Eichen, -Ferndorf und Finnentrop stehen. „Gemeinsam mit ihnen ist die Region bereit, für den Erhalt und die zukunftsfähige Entwicklung der Stahlwerke in Südwestfalen zu kämpfen – wie wir es in den 90er Jahren bereits einmal getan haben“, stellt Müller fest.
„Dass die Stahlwerke in Südwestfalen profitabel, hoch modern, innovativ und zukunftsfähig sind, war beim Stahlgipfel unbestritten. Wir appellieren an Sie: Setzen Sie die Zukunft dieser bedeutenden regionalen Industrieunternehmen mit wichtigen gesamtwirtschaftlichen Funktionen nicht aufs Spiel! Stimmen Sie keiner Fusion unter Bedingungen zu, die die Zukunft der Stahlproduktion in Südwestfalen und in ganz NRW in Frage stellen würde“, fordert der Landrat in seinen Schreiben. 

Die Briefe des Landrates an die Vorstands- und den Aufsichtsratsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG enden mit dem Angebot der Region, in einem weiteren Schritt, nachdem die wirtschaftliche Tragfähigkeit des neuen Unternehmens sichergestellt ist, mit den zuständigen Unternehmensvertretern über die Frage ins Gespräch kommen, wie die Werke in Südwestfalen zukunftssicher aufgestellt und weiterentwickelt werden können.

 

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