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„Wir müssen langfristig denken und gemeinsam handeln“

Acht Kommunen verbindet das Projekt „LenneSchiene“ entlang einer Route von mehr als 80 Kilometern. Das Ziel: die Lebens- und Aufenthaltsqualität im Lennetal steigern.

S�dwestfalen Agentur

Doch was passiert nach der Regionale 2013 aus dem interkommunalen Vorhaben? 

Drei Bürgermeister geben Einblick in ihre Zukunftspläne: Dr. Peter Paul Ahrens (Iserlohn), Klaus Müller (Plettenberg) und Bernhard Halbe (Schmallenberg). 

Frage: Was macht für Sie die LenneSchiene, bzw. das Lennetal in wenigen Worten aus? 

Dr. Ahrens: Enge Tallagen, wundervolle Landschaften sowie Städte, die die Gegend prägen und die am oder in der Nähe des Flusses Lenne liegen.  

Müller: Für mich sind das auch die uns verbindenden Elemente: der Fluss Lenne, die Ruhr-Sieg-Eisenbahnstrecke und die Bundesstraße 236.

Halbe: Der vergessene Fluss. Wir sprechen viel über Rhein, Ruhr und Ems. Aber die Lenne als größter Nebenfluss der Ruhr, der immer auch eine Erschließungsfunktion besaß, ist ein Stück weit unter gegangen. 

Frage: Welche Herausforderungen verbindet die Kommunen, dass man gemeinsam das Projekt LenneSchiene angeht? Immerhin trennen Iserlohn und Schmallenberg mehr als 60 Kilometer – Luftlinie wohlgemerkt!  

Halbe: Wir möchten die Lenne renaturieren, den Öffentlichen Personennahverkehr sichern, städtebauliche Entwicklungen initiieren und den Fahrradweg „Lenneroute“ ausbauen. Es gibt eine viel größere Schnittmenge als man vielleicht zunächst denkt. Natürlich gibt es auch Unterschiede.

Dr. Ahrens: Nicht zu vergessen die gemeinsame Industriegeschichte und die heute – vor allem im unteren Teil der Lenne – entstandenen Brachen. Zudem die Ruhr-Sieg-Strecke mit Bahnhofsgebäuden, die von der Deutschen Bahn aufgegeben wurden. 

Frage: Schmallenberg ist nicht mehr Teil der Ruhr-Sieg-Bahnstrecke. Herr Halbe, fühlen sich abgekoppelt? 

Halbe: Für uns lautet die Frage einfach: Wie oft fährt der Bus? Das funktioniert größtenteils sehr ordentlich. Wir müssen die Taktzahl ausweiten, auch am Sonntag muss es einen Stundentakt geben. Wir müssen sehen, dass wir da den Anschluss halten. 

Frage: Mit dem Projekt möchten Sie die Lebensqualität im Lennetal steigern. Was bringt die LenneSchiene konkret für die Bürgerinnen und Bürger in Ihren Kommunen? 

Müller: Ich sehe einen erheblichen Mehrwert für unsere Stadt, zum Beispiel durch die Gestaltung der Lenneufer. Die Fischbaubogenbrücke soll als Aussichtsplattform oberhalb der Lenne entwickelt werden. Ob dann später eine Fuß -und Radwegverbindung zur Innenstadt noch verwirklicht werden kann, ist eher eine Vision. Zudem soll auch der Altarm der Lenne in Siesel wasserhydraulisch, wasserökologisch und noch naturnäher entwickelt werden.

Dr. Ahrens: Die durchgehende Streckenführung der Lenneroute ist eine große Chance für uns alle, sie ist das sehr stark verbindende Element. Durch die Lennepromenade in Letmathe wird der Fluss in die Stadt einbezogen und erlebbar gemacht – und es werden beide Ufer gestaltet. 

Halbe: Schmallenberg darf sich auf einen fantastischen Stadtpark mit einer signifikanten Wegeverbesserung für Radfahrer und Fußgänger freuen. Durch den entstehenden „vertikalen Garten“ wird eine weitere attraktive Parkanlage geschaffen und die Verbindung der Wohngebiete der Unterstadt in die Kernstadt verbessert. 

Frage: Acht Kommunen an einem Tisch, die ein riesiges Gemeinschaftsprojekt stemmen. Sind da Schwierigkeiten und Interessenskonflikte nicht vorprogrammiert?

Dr. Ahrens: Wir haben in den letzten Jahren einiges an interkommunaler Zusammenarbeit entwickelt. Das geht immer nur auf Augenhöhe. Man darf keine Stadt herausstellen, sonst entstehen interkommunale Ängste. Die gemeinsame Arbeit ist bislang auch sehr gut gelungen.

Halbe: Alle gemeinsamen Projekte verlangen großen Aufwand und Kraftanstrengungen. Letztendlich muss man deutlich mehr investieren, bekommt am Ende aber auch mehr heraus. 

Frage: Das Projekt wird jetzt im Rahmen der Regionale 2013 entwickelt. Wie groß ist die Gefahr, dass in ein paar Jahren von der interkommunalen Zusammenarbeit nicht mehr viel übrig geblieben ist?

Müller: Wir haben ein gemeinsames Tourismuskonzept entwickelt, in dem betont wird, dass eine  Zusammenarbeit über zwei oder drei Jahre gar nichts bringt. Wir müssen langfristig denken und gemeinsam handeln. Wir möchten in Zukunft entsprechende Projekte auch außerhalb der Regionale entwickeln –  weil man sich kennt und weiß, dass man stadt- und kreisübergreifend wesentlich mehr bewirken kann.

Dr. Ahrens: Was sich bewährt hat, wird sich auch weiter fortsetzen. Der Ausbau des Radweges Lenneroute ist ein langfristig angelegtes Vorhaben. Bis dieser komplett durchgehend realisiert ist, wird noch einige Zeit vergehen…

Frage: … nämlich wie viel? 

Müller: Wie schwierig ein solches Vorhaben ist, zeigt das Radwegenetz in Plettenberg. Hier sind vor 30 Jahre die ersten Abschnitte entstanden. Vor fünf Jahren wurde dann der letzte Abschnitt unseres inzwischen 23,5 Kilometer langen Radwegenetzes als Lückenschluss umgesetzt. Daran sieht man, wie lange sich die Umsetzung der kommunalen Planungen hinziehen können. Bei der Lenneroute muss die Planung schneller umgesetzt werden.  Durch die engen Täler, die Lenne, die B236 und die Eisenbahnlinie ist es an einigen Stellen aber auch eine Frage des Platzes. Hinzu kommen Aspekte des Gewässer- und Landschaftsschutzes.

Halbe: Nehmen Sie den Abschnitt des Lennetalradweges zwischen Fleckenberg und Saalhausen als Beispiel. Finanzmittel des Bundes könnten bereitgestellt werden, aber der Grunderwerb gelingt einfach nicht. 

Frage: Das Lennetal in 15 Jahren: Wie sieht Ihre Zukunftsvision aus? 

Dr. Ahrens: Dass sich die jetzige interkommunale Zusammenarbeit intensiviert hat, daraus weitere Projekte entstanden sind. Und dass die Lenneroute viele Radfahrer anzieht – von Schmallenberg bis zur Mündung in die Ruhr und damit auch die Verbindung zum Ruhrtalradweg herstellt. 

Müller: Ich hoffe, dass wir attraktiver geworden sind – für unsere Bürgerinnen und Bürger und für die Fachkräfte von außen, die wir dringend benötigen. Mit der LenneSchiene setzen wir deutliche Akzente, damit die Menschen nicht in den hektischen und teuren Großstadtmief abwandern, sondern gerne bleiben. Weil man hier gut leben und arbeiten kann. 

Halbe: Zu Beginn habe ich die Lenne als den „vergessenen Fluss“ bezeichnet. In 10 oder 15 Jahren wäre es dann schön, wenn man sagen würde: die Lenne, der „besondere Fluss“, an dem man gerne wohnt und den man unbedingt gesehen haben muss. 

Hintergrund:

Neben Iserlohn, Plettenberg und Schmallenberg arbeiten Nachrodt-Wiblingwerde, Altena, Werdohl, Finnentrop und Lennestadt an der „LenneSchiene“. Das Projekt wurde im Rahmen der REGIONALE 2013 entwickelt und ist in diesem Jahr mit dem 3. Stern ausgezeichnet worden. Investitionen in Höhe von 26 Millionen Euro sind vorgesehen. Derzeit laufen in mehreren Kommunen die raumplanerischen Wettbewerbe. Weitere Informationen unter www.lenneschiene.de

 

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