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Ist Deutschland noch das Verbraucherparadies?

Die Deutschen kommen mit Ihrem Gehalt nicht aus – das zeigt eine Erhebung der Bank of Scotland.

Minerva Studio / Fotolia.com

An den Verbraucherpreisen in Deutschland kann dies aber nicht liegen, denn die befinden sich im Europavergleich im Mittelfeld, wie eine Statistik des Nachrichtenportals “spiegel-online” zeigt. So befand sich 2014 das Preisniveau für private Konsumausgaben hierzulande nur 1,5 Prozent über dem EU-Durchschnitt, in der Schweiz waren es 54 Prozent.

Höhere Preise haben aber interessanterweise nicht nur Hochlohnländer wie Norwegen oder die Schweiz, sondern auch direkte Nachbarländer wie Frankreich oder Italien. Beide Länder sind sowohl von der Wirtschaftskraft als auch bei den Bruttolöhnen hinter Deutschland einzuordnen. Weniger Verwunderung auslösend ist wahrscheinlich der Fakt, dass in den Euro-Krisenländern Spanien, Portugal und Griechenland die Preise niedriger sind als in Deutschland. Die geringsten Verbraucherpreise haben übrigens die östlichen Länder Europas wie Polen, Tschechien und das Schlusslicht Mazedonien.

Nachdem nun geklärt wurde, dass die Preise in Deutschland trotz relativ hoher Löhne und solider Wirtschaftskraft lediglich im europäischen Mittelfeld liegen, drängt sich die Frage auf: Wo liegen die Ursachen dafür?

Die Preisentwicklung wird mit einem sogenannten Warenkorb gemessen, das ist eine Zusammenstellung einer Anzahl verschiedener Güter, die für den Konsum in Deutschland charakteristisch sind. In einem solchen Korb befinden sich neben Nahrungsmitteln und Bekleidung auch nicht greifbare Güter wie Energie- oder Benzinkosten. Solche Güter, die häufiger konsumiert werden, finden auch eine stärkere Berücksichtigung im Warenkorb. So fallen beispielsweise die Neuwagenpreise, die im Jahr 2014 so hoch waren wie nie zuvor, nicht so stark ins Gewicht. Im vergangen Jahr betrug der Durchschnittspreis eines verkauften Neuwagens 27.189 Euro. Vielleicht Grund dafür, dass viele Deutsche derzeit über Plattformen wie wirkaufendeinauto.de Ihr Auto verkaufen, statt an den Kauf eines Neuwagens zu denken.

Wesentlich stärker werden im Warenkorb Güter des täglichen Bedarfs berücksichtigt, die viele Menschen bei relativ wenigen Anbietern kaufen, also ein klassischer oligopoler Markt. Die Lebensmittelhandelskonzerne Rewe, Aldi, Edeka und die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) besitzen einen 85 prozentigen Anteil am Wettbewerb in Deutschland, so das Bundeskartellamts in einer Untersuchung.

Genau hier liegt der Schlüßel zum Verständnis der Preisentwicklung in Deutschland: Der scharfe Wettbewerb im Einzelhandel, besonders geprägt durch Lidl und Aldi, ist hauptursächlich für die geringen Preise im Bereich Lebensmittel, die in Deutschland seit vielen Jahren vorherrschen.

Wie stark der Wettbewerb in Deutschland ist, zeigt beispielsweise das Scheitern des amerikanischen Einzelhandelsriesen Wal-Mart, der seit dem Jahr 1997 versuchte, auf dem Einzelhandelsmarkt in Deutschland Fuß zu fassen und im Jahr 2006 entnervt das Weite suchte. Das sich der Wettbewerb im Einzelhandelssektor zukünftig entspannen wird, ist nicht zu erwarten.
Auch ein anderes Warenkorbgut könnte zukünftig für weitere Entlastung sorgen: die Energie. Nach einem Bericht der Deutschen Presse Agentur (DPA) sollen die Strompreise hierzulande im laufenden Jahr sinken, nachdem sie zuvor über 14 Jahre konstant stiegen. Laut der DPA seien Senkungen um 2.4 Prozent vorgesehen. Das würde eine Durchschnittsfamilie im Jahr 2015 um bis zu 35 Euro entlasten.

Die Verbraucherpreise in Deutschland werden also in absehbarer Zeit wohl nicht ansteigen und daher wird sich Deutschland voraussichtlich auch 2015 im europäischen Mittelfeld wiederfinden – trotzt vergleichsweise hoher Löhne und einer insgesamt gut funktionierenden Wirtschaft. Aber auch die anderen europäischen Länder müssen nicht bangen, Lidl und Aldi expandieren weiter in Europa und werden die sinkenden Verbraucherkosten für Nahrungsmittel mit sich bringen.

Quellen:

  • http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ mindestlohn -hilft-beim-ausstieg-aus-hartz-iv-a-1039994.html
  • http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/preise-in-europa-deutsche-leben-guenstiger-als-die-meisten-nachbarn-a-1040064.html
  • http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mindestlohn-hilft-beim-ausstieg-aus-hartz-iv-a-1039994.html
  • http://www.boerse-konkret.de/artikel/bmw-achtung-nettogewinn-steigt-um-1690-prozent
  • “http://www.wallstreet-online.de/nachricht/7738662-xing-dialog-bmw-infineon-rally-vorlage-oktober-2014”
  • http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Nachrichten-Wirtschaft/News-Aktuelle-Nachrichten-Wirtschaft/Studie-Automobilbranche-hat-die-meisten-Freunde-auf-Facebook
  • http://www.welt.de/wirtschaft/article137241608/Preise-fuer-Neuwagen-klettern-auf-Rekordhoch.html
  • http://de.statista.com/statistik/daten/studie/178561/umfrage/gefuehl-dass-man-als-verbraucher-nicht-ernst-genommen-wird/
  • http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/strompreise-sollen-2015-bei-vielen-anbietern-sinken-a-1003983.html
  • http://www.bankofscotland.de/mediaObject/documents/bos/de/sparerkompass/Sparerkompass_2014/original/Sparerkompass_2014.pdf

 

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