News·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
6. Januar 2021

Haftpflichtversicherung mit bis zu 50 Prozent Verlust

Im vergangenen Geschäftsjahr konnten allgemeine Haftpflichtversicherung in Deutschland im Mittel 15 Cent pro Euro Mitgliedsbeitrag verdienen. Einige Branchengrößen hatten aber auch stark negative Schaden-Kosten-Quoten.

Laut dem kürzlich veröffentlichten „Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2020“ des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) konnten mit allgemeinen Haftpflichtversicherung auf dem deutschen Markt im Geschäftsjahr 2019 erneut hohe versicherungstechnische Gewinne erzielt werden. Im Mittel verdienten die Unternehmen mit jedem Beitragseuro einer Haftpflichtversicherung mehr als 15 Cent.

Im Verhältnis zu den Bruttobeiträgen lag die kombinierte Schaden-Kosten-Quote nach Abwicklung im inländischen Direktgeschäft bei 84,9 Prozent. Dies ist eine Verbesserung von 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Verluste bei sechs großen Gesellschaften

Trotz der deutlich besseren Schaden-Kosten-Quote konnte nicht alle der 50 größten Versicherungsgesellschaften, die gemeinsam einen Marktanteil von 91 Prozent in Deutschland besitzen, im vergangenen Jahr mit ihren privaten Haftpflichtversicherungen Gewinne erzielen. Sechs Gesellschaften hatten eine negative Schaden-Kosten-Quote, 2018 waren es acht, 2017 sogar zehn.

Der von der V.E.R.S. Leipzig GmbH und der Sirius Campus GmbH publizierte „Branchenmonitor 2014–2019: Haftpflichtversicherung“ zeigt aber auch, dass neun der 50 größten Marktteilnehmer einen versicherungstechnischen Gewinn von mehr als 30 Cent pro Beitragseuro erzielen konnten.

152,2 Prozent Schaden-Kosten-Quote beim Volkswohl Bund

Die schlechteste Schaden-Kosten-Quote hatte im vergangenen Jahr mit 152,2 Prozent die Volkswohl Bund Sachversicherung AG. Außerdem haben die R+V Allgemeine Versicherung AG (110,4 %), die Inter Allgemeine Versicherung AG (109,2 %) und die Mecklenburgische Versicherung a.G. (109,2 %) ebenfalls eine schlechte Schaden-Kosten-Quote ausgewiesen.

Leichte versicherungstechnische Verluste gab es überdies im Jahr 2019 bei der Janitos Versicherung AG (1,2 %) und der VHV Allgemeine Versicherung AG (0,7 %).

Schaden-Kosten-Quote der VHV deutlich verbessert

Obwohl die VHV im vergangenen Jahr noch immer eine leicht negative Schaden-Kosten-Quote verzeichnete, konnte die Versicherungsgesellschaft ihre Quote im Vergleich zum Jahr 2018 deutlich verbessern (26 %). Im gleichen Zeitraum stieg auch das Beitragsaufkommen (6 %) auf insgesamt 366 Millionen Euro. Im Geschäftsbericht heißt es dazu, dass „steigende Umsatz-, Lohn- und Honorarsummen sowie gezielte Bestandsmaßnahmen, insbesondere in der Berufshaftpflicht-Versicherung“ für die Verbesserungen der Geschäftszahlen verantwortlich sind.

Schadenquote beim Volkswohl Bund nahezu verdoppelt

Ein schlechtes Geschäftsjahr hatte hingegen der Volkswohl Bund, bei dem sich die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle auf fast 14 Millionen Euro nahezu verdoppelt haben. Verantwortlich dafür sind laut dem Geschäftsbericht „gestiegene Großschadenbelastung und eine höhere durchschnittliche Schadenhöhe.“

Außerdem hat der Volkswohl Bund seine Bruttorückstellungen im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel auf insgesamt 27,3 Millionen Euro aufgestockt. Die Rückstellungsquote der Versicherung liegt damit bei 203,5 Prozent, ist aber noch immer geringer als der Branchendurchschnitt von 258 Prozent.

Insgesamt lag die Schadenquote beim Volkswohl Bund bei fast 106 Prozent (Vorjahr 57 %). Dies ist mit Abstand ein Rekordwert unter den analysierten Markteilnehmern.

Großschaden belastet die Mecklenburgische

Laut dem Geschäftsbericht der Mecklenburgischen haben „neben Beitragsanpassungen auch tarifliche Änderungen in der gewerblichen und privaten Haftpflichtversicherung“ zu einem deutlich Anstieg (5 %) des Prämienvolumens auf 40,1 Millionen Euro geführt.

Im vergangenen Geschäftsjahr stiegen aber auch die Bruttoaufwendungen für Schadenfälle (87 %) auf 26,9 Millionen Euro deutlich. Verantwortlich dafür waren „außerordentliche Belastungen durch Großschadenereignisse sowohl im Privat- als auch im Gewerbebereich.“ Die Schadensquote des Unternehmens liegt deshalb nun mit 67,2 Prozent deutlich über dem Branchendurchschnitt von 47,6 Prozent.

Hohe Schadenquote bei der Inter Allgemeine Versicherung

Mit einem hohen Anstieg der Schadenquote (22 %) auf nun 66,9 Prozent liegt die Inter Allgemeine Versicherung auf dem 45. Platz des Rankings. Verantwortlich für diesen deutlichen Anstieg sind laut dem Geschäftsbericht die stark gestiegenen (33 %) Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle, die im vergangenen Jahr bei insgesamt 13,6 Millionen Euro lagen. Hinzukommen „die gesunkenen Abwicklungsergebnisse für Vorjahres-Versicherungsfälle.“

Betriebskostenquoten oft zu hoch

Die Studie zeigt überdies, dass Versicherungen mit einer überdurchschnittlich hohen Schadenquote in den meisten Fällen auch eine zu Betriebskostenquote haben. Lediglich die VHV und die R+V liegen mit jeweils 30 Prozent unter der Betriebskostenquote des Branchendurchschnitts von 36,1 Prozent.

Im Vergleich zu den Vorjahren gab es bei den Betriebskostenquoten der meisten Versicherungsgesellschaften nahezu keine Änderungen. Lediglich die Inter konnte ihre Kosten um drei Prozent reduzieren, liegt mit 42,4 Prozent Betriebskostenquote aber noch immer deutlich über dem Branchenmittel.

Teilen:
Weitere Artikel
Rückenwind für die Wirtschaft: präventives Gesundheitsmanagement als strategischer Vorteil
Verbraucher
Rückenwind für die Wirtschaft: präventives Gesundheitsmanagement als strategischer Vorteil

Der moderne Arbeitsalltag findet für viele Menschen fast nur noch im Sitzen statt. Stundenlanges Arbeiten am Bildschirm und eine starre Haltung prägen den Tag im Büro oder im Homeoffice. Diese mangelnde Bewegung bleibt selten ohne Folgen. Früher oder später reagiert der Körper mit Verspannungen oder Schmerzen. Für Unternehmen ist das eine ernste Herausforderung, denn kranke Mitarbeiter bedeuten immer auch wirtschaftliche Einbußen und Störungen im Betriebsablauf. Ein gut durchdachtes Gesundheitsmanagement im Betrieb ist deshalb kein Luxus, sondern eine sinnvolle Investition. Es hilft dabei, die Leistungsfähigkeit im Team langfristig zu erhalten und teure Ausfallzeiten spürbar zu senken.

3 Min. LesezeitLesen
Das Fundament der Unternehmenskultur: wie Raumgestaltung und Materialien die Mitarbeiterbindung prägen
Arbeitsleben
Das Fundament der Unternehmenskultur: wie Raumgestaltung und Materialien die Mitarbeiterbindung prägen

Die Anforderungen an den modernen Arbeitsplatz haben sich gewandelt. Lange Zeit galt das Büro primär als funktionale Betriebsstätte ein Ort, an dem Schreibtische und Computer für die tägliche Aufgabenerledigung bereitstanden. Durch die Etablierung flexibler Arbeitsmodelle und des Homeoffice hat der physische Raum jedoch eine andere Bedeutung erhalten. Er ist heute mehr als eine reine Produktionsstätte. Das Büro entwickelt sich zu einem zentralen Begegnungsort, der Identifikation stiften und die Zusammenarbeit im Team fördern soll. In Zeiten des Fachkräftemangels stehen Unternehmen vor der Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter nicht nur zu gewinnen, sondern auch langfristig an sich zu binden. Hierbei spielt die physische Umgebung eine wichtige Rolle. Ein durchdacht gestaltetes Büro transportiert die Werte eines Betriebes und macht die eigene Kultur greifbar. Wer Arbeitswelten schafft, die Wohlbefinden und Wertschätzung vermitteln, legt ein solides Fundament für eine loyale Belegschaft. Qualität, die man spürt – Materialien als Ausdruck von Wertschätzung

5 Min. LesezeitLesen
Die Ökonomie der Empathie: wie Individualisierung traditionelle Dienstleistungen wandelt
Handel
Die Ökonomie der Empathie: wie Individualisierung traditionelle Dienstleistungen wandelt

Die Welt der Dienstleistungen verändert sich spürbar. Lange Zeit ging es in der Wirtschaft vor allem um Schnelligkeit, standardisierte Prozesse und sinkende Kosten. Effizienz war für viele Betriebe das oberste Ziel. Doch dieser Fokus verschiebt sich. In einer Zeit, in der viele Angebote digitalisiert und dadurch austauschbar sind, suchen Menschen wieder nach persönlicher Nähe und maßgeschneiderten Lösungen. Reine Standardprogramme reichen oft nicht mehr aus. Gefragt sind Dienstleister, die aufmerksam zuhören und flexibel auf die persönlichen Bedürfnisse eingehen. Die emotionale Begleitung wird zu einem zentralen Faktor bei der Entscheidung für einen Anbieter.

3 Min. LesezeitLesen
Zur Startseite