„Metall ist ehrliches Material" – Doris Wilhelm-Höfler im Interview über Handwerk, Verantwortung und drei Generationen Familienbetrieb

Was hält einen Familienbetrieb über mehrere Generationen zusammen? Für Doris Wilhelm-Höfler, Chefin der seit 1946 bestehenden Wilhelm Bauschlosserei in München, sind es Kontinuität, Meisterqualität, Fleiß und der Mut zur Veränderung. Im Gespräch erklärt sie, warum Metallbau heute mehr ist als Schweißen und Schrauben, wie ein Meisterbetrieb in Feldkirchen bei München gegen Preisdruck besteht und was private wie gewerbliche Auftraggeber bei der Wahl ihres Metallbaubetriebs beachten sollten.
Handwerk in der dritten Generation: Zwischen bewährter Qualität und neuen Kundenerwartungen
business-on.de: Frau Wilhelm-Höfler, Ihr Betrieb existiert seit 1946. Was hält ein Familienunternehmen so lange am Leben?
Doris Wilhelm-Höfler: Kontinuität, ein klares Wertegerüst und die Bereitschaft, sich trotzdem ständig zu verändern. Mein Großvater hat 1946 begonnen, mein Vater hat den Betrieb durch die Industrialisierung des Handwerks geführt, und ich verantworte heute die Phase, in der digitale Planung, Energieeffizienz und veränderte Kundenerwartungen zusammenkommen. Was bleibt, ist das Selbstverständnis: Wir sind ein Meisterbetrieb in dritter Generation und stehen mit unserem Namen für jedes Geländer, jede Tür, jede Konstruktion, die unser Haus verlässt. Als Partner für Metallbau in München arbeiten wir oft über Jahre mit denselben Bauherren, Architekten, Hausverwaltungen und Firmen zusammen. Diese Beziehungen sind unser eigentliches Kapital.
business-on.de: Was bedeutet „Meisterbetrieb" heute konkret jenseits des Titels?
Doris Wilhelm-Höfler: Verantwortung in jeder Phase. Vor jedem Auftrag steht bei uns eine detaillierte Bestandsaufnahme vor Ort. Wir messen, prüfen die Substanz, sprechen mit dem Kunden über Ihre Vorstellungen und Wünsche. Erst dann entsteht ein Angebot. Gerade im Gewerbebau, aber auch bei privaten Bauvorhaben sehen wir oft, dass Standardlösungen am Bedarf vorbei geplant werden. Ein Geländer, das im Onlinekatalog gut aussieht, erfüllt im Treppenhaus nicht die einschlägigen Vorgaben und Vorschriften. Genau hier setzt die Meisterqualifikation an: Wir haften für das, was wir bauen, und das prägt jede Entscheidung von der individuellen Anfertigung im Metall- und Stahlbau bis zur Reparatur und Wartung von Türen und Toren.
business-on.de: Metallbau klingt für viele nach reinem Handwerk. Wo steckt das Unternehmerische?
Doris Wilhelm-Höfler: Überall. Wir kalkulieren Materialpreise, die sich teils sehr kurzfristig verschieben, planen Auslastung, koordinieren Projekte, sowie auch Reparaturen, zertifizieren und dokumentieren nach Normen und führen ein Team durch eine Branche, in der die Suche nach Fachkräften zu den dauerhaften Herausforderungen gehört. Wer einen Handwerksbetrieb führt, hat alle klassischen betriebswirtschaftlichen Aufgaben auf dem Tisch nur dass am Ende ein physisches Produkt steht, das viele Jahre halten muss.
business-on.de: Worauf sollten Auftraggeber bei der Auswahl eines Metallbaubetriebs achten?
Doris Wilhelm-Höfler: Drei Punkte sind aus meiner Sicht entscheidend und sie gelten für private Bauherren genauso wie für gewerbliche Kunden: Erstens eine nachvollziehbare Angebotserstellung mit Bestandsaufnahme durch einen Ortstermin, sowie Beratung und Lösungsmöglichkeiten. Zweitens belegbare Referenzen und Projekte in vergleichbarer Komplexität. Und drittens eine klare Zuständigkeit: Auftraggeber sollten wissen, wer ihr Ansprechpartner ist vom Aufmaß über die Planung und Fertigung bis zur Montage. Bei uns ist diese Linie kurz, was Abstimmungsfehler reduziert.
business-on.de: Der Fachkräftemangel ist ein Thema im Handwerk. Wie gehen Sie damit um?
Doris Wilhelm-Höfler: Wir versuchen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das unsere Mitarbeiter sich wohlfühlen, sowie Respekt und Wertschätzung erfahren. Dazu gehören moderne Werkstattausstattung, planbare Arbeitszeiten und die Erfahrung, an Projekten zu arbeiten, die man am Ende sieht und anfassen kann. Das ist ein unterschätztes Argument: Wer ein Treppengeländer für ein Münchner Bürogebäude gefertigt hat, kann Jahre später daran vorbeigehen und sagen: Das war ich. Diese Sichtbarkeit gibt es in vielen Bürojobs nicht.
business-on.de: Welche Rolle spielt die Region München für Ihr Geschäft?
Doris Wilhelm-Höfler: Eine sehr große. Der Großraum München ist zugleich Bau- und Sanierungsmarkt. Wir haben hochwertige Neubauten, denkmalgeschützte Bestände und eine starke gewerbliche Nachfrage. Regionale Nähe bedeutet kurze Anfahrtswege, schnelle Reaktionszeiten bei Reparaturen an Türen und Toren sowie persönliche Beziehungen zu unseren Kunden. Genau deshalb konzentrieren wir uns bewusst auf München und Umgebung ein Metallbaubetrieb kann aus großer Entfernung kaum die Qualität und persönliche Fachberatung liefern, die wir für unseren Anspruch brauchen.
business-on.de: Was würden Sie anderen Unternehmern mitgeben, die einen Familienbetrieb übernehmen?
Doris Wilhelm-Höfler: Den Wert des Bestehenden ernst nehmen, ohne ihn zu konservieren. Mein Vater hat mir den Betrieb übergeben, damit ich ihn erhalte und den Betrieb in meine Zeit übersetze. Übersetzen heißt: Prozesse digitalisieren, wo es Sinn ergibt. Beziehungen pflegen, die über Generationen gewachsen sind. Und sich ehrlich fragen, wofür der Betrieb stehen soll. Metall ist ein ehrliches Material es verzeiht keine Pfuscharbeit. Sondern wir stehen für Qualität und Ehrlichkeit, und so sollte auch die Unternehmensführung sein. Es verlangt viel Fleiß und Energie, sowie Mut, sich immer weiterzuentwickeln.
business-on.de: Ein Schlusssatz?
Doris Wilhelm-Höfler: Handwerk ist Leidenschaft, etwas sichtbares zu erschaffen. Es ist ein Wirtschaftszweig mit Substanz, der seine Geschichten nur seltener erzählt als andere Branchen. Handwerk braucht mehr Ansehen und Achtung in unserer modernen Welt. Ohne das Handwerk werden keine Ideen umgesetzt und der Erhalt des Geschaffenen geht verloren.
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