Experteninterview mit Jan Ferch von Radonova: Worauf Fachkräfte für Arbeitssicherheit laut Strahlenschutzgesetz jetzt achten müssen

Wir befinden uns im März 2026 und die Schonfristen innerhalb des Strahlenschutzgesetzes sind endgültig verstrichen. Was früher oft als Randnotiz in der Gefährdungsbeurteilung behandelt wurde, ist heute ein zentraler Baustein der betrieblichen Compliance. Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SiFas) stehen vor der Herausforderung, ein Phänomen zu bändigen, das man weder riechen noch schmecken kann: Radon-222. Mit geschätzten 2.800 Todesfällen pro Jahr durch Lungenkrebs, die das Bundesamt für Strahlenschutz direkt auf dieses Edelgas zurückführt, ist die Dringlichkeit keine bloße Theorie mehr. Besonders in den sensiblen Radonvorsorgegebieten, die sich mittlerweile über weite Teile Deutschlands erstrecken, wird von Betrieben heute eine lückenlose Dokumentation verlangt.
Für SiFas bedeutet dies, dass sie proaktiv handeln müssen, um nicht nur Bußgelder, sondern vor allem langfristige Gesundheitsschäden der Belegschaft zu vermeiden. Die Integration in die Risikoanalyse ist heute obligatorisch, wobei zertifizierte Radon Messgeräte für die Arbeitsplätze die Grundlage für jede valide Bewertung bilden. Wer hier auf veraltete Methoden oder punktuelle Stichproben setzt, riskiert die Rechtskonformität seines gesamten Arbeitsschutzsystems. Es geht im Jahr 2026 nicht mehr um das „Ob“, sondern um die Qualität der systematischen Umsetzung. Wir haben Jan Ferch von Radonova gefragt, wie Sicherheitsfachkräfte diesen Spagat zwischen gesetzlichen Vorgaben und betrieblicher Praxis meistern können.
business-on.de: Herr Ferch, wir beobachten im Frühjahr 2026 eine deutliche Intensivierung der behördlichen Kontrollen in Bezug auf den Strahlenschutz. Viele Fachkräfte für Arbeitssicherheit fühlen sich derzeit von der Komplexität der Radon-Regelungen überrollt. Ist diese neue Strenge aus Ihrer Sicht gerechtfertigt, oder erleben wir hier gerade eine bürokratische Übersteuerung?
Jan Ferch: Man muss hier ganz klar differenzieren zwischen bürokratischem Aufwand und gesundheitlicher Notwendigkeit. Wenn wir uns die Zahlen des BfS vor Augen führen – Radon als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs nach dem Rauchen –, dann ist die Antwort eindeutig: Die Strenge ist absolut gerechtfertigt. Jahrelang wurde Radon in Deutschland eher stiefmütterlich behandelt, während unsere europäischen Nachbarn schon viel weiter waren. 2026 ist das Jahr, in dem wir die Versäumnisse der Vergangenheit aufholen. Für eine Fachkraft für Arbeitssicherheit ist es heute schlichtweg eine Haftungsfrage. Die gesetzliche Gefährdungsbeurteilung verlangt eine fundierte Auseinandersetzung mit allen relevanten Gefahrstoffen, und Radon gehört laut Strahlenschutzgesetz nun einmal zwingend dazu, sobald man sich in einem Vorsorgegebiet befindet oder in bestimmten Branchen tätig ist. Es geht hier nicht um Schikane, sondern um den Schutz von Menschenleben.
business-on.de: Ein zentraler Punkt im Gesetz ist der Zwölf-Monats-Zyklus. Warum ist es im Jahr 2026 immer noch so wichtig, ein ganzes Jahr zu messen? Würde eine präzise Messung über die Wintermonate, wenn die Werte erfahrungsgemäß am höchsten sind, nicht ausreichen, um eine „Worst-Case-Betrachtung“ anzustellen?
Jan Ferch: Das ist ein häufiges Missverständnis. Eine reine Wintermessung würde die Belastung fast immer überschätzen und könnte zu teuren Sanierungsmaßnahmen führen, die bei einer Ganzjahresbetrachtung vielleicht gar nicht nötig wären. Umgekehrt kann eine Sommermessung die Gefahr komplett maskieren. Das Gesetz fordert den Jahresmittelwert, weil wir die chronische Exposition bewerten wollen. Wir nutzen dafür passive Detektoren, die ohne Strom funktionieren und über 365 Tage die Radon-Konzentration aufzeichnen. Diese Detektoren sind robust und manipulationssicher. Für die Fachkraft für Arbeitssicherheit bietet dieser Zeitraum auch eine gewisse Entlastung: Man platziert die Messgeräte und hat erst einmal ein Jahr lang Ruhe, bevor die Auswertung im Labor erfolgt. Das passt gut in die zyklischen Abläufe moderner Managementsysteme.
business-on.de: Wir hören oft, dass Wasserwerke und Brauereien 2026 unter besonderer Beobachtung stehen. Warum werden diese Betriebe oft strenger geprüft als zum Beispiel ein klassisches produzierendes Gewerbe in der gleichen Region?
Jan Ferch: Das liegt am Prozess. Radon ist hervorragend wasserlöslich. In Wasserwerken, wo Grundwasser belüftet oder versprüht wird, entweicht das Radon schlagartig in die Raumluft. Das Gleiche gilt für Brauereien. Hier können Konzentrationen entstehen, die weit über dem liegen, was wir in einem normalen Büro finden würden. Diese Arbeitsplätze gelten oft als „Arbeitsplätze mit erhöhter Exposition“. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit muss hier oft komplexere Schutzkonzepte entwickeln, die über einfaches Fensteröffnen hinausgehen. Hier geht es um technische Lüftungsanlagen, Druckkaskaden und oft auch um die Überwachung der persönlichen Dosis der Mitarbeiter. Das ist die „Königsklasse“ des Radon-Schutzes, und hier ist die Expertise von Anbietern, die sich auf Radon spezialisiert haben, absolut unverzichtbar.
business-on.de: Angenommen, eine SiFa stellt nach der Messung fest, dass der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschritten wurde. Was sind im Jahr 2026 die ersten Schritte, die getan werden müssen, ohne direkt die gesamte Belegschaft in Panik zu versetzen?
Jan Ferch: Ruhe bewahren und methodisch vorgehen. 300 Bq/m³ ist ein Referenzwert, kein strenger Grenzwert, bei dessen Überschreitung das Gebäude sofort geräumt werden muss. Aber: Es ist ein Signal für sofortigen Handlungsbedarf. Der erste Schritt ist die Ursachenforschung. Oft sind es triviale Dinge: Ein ungenutzter Siphon im Keller ist ausgetrocknet und lässt Bodengase durch, oder eine Rohrführung wurde nicht korrekt abgedichtet. Die SiFa sollte Maßnahmen zur Reduzierung einleiten – das kann von verstärktem Lüften bis hin zur Installation eines Radon-Absaugsystems unter der Bodenplatte reichen. Wichtig ist die Dokumentation dieser Maßnahmen und die anschließende Kontrollmessung. Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind und die Werte hoch bleiben, muss die Behörde informiert werden. Transparente Kommunikation gegenüber den Mitarbeitern ist hierbei der Schlüssel. Wer zeigt, dass er das Problem aktiv angeht, schafft Vertrauen.
business-on.de: Inwieweit hat sich der Markt für Messtechnik bis 2026 verändert? Gibt es Trends bei der Qualitätssicherung, auf die Unternehmen achten sollten, wenn sie ihre Ausrüstung bestellen?
Jan Ferch: Der Trend geht eindeutig zur Qualität und Zertifizierung. Es gibt viele Billiganbieter auf dem Markt, aber im Ernstfall zählt nur ein rechtssicheres Ergebnis von einem anerkannten Labor. Wir bei Radonova setzen auf höchste Standards, weil wir wissen, dass die Daten die Basis für weitreichende unternehmerische Entscheidungen sind. Eine SiFa sollte darauf achten, dass die Detektoren für den Einsatz am Arbeitsplatz zugelassen sind und die Auswertung durch ein nach ISO/IEC 17025 akkreditiertes Labor erfolgt. Es geht schließlich um die Rechtssicherheit des Arbeitgebers. Wer hier am falschen Ende spart, zahlt bei der nächsten Prüfung der Gewerbeaufsicht oder der Berufsgenossenschaft unter Umständen doppelt. Informationen zu aktuellen Standards finden Interessierte auch auf unserer Webseite unter https://radonova.de/.
business-on.de: Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Wird das Thema Radon 2027 und darüber hinaus wieder in der Versenkung verschwinden, wenn die ersten großen Messwellen abgeschlossen sind?
Jan Ferch: Ganz im Gegenteil. Wir stehen erst am Anfang. Die Ausweisung der Vorsorgegebiete wird sich durch die neuen Daten, die wir gerade sammeln, kontinuierlich verändern. Wir werden erleben, dass Kommunen, die heute noch als sicher gelten, morgen zum Vorsorgegebiet erklärt werden. Zudem rückt das Thema Nachhaltigkeit und Energieeffizienz immer mehr in den Fokus. Hochgedämmte, luftdichte Gebäude sind anfälliger für Radon-Anreicherungen, wenn die Lüftungskonzepte nicht stimmen. Das Thema wird also ein dauerhafter Bestandteil des modernen Arbeitsschutzes bleiben. Wer heute die Weichen stellt und Radon fest in sein System integriert, ist für die Zukunft bestens aufgestellt.
business-on.de: Herr Ferch, wir danken Ihnen für diese fundierten Einblicke und die klaren Handlungsempfehlungen für die Praxis.
- Titelbild: Kilian Karger
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