Schädlingsbefall im Betrieb: „Wer zu lange wartet, zahlt doppelt" – Interview mit einem Berliner Kammerjäger

Schädlingsbefall ist für Unternehmen ein handfestes Betriebsrisiko: Ratten in der Gastronomie, Bettwanzen in der Ferienwohnung oder Wespen im Bürogebäude können Umsatzausfälle, Imageschäden und behördliche Beanstandungen nach sich ziehen und treffen kleine Betriebe oft härter als große Ketten. Wie Gewerbebetriebe und Hausverwaltungen professionell reagieren und was echte Prävention leisten kann, erklärt ein erfahrener Kammerjäger in Berlin im redaktionellen Gespräch. Das Familienunternehmen Klaus G. Hagenlocher UNEX Service e.K. ist nach eigenen Angaben seit 1972 in Berlin, Potsdam und dem Berliner Umland tätig und betreut Gewerbebetriebe, Hausverwaltungen sowie Privatkunden.
„Schädlingsbefall ist ein unternehmerisches Risiko, kein hygienisches Detail"
business-on.de: Herr Hagenlocher, wann wird Schädlingsbefall für einen Betrieb wirklich gefährlich?
Klaus G. Hagenlocher: „Sobald der reguläre Betriebsablauf gestört ist. In der Gastronomie kann bereits ein einziger sichtbarer Nager im Gastraum dazu führen, dass Gäste ausbleiben und Online-Bewertungen kippen. Bei Hausverwaltungen kommen schnell rechtliche Fragen hinzu, etwa Mietminderungen oder die Verkehrssicherungspflicht. Der eigentliche Schaden ist selten das Tier es sind Umsatz, Reputation und Zeit."
business-on.de: Welche Schädlinge beschäftigen Berliner Unternehmen aus Ihrer Erfahrung besonders häufig?
Klaus G. Hagenlocher: „Ratten und Mäuse bleiben Dauerbrenner, vor allem rund um Baustellen und in dicht bebauten Innenstadtlagen. Bettwanzen sind durch Reise- und Kurzzeitvermietung wieder deutlich präsenter. Und im Sommer treiben Wespen und Schaben viele Betriebe in die Enge. Auch Ameisen und Materialschädlinge sind regelmäßig ein Thema. Jede Art braucht eine andere Strategie eine Pauschallösung gibt es nicht. Bei Objekten mit Tauben kommt zusätzlich die fachgerechte Vergrämung ins Spiel."
Reaktionszeit als Kostenfaktor
business-on.de: Sie sagen, wer zu lange wartet, zahlt doppelt. Was heißt das konkret?
Klaus G. Hagenlocher: „Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Restaurantbetreiber entdeckt Kotspuren am Freitagabend und hofft, dass sich das Problem bis Montag von selbst erledigt. Bis dahin haben sich Ratten orientiert, Wege markiert und mitunter Nester angelegt. Die Bekämpfung dauert dann erfahrungsgemäß nicht mehr wenige Termine, sondern kann sich über Wochen inklusive Nachkontrolle ziehen. Eine schnelle Reaktion ist der wichtigste Kostenhebel."
business-on.de: Woran erkennen Betriebe frühe Warnsignale?
Klaus G. Hagenlocher: „An Kleinigkeiten, die im Alltag oft übersehen werden: angeknabberte Verpackungen im Lager, dunkle Kotkrümel entlang von Wänden, ungewöhnliche Gerüche in Kellerräumen oder auffällig viele Insekten in einer Ecke. Wer solche Hinweise dokumentiert und sofort meldet, spart sich später den großen Einsatz."
Was seriöse Schädlingsbekämpfung ausmacht
business-on.de: Der Markt ist unübersichtlich. Woran erkennen Auftraggeber einen seriösen Dienstleister?
Klaus G. Hagenlocher: „Es gibt einige nachprüfbare Kriterien: IHK-geprüfte Fachkräfte, transparente Angebote auch bei Kleinaufträgen, gesetzeskonformer Einsatz von Bioziden, saubere Dokumentation für Behörden und im Rahmen von HACCP-Konzepten sowie klare Aussagen zur Nachkontrolle. Wer nur ein Präparat verkauft und wieder geht, hat das Prinzip nicht verstanden. Schädlingsbekämpfung ist Diagnose, Maßnahme und Nachsorge diskret, wirksam und nachhaltig."
business-on.de: Wie läuft ein professioneller Einsatz idealerweise ab?
Klaus G. Hagenlocher: „Zuerst kommt eine gründliche Befallsanalyse vor Ort: Welche Art, welche Population, welche Zugangswege? Danach folgt ein individuelles Bekämpfungskonzept, das den laufenden Betrieb möglichst wenig stört in der Gastronomie oft außerhalb der Öffnungszeiten, bei Wohnanlagen mit klarer Bewohnerkommunikation. Am Ende stehen Nachkontrolle, Dokumentation und Empfehlungen zur Prävention."
Prävention: der unterschätzte Hebel
business-on.de: Welche Präventionsmaßnahmen empfehlen Sie Unternehmen unabhängig von akutem Befall?
Klaus G. Hagenlocher: „Bauliche Dichtheit ist ein zentraler Baustein: verschlossene Kabel- und Rohrdurchführungen, intakte Türdichtungen, engmaschige Gitter an Lüftungen. Dazu kommt konsequentes Abfallmanagement mit dicht schließenden Behältern und regelmäßiger Leerung. Und ein Monitoringsystem mit festen Kontrollpunkten gerade für Lebensmittelbetriebe und Hausverwaltungen zahlt sich das langfristig aus."
business-on.de: Wie oft sollten Gewerbebetriebe kontrollieren lassen?
Klaus G. Hagenlocher: „Das hängt von Branche und Risiko ab. Lebensmittelverarbeitende Betriebe setzen in der Regel auf dauerhafte Monitoringverträge mit regelmäßigen Rundgängen. Für Bürostandorte oder kleinere Wohnobjekte kann eine seltenere Sichtkontrolle ausreichen. Entscheidend ist, dass jemand hinschaut, der die typischen Verstecke kennt."
Regionale Erfahrung als Faktor
business-on.de: Spielt die regionale Erfahrung eines Dienstleisters wirklich eine Rolle?
Klaus G. Hagenlocher: „Sehr sogar. Berlin, Potsdam und das Berliner Umland haben eigene bauliche Strukturen Altbauten mit Innenhöfen, Plattenbausiedlungen, viel Gastronomie in Erdgeschosslagen. Ein Team, das seit über 50 Jahren in dieser Region arbeitet, kennt typische Zugangswege und wiederkehrende Muster. Diese Erfahrung kann die Diagnose spürbar verkürzen."
business-on.de: Ihr Rat an Verantwortliche, die das Thema bisher aufgeschoben haben?
Klaus G. Hagenlocher: „Warten Sie nicht, bis der erste Gast eine Ratte fotografiert oder das Gesundheitsamt an der Tür steht. Eine seriöse Erstberatung kostet wenig, kann aber teure Notfälle verhindern. Schädlingsbekämpfung ist Risikomanagement und das gehört in jeden Betriebsablauf."
- Titelbild: Pexels
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