E-Commerce·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
19. Oktober 2021

Interview mit Pavlos Tsulfaidis zum Thema E-Commerce

Pavlos Tsulfaidis

Pavlos Tsulfaidis ist CEO und Gründer der SmartStore AG. Seit 1999 managt er komplexe eCommerce- und Digitalisierungsprojekte über ihren gesamten Lebenszyklus.

In einem Interview mit IT-Zoom am 09.09.2021 geben Sie an, dass einige Ihrer Shopbetreiber Umsätze während Corona teilweise verdoppeln konnten, es sich dabei allerdings nicht um einen langfristige Zuwachs handelt. Sollten Unternehmen mit diesen Geschäftsmodellen solche Summen eher als Rücklage absichern oder direkt investieren?

Das kommt immer auf den Einzelfall an, was Unternehmer mit solchen unplanbaren „Windfall-Profits“ anfangen. Wenn sich der Markt für Heimsport-Fitnessversender wegen Corona-Lockdowns so extrem dreht, wie unsere Shopbetreiber das in 2020 und auch noch 2021 gesehen haben, liegt es doch auf der Hand, dass diese zusätzliche Nachfrage nicht einfach 1:1 auf 2022 oder 2023 fortgeschrieben werden kann. Ein gefährliches Rezept, sein Unternehmen in den Ruin zu treiben.

Diese Händler sind nach meiner Meinung gut beraten, wenn sie diesen Zufallsgewinn 1:1 in ihr Unternehmen stecken. Wie, ist sehr individuell und diskussionswürdig. Hohe Rücklagen sind bei Inflationszahlen jenseits der 5 Prozent eine finanztechnische Selbstbestrafung. Das Geld verbrennt sich selbst in kürzester Zeit. Vielleicht möchten sie lieber in Warenbestand investieren? Lieferfähigkeit und kaputte Lieferketten sind ein enorm pressendes Thema, wenn selbst Apple, der König des Supply Chain Managements, jetzt seine iPhone-13-Produktion drosseln muss – und Warenbestände unterliegen nicht der Inflation.

Vielleicht ist es aber sinnvoller, noch nicht genutztes Potential im Sales und IT-Infrastruktur mit Investitionen anzusprechen. So werden Shops immer vernetzter, integrieren immer mehr Services, Datenbanken und künstliche Intelligenz.

Was war denn das größte Learning für den E-Commerce, das durch die Pandemie zustande gekommen ist?

Nichts bleibt so wie es ist. Man muss als Händler sehr gut aufgestellt sein. Nichts darf zu weit weg von aktuellen Digital-Themen und Trends liegen. Der Erfolg ist nicht garantiert, Kunden sind ständig auf dem Sprung. Wer darauf nicht mit verstärkter IT-Energie reagiert, erlebt folgendes: unbekannte Wettbewerber kommen über einen neuartigen Seitenkanal und schnappen Marktanteile weg.

Welche Vorteile kann der E-Commerce gegenüber dem stationären Handel haben und welche Fallstricke lauern bei der Erweiterung des analogen Angebots durch digitale Lösungen?

Beides lässt sich optimal verbinden. Unsere jüngste Idee dazu: ein Shop ausgerüstet mit künstlicher Intelligenz von unserem Partner mapAds, ein junges Startup aus Siegen. mapAds entwickelt automatisiertes standortbezogenes Produkt-Marketing über YouTube, Google, Facebook, Instagram. So können Händler automatisch die richtigen Kunden erreichen, in einer Ausarbeitung und über ihr gesamtes Artikelsortiment. Das wäre manuell mit klassischer Werbung und traditionellen Arbeitstechniken niemals möglich.

Mit welchem Herausforderungen sehen sich Unternehmen bei der Implementierung einer digitalen Präsenz konfrontiert und was ist bei solchen Integrationen besonders zu beachten?

Wir sehen es so oft: eine exzellente Beratung macht den Unterschied. Viele Implementierungen scheitern daran. Die Beratung ist oberflächlich, lückenhaft und bringt die Unternehmen nicht nach vorne. Wir sehen das, wenn solche Implementierungen ein zweites Mal aufgesetzt werden: mit uns.

Wissenschaftler gehen von einer vollständigen Stabilisierung der Covid-19-Lage gegen 2022 aus. Was bedeutet das Ihrer Meinung nach für digitale Händler und worauf
müssen Unternehmen zukünftig achten, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben?

Ich glaube das nicht. Die 2020-er Jahre werden das Covid-19-Jahrzehnt. Diese Pandemie und ihre Folgen werden uns sicherlich noch mehrere Jahre beschäftigen und begleiten.

Teilen:
Weitere Artikel
Interview: Wie professionelle Gebäudereinigung zum Produktivitätsfaktor für den Mittelstand wird
Expertentalk
Interview: Wie professionelle Gebäudereinigung zum Produktivitätsfaktor für den Mittelstand wird

Professionelle Gebäudereinigung ist für den Mittelstand kein reiner Kostenpunkt, sondern kann ein Produktivitätsfaktor sein: Saubere Büros können dazu beitragen, Krankmeldungen zu reduzieren, die Konzentration zu unterstützen und bei Kundenterminen einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Wie kleine und mittelständische Unternehmen die Reinigung strategisch aufsetzen, welche Fehler häufig passieren und warum ein verlässlicher Dienstleister mehr wert sein kann als der günstigste Anbieter, erklärt Marc Forczak, Geschäftsführer von MJ Dienstleistungen. Das Unternehmen betreut private Haushalte ebenso wie Büros und gewerbliche Objekte und ist Experte für Gebäudereinigung in Oberursel. Interview mit der Geschäftsführung der MJ Dienstleistungen GbR: Marc Forczak business-on.de: Das Thema Sauberkeit im Unternehmen wird oft unterschätzt. Unser Motto heute lautet daher: „Reinigung ist keine Nebensache, sondern Teil der Betriebsorganisation“. Herr Forczak, viele Unternehmer sehen Gebäudereinigung als reinen Kostenpunkt. Ist das ein Denkfehler?

4 Min. LesezeitLesen
Schädlingsbefall im Betrieb: „Wer zu lange wartet, zahlt doppelt" – Interview mit einem Berliner Kammerjäger
Expertentalk
Schädlingsbefall im Betrieb: „Wer zu lange wartet, zahlt doppelt" – Interview mit einem Berliner Kammerjäger

Schädlingsbefall ist für Unternehmen ein handfestes Betriebsrisiko: Ratten in der Gastronomie, Bettwanzen in der Ferienwohnung oder Wespen im Bürogebäude können Umsatzausfälle, Imageschäden und behördliche Beanstandungen nach sich ziehen und treffen kleine Betriebe oft härter als große Ketten. Wie Gewerbebetriebe und Hausverwaltungen professionell reagieren und was echte Prävention leisten kann, erklärt ein erfahrener Kammerjäger in Berlin im redaktionellen Gespräch. Das Familienunternehmen Klaus G. Hagenlocher UNEX Service e.K. ist nach eigenen Angaben seit 1972 in Berlin, Potsdam und dem Berliner Umland tätig und betreut Gewerbebetriebe, Hausverwaltungen sowie Privatkunden. „Schädlingsbefall ist ein unternehmerisches Risiko, kein hygienisches Detail" business-on.de: Herr Hagenlocher, wann wird Schädlingsbefall für einen Betrieb wirklich gefährlich?

4 Min. LesezeitLesen
„Sicherheit ist Chefsache, aber Handwerk zugleich" – Interview mit der WSM Wachschutz GmbH Mittweida über modernen Objektschutz im Mittelstand
Expertentalk
„Sicherheit ist Chefsache, aber Handwerk zugleich" – Interview mit der WSM Wachschutz GmbH Mittweida über modernen Objektschutz im Mittelstand

Moderner Objektschutz im Mittelstand verbindet heute stationäre Präsenz, mobile Streifen und eine erreichbare Leitstelle zu einer durchgehenden Sicherheitskette. Wie das in der Praxis aussieht, erläutert die Geschäftsleitung der ws-mittweida.de im Interview. Einbruchsversuche auf Gewerbeflächen, Vandalismus an Baustellen oder Grauzonen im Empfangsbereich: Wer in Sachsen ein Unternehmen führt, muss sich zunehmend mit Sicherheitsfragen beschäftigen, für die im Tagesgeschäft eigentlich keine Zeit bleibt. business-on.de: Viele Mittelständler unterschätzen das Thema Sicherheit, bis etwas passiert. Woran liegt das? Thomas Fischer: Sicherheit ist eines dieser Themen, die im Alltag unsichtbar sein sollen. Solange nichts passiert, wirkt jede Investition wie ein Kostenblock ohne Ertrag. Erst nach einem Einbruch, einer Sachbeschädigung oder einem Zwischenfall im Empfangsbereich stellt sich die Frage: Warum haben wir das nicht vorher geregelt? Genau an dieser Stelle setzen wir an. Unser Ziel ist nicht, Angst zu erzeugen, sondern gemeinsam mit Ihnen als Kunde das reale Risiko sauber einzuschätzen bei einer Produktionshalle sieht das anders aus als bei einer öffentlichen Einrichtung oder einem Logistikstandort.

4 Min. LesezeitLesen
Zur Startseite