Zwei Brüder, ein Bio-Snack-Business: Wie Genussflocken vom Küchenexperiment ins Handelsregal kam

Aus einer Idee am heimischen Küchentisch ein marktreifes Produkt zu entwickeln, gilt als eine der schwierigsten Aufgaben für Gründerinnen und Gründer. Vor allem im Lebensmittelbereich entscheiden neben Geschmack und Qualität auch Zertifizierungen, Haltbarkeit und der Zugang zum Handel über Erfolg oder Misserfolg. Das Brüderpaar Christian und Dr. Felix Rabeler hinter den Genussflocken hat genau diesen Weg gemeistert mit walzengetrockneten Bio-Frucht- und Gemüseflocken, lebensmitteltechnologischem Know-how und dem Einstieg in den stationären Handel über ein Start-up-Programm. business-on.de sprach mit der Geschäftsführung der „Dr. Crispy and Mr. Dried Genussflocken“ über ihren Weg vom Familienexperiment zur Marktreife.
business-on.de: Sie haben das Unternehmen als Familie aufgebaut. Wie kommt man darauf, aus Flocken ein Geschäftsmodell zu machen?
Dr. Felix Rabeler: Das Flocken-Gen wurde uns gewissermaßen in die Wiege gelegt. (lacht) Unsere Eltern waren bereits beruflich mit dem Thema beschäftigt, und wir haben schon als Kinder damit experimentiert. Irgendwann war klar: Aus der Leidenschaft wollen wir ein gemeinsames Familienprojekt machen.
business-on.de: Welche fachliche Basis brachten Sie beide dafür mit?
Christian Rabeler: Felix hat in Lebensmitteltechnologie promoviert, ich bin Lebensmitteltechnikexperte. Wir wussten also ziemlich genau, was technisch möglich ist und wo die Grenzen liegen. Das hat uns geholfen, die Idee nicht nur als Hobby zu denken, sondern von Anfang an als Produkt, das handelstauglich werden soll.
business-on.de: Woher kommen die Namen „Dr. Crispy“ und „Mr. Dried“?
Dr. Felix Rabeler: Die Figuren spiegeln uns wider. Ich bin Dr. Crispy den Doktortitel habe ich ja tatsächlich.
Christian Rabeler: Und ich bin Mr. Dried, der Experte fürs Trocknen. Wir wollten eine Marke, die im Kopf bleibt und zeigt, dass echte Menschen dahinterstehen.
business-on.de: Was genau steckt hinter den Bio-Genussflocken und was unterscheidet sie von herkömmlichen getrockneten Früchten aus dem Supermarktregal?
Dr. Felix Rabeler: Der Schlüssel ist die Walzentrocknung. Dadurch entstehen feine Flocken, die sofort einsatzbereit sind ohne Waschen, Schälen oder Schnippeln. Sie sind bio-zertifiziert, vegan und kommen völlig ohne Zusatzstoffe aus. Gleichzeitig sind sie lange haltbar, was sie für Haushalte und für den Handel praktisch macht.
Christian Rabeler: Unsere Sortenvielfalt reicht dabei von süßen bis zu herzhaften Varianten: Dattel, Mango, Zitrone, Erdbeere und Ananas stehen neben Tomate und Honig im Sortiment. Jede Sorte bringt ein eigenes Geschmacksprofil mit von karamellig-mild bis spritzig-frisch. Wer die Flocken etwa als natürliches Müsli-Topping einsetzt, nutzt dabei nur eine von vielen Möglichkeiten das Konzept zielt bewusst auf die gesamte Küche, vom Frühstück bis zum Dessert.
business-on.de: Warum war Ihnen der Bio-Anspruch so wichtig?
Dr. Felix Rabeler: Wir wollten ein Produkt, bei dem drin ist, was draufsteht hundert Prozent Natur, ohne Zusatzstoffe. Bio-zertifiziert zu sein, ist für uns kein Marketingargument, sondern eine Selbstverständlichkeit. Gerade weil unsere Flocken so vielseitig einsetzbar sind, landen sie in sehr unterschiedlichen Gerichten. Da muss die Qualität einfach stimmen.
business-on.de: Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?
Christian Rabeler: Vom gesundheitsbewussten Frühstücker bis zur experimentierfreudigen Hobbyköchin ist alles dabei. Viele suchen gezielt nach Produkten ohne Zusatzstoffe, die trotzdem unkompliziert sind. Genau dafür haben wir die Flocken gemacht: aufreißen, drüberstreuen, fertig.
business-on.de: Für junge Food-Marken ist der Eintritt in den stationären Handel oft die härteste Prüfung. Wie haben Sie den Sprung dorthin geschafft?
Dr. Felix Rabeler: Ein wichtiger Meilenstein war für uns die Teilnahme an der REWE Start-up Lounge. Wir haben uns dort in jüngerer Zeit gegen zahlreiche andere junge Marken durchgesetzt und den zweiten Platz belegt. Im Anschluss wurden unsere Produkte in rund 170 REWE-Märkten deutschlandweit gelistet. Das war für ein Familienunternehmen wie unseres ein enormer Schritt.
business-on.de: Was war auf diesem Weg die größte Herausforderung?
Christian Rabeler: Eindeutig die Skalierung. Vom überschaubaren Produktionsumfang auf ein Niveau zu kommen, mit dem man einen großen Handelspartner beliefern kann, verändert alles: Prozesse, Planung, Logistik.
Dr. Felix Rabeler: Gleichzeitig darf die Produktqualität nicht leiden genau das ist unsere zentrale Aufgabe geblieben. Und man muss geduldig bleiben: Vom ersten Gespräch bis zur tatsächlichen Listung vergeht mehr Zeit, als man denkt.
business-on.de: Was raten Sie anderen Gründerinnen und Gründern, die den Schritt in den Handel planen?
Dr. Felix Rabeler: Sich früh mit den Anforderungen des Handels auseinanderzusetzen. Eine Listung ist nicht das Ziel, sondern der Anfang: Das Produkt muss sich im Regal auch bewegen. Dafür braucht es eine klare Geschichte und Kundinnen und Kunden, die auf den ersten Blick verstehen, was das Produkt kann.
business-on.de: Wo setzen Kundinnen und Kunden die Flocken im Alltag tatsächlich am meisten ein?
Christian Rabeler: Die Bandbreite überrascht uns selbst immer wieder. Vom klassischen Frühstück über herzhafte Gerichte bis zum Backen die Flocken sind bewusst so konzipiert, dass sie überall funktionieren. Konkret lässt sich das in vier Bereiche gliedern: als Topping auf Müsli, Joghurt, Bowls und Desserts, in der herzhaften Küche, beim Backen und als Veredelung von Drinks und Eis.
Dr. Felix Rabeler: Gerade die herzhafte Seite wird oft unterschätzt. Tomatenflocken auf der Pizza oder im Brotteig sind bei uns zu Hause längst Standard. Und gerade beim Backen sind viele überrascht, wie gut die Flocken die Hitze vertragen und danach wieder knusprig werden. Auch unsere Kinder lieben die Flocken nicht nur zum Frühstück, sondern als Topping auf dem Eis. Sie sollen als unkomplizierte Alltagszutat durch die gesamte Küche wandern.
business-on.de: Wie geht es weiter was sind die nächsten Schritte für „Dr. Crispy and Mr. Dried“?
Dr. Felix Rabeler: Wir wollen weiter wachsen, aber auf unsere Art. Der Bio-Anspruch bleibt dabei die Konstante: hundert Prozent Natur, keine Zusatzstoffe, ein Familienbetrieb mit klaren Werten. Neue Sorten und neue Einsatzideen kommen dazu das Ausprobieren gehört schließlich zu unserer Geschichte, seit wir als Kinder damit angefangen haben.
Christian Rabeler: Wir wollen weiter zeigen, dass Bio und Genuss kein Widerspruch sind das war von Anfang an unser Antrieb. Ob weitere Handelspartner, neue Sorten oder zusätzliche Einsatzfelder: Die nächsten Schritte werden zeigen, wie weit diese Familienidee aus der heimischen Küche noch tragen kann.
- Titelbild: Pexels
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