Arbeitsleben·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
10. Juli 2026

Fachkräftemangel in Versicherungen: Wie die Branche gegensteuert

Gegen den Fachkräftemangel setzt die Versicherungsbranche auf ein Bündel von Maßnahmen von der Ausbildungsoffensive über Employer Branding und Weiterbildung bis zur gezielten Direktansprache durch spezialisierte Personalberater. Denn erfahrene Fachkräfte gehen in Rente, während Digitalisierung und Regulatorik neue Spezialkompetenzen verlangen. Wie gravierend die Lage insgesamt ist, zeigt ein Forschungsbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): 40,2 Prozent aller Betriebe in Deutschland meldeten im ersten Halbjahr 2022 einen Fachkräftebedarf ein Höchststand. 61,3 Prozent erwarteten Personalprobleme in den folgenden zwei Jahren, und rund 45 Prozent aller angebotenen Fachkräftestellen konnten 2022 deutschlandweit nicht besetzt werden.

Für die Assekuranz ist das mehr als eine Randnotiz. Wer heute einen Aktuar, einen erfahrenen Underwriter oder einen IT-Architekten sucht, konkurriert in einem Markt, in dem qualifizierte Kandidaten kaum aktiv auf Jobsuche sind. Genau hier setzt spezialisiertes Recruiting an: Eine Headhunter Versicherung erreicht Schlüsselkräfte, die über klassische Stellenanzeigen praktisch nicht mehr ansprechbar sind.

Ursachen: Warum die Assekuranz besonders unter Druck steht

Der Engpass in der Versicherungsbranche hat mehrere Wurzeln. An erster Stelle steht der demografische Wandel: Eine Verrentungswelle entzieht den Unternehmen langjährig erfahrene Mitarbeiter, deren Fachwissen sich nicht kurzfristig ersetzen lässt. Gleichzeitig gilt die Branche bei vielen Berufseinsteigern als wenig attraktiv ein Imageproblem, das die Nachwuchsgewinnung erschwert.

Hinzu kommt der Digitalisierungsdruck. Viele Versicherer betreiben noch historische Mainframe- und Legacy-Systeme, die durch Cloud-native Lösungen abgelöst werden müssen. Berichte aus der Branche machen deutlich, dass gerade der IT-Fachkräftemangel die Assekuranz besonders hart trifft: Alte Systeme und fehlender Nachwuchs treffen aufeinander. Parallel steigen die regulatorischen Anforderungen. Solvency II, IFRS 17 und ESG-Reporting verlangen Spezialisten, die versicherungsfachliche Tiefe mit regulatorischem und technologischem Verständnis verbinden ein Profil, das der Markt nur selten hergibt. Der Wettbewerb durch agile InsurTechs verschärft die Konkurrenz um dieselben knappen Talente zusätzlich.

Gegenmaßnahmen: Wie Versicherer reagieren

Die Branche bleibt nicht untätig. Ein sichtbares Signal liefert die Ausbildungsoffensive: 2024 stieg die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Versicherungswirtschaft laut Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen (AGV) um 2,6 Prozent, die Zahl der Auszubildenden sogar um 7,5 Prozent. Das ist ein deutliches Bekenntnis zur eigenen Nachwuchsförderung.

Neben der Ausbildung setzen Versicherer auf mehrere Hebel gleichzeitig. Employer Branding und moderne Arbeitsmodelle sollen die Branche für Bewerber attraktiver machen. Weiterbildung qualifiziert vorhandene Belegschaften für neue digitale und regulatorische Aufgaben. Und der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz etwa in der Dunkelverarbeitung von Schäden oder bei Routineprozessen soll knappe Personalkapazitäten entlasten, statt sie zu ersetzen. Für hochspezialisierte Schlüsselpositionen reichen diese Maßnahmen allein jedoch nicht aus.

Je spezialisierter eine Position, desto weniger funktioniert die klassische Ausschreibung. Verantwortliche Aktuare nach DAV-Standard, Chief Risk Officer, Head of Underwriting oder CIOs mit Migrationserfahrung sind fast nie arbeitslos und reagieren selten auf Stellenanzeigen. Erreichbar werden sie nur durch diskrete, wertschätzende Direktansprache im verdeckten Arbeitsmarkt dem Kern des Executive Search.

Genau darauf haben sich spezialisierte Personalberater konzentriert. Ein auf die Assekuranz fokussierter Dienstleister kennt den Unterschied zwischen HGB, IFRS und Solvency II, spricht die Sprache der Fachbereiche von Komposit über Leben bis zur Rückversicherung und verfügt über ein belastbares Branchennetzwerk. Anbieter wie MEYHEADHUNTER positionieren sich in diesem Segment und präsentieren nach eigenen Angaben eine qualifizierte Shortlist in der Regel innerhalb von acht bis zwölf Wochen nach Auftragserteilung für Positionen vom Chefaktuar über den CRO bis zum Vertriebsvorstand.

Der Fachkräftemangel in der Versicherungswirtschaft ist damit kein Problem, das sich mit einem einzelnen Instrument lösen lässt. Erst das Zusammenspiel aus Ausbildung, Employer Branding, Weiterbildung, KI-gestützter Automatisierung und gezieltem Headhunting verschafft Versicherern die Personaldecke, die sie für Digitalisierung und Regulatorik brauchen. Wer die entscheidenden Köpfe für sich gewinnt, sichert sich einen der wichtigsten Wettbewerbsvorteile einer Branche im Umbruch.


Teilen:
Weitere Artikel
Leoba Liftsysteme: Wie ein Fachbetrieb von der Schwäbischen Alb das Wohnen im Alter neu denkt
Lifestyle
Leoba Liftsysteme: Wie ein Fachbetrieb von der Schwäbischen Alb das Wohnen im Alter neu denkt

Die Leoba Liftsysteme GmbH aus Mössingen ist ein regionaler Spezialist für Treppenlifte, Plattformlifte und Hebebühnen und damit für Lösungen, die Menschen ein selbstständiges Leben im eigenen Zuhause ermöglichen können. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels in der Pflege und steigender Immobilienpreise gewinnt das Thema „Wohnen im Alter" zunehmend an Bedeutung auch wirtschaftlich. Wer im vertrauten Umfeld bleiben möchte, braucht praktikable Lösungen, die Sicherheit und Selbstständigkeit erhalten. Ein Portrait über Leoba Liftsysteme, einen Fachbetrieb, der nah am Lebensalltag seiner Kundinnen und Kunden agiert. Leoba Liftsysteme: Ein Fachbetrieb mit Wurzeln auf der Schwäbischen Alb Der Sitz der Leoba Liftsysteme GmbH liegt in Mössingen, eingebettet in die Landschaft der Schwäbischen Alb. Von dort aus betreut das Unternehmen Privatkundinnen und Privatkunden in Tübingen, Reutlingen, Stuttgart und der weiteren Region ebenso werden auch hochwertige Treppenlifte in Balingen geplant und installiert. Wer das Portfolio betrachtet, erkennt schnell: Leoba Liftsysteme versteht sich nicht als reiner Produktverkäufer, sondern als Anbieter individueller Mobilitätslösungen für das Zuhause. Sitzlifte, Plattformlifte, Rollstuhllifte, Senkrechtlifte und Hebebühnen bilden ein breites Sortiment, das auf unterschiedliche Wohnsituationen, Treppenformen und körperliche Voraussetzungen zugeschnitten wird.

4 Min. LesezeitLesen
Bestattungen im Landkreis Göppingen: Worauf Angehörige bei der Wahl eines seriösen Bestatters achten sollten
Verbraucher
Bestattungen im Landkreis Göppingen: Worauf Angehörige bei der Wahl eines seriösen Bestatters achten sollten

Ein erfahrener Experte für Bestattungen in Göppingen entlastet Angehörige in den ersten Stunden nach einem Todesfall, koordiniert Behördengänge und gestaltet eine würdevolle Trauerfeier. In kurzer Zeit müssen wichtige Entscheidungen getroffen und ein Abschied organisiert werden, oft in einer Phase, in der die emotionale Belastung kaum Raum für sachliche Anforderungen lässt. Wenn Sie in einer solchen Situation auf einen verlässlichen Ansprechpartner zurückgreifen können, gewinnen Sie nicht nur organisatorische Entlastung, sondern auch Raum für Ihre Trauer. Im Landkreis Göppingen übernimmt das Bestattungsinstitut Zimmermann diese Aufgabe und ist für viele Angehörige der vertraute Experte für Bestattungen in Göppingen und Umgebung. Die ersten Stunden: Was im Todesfall wirklich zu tun ist

4 Min. LesezeitLesen
Künstlersozialkasse verstehen: Wer versichert ist und was die KSK leistet
Business
Künstlersozialkasse verstehen: Wer versichert ist und was die KSK leistet

Die Künstlersozialkasse ist für viele Selbstständige in Musik, Kunst, Medien und Publizistik ein zentraler Baustein der sozialen Absicherung. Ihr besonderer Stellenwert liegt darin, dass sie selbstständige Künstler und Publizisten in die gesetzliche Sozialversicherung einbindet, ohne dass diese den gesamten Beitrag allein tragen müssen. Gerade für Berufsgruppen mit schwankenden Honoraren, projektbezogener Arbeit und unregelmäßigem Arbeitseinkommen macht das einen erheblichen Unterschied. Zugleich ist das Thema rechtlich anspruchsvoll. Wer in den Kreis der Versicherten fällt, entscheidet sich nicht nach Bauchgefühl oder Berufsbezeichnung, sondern nach der tatsächlichen Tätigkeit, der wirtschaftlichen Ausrichtung und den Voraussetzungen des Künstlersozialversicherungsgesetzes. Deshalb lohnt ein genauer Blick auf Aufbau, Leistungen und Systematik der Künstlersozialversicherung. Was die Künstlersozialkasse eigentlich macht

Lesen
Zur Startseite