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business-on.de Redaktion
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10. Januar 2024

“Ich war ein schlechter Schüler…peinlich schlecht!” Über Vorbildfunktionen, Erwartungen und Startup-Projekte

2023 war das Jahr, in dem Stepan Timoshin zur Omnipräsenz wurde. Mit 14 startete der Berliner noch aus seinem Kinderzimmer heraus mit dem Verkauf von gehypten Schuhen. Mit 17 verdiente er seine erste Millionen und eröffnete seinen eigenen Store. Vaditim ist seither Mekka für Sneaker-Fans aus ganz Europa. Und Timoshin wurde als Gesicht hinter der Marke, die längst auch mit Streetwear die Umsätze ankurbelt, zum Vorbild für tausende Jugendliche. Seit dem vergangenen Jahr hat sich die Reichweite des Jungunternehmers nochmal vergrößert – dank verschiedener Dokumentation im Fernsehen. Sein Plan, Hertha BSC als Präsident zu führen, hat sicherlich auch etwas mit dem steigenden Bekanntheitsgrad zu tun. Business-on.de traf sich mit Stepan Timoshin in seinem Berliner Store Vaditim zu einem Gespräch über Entscheidungen und Risiken, aber auch historische Vorbilder und schlechte Noten.

business-on.de: Über soziale Medien hattest Du geschrieben, Du hättest Dich insbesondere in Deiner Anfangszeit – aufgrund Deines jungen Alters – nicht ernst genommen gefühlt. Inwieweit hat Dich das geprägt, zum Beispiel in der Hinsicht, dass Du Dich eventuell immer noch beweisen musst?

Stepahn Timoshin: Ich muss niemanden mehr etwas beweisen. Aber ich glaube, dass mich das härter gemacht hat. Das Gefühl zu haben, dass andere an meinen Fähigkeiten zweifeln, hat mich eher noch angespornt. Zweifel und auch Hater gibt es viele, da muss man sich nur mal in gewissen Foren umsehen. Doch von der Kritik, die über solche Seiten kommt, nehme ich das Wenigste ernst. Ich weiß, was ich geleistet habe und wozu ich fähig bin. Ich muss das keinem mehr beweisen. Mein Ziel ist es, das zu machen, was ich gut kann und daraus das Maximum herauszuholen.

Einfach machen: “Viele Unternehmen trauen sich nicht mehr, Risiken einzugehen!”

business-on.de: Wie möchtest Du das umsetzen?

Stepan Timoshin: Indem ich lerne. Nicht umsonst lese ich jeden Tag ein Buch.

business-on.de: Business-bezogene Literatur?

Stepan Timoshin: Tatsächlich kaum bis gar keine Wirtschaftsbücher. Meistens lese ich Biografien über Personen, die ich interessant finde oder deren Werdegang mich interessieren. Auf der anderen Seite bin ich ein großer Fan von Geschichtsbüchern. Ich lese viel über die Weimarer Republik, den Ersten und den Zweiten Weltkrieg, aber auch über Wikinger. Ich muss nicht über Business lesen, vor allem nicht, wenn ich Feierabend habe.

business-on.de: Wer sind Deine Vorbilder, wenn Dich Biografien so fesseln?

Stepan Timoshin: Ich würde nicht sagen, dass ich ein klares Vorbild habe. Eine Person, die ich in letzter Zeit für mich entdeckt habe, ist Dschingis Khan. Wegen des Namens, ursprünglich hieß es Temüdschin, also fast so wie Timoshin. Seine Geschichte und seine Persönlichkeit haben mich sehr interessiert. Aber ansonsten habe ich neben meiner Familie keine richtigen Vorbilder. Alles andere ist Inspiration für mich. Ich nehme mir gewisse Sachen an und versuche sie umzusetzen.

business-on.de: Möchtest Du selbst auch als Vorbild gesehen werden?

Stepan Timoshin: Ja, weil ich meiner Meinung nach gute Werte vermitteln kann. Ich trinke nur sehr selten Alkohol. Wenn es hoch kommt, mal ein Glas Champagner an Silvester oder zu meinem Geburtstag. Ich versuche immer höflich zu sein. Das ist mir super wichtig. Und allgemein glaube ich, ein gutes Vorbild zu sein. Weil ich in meine Rolle hineinwachsen musste.

Hättest Du mir diese Frage mit 18 gestellt, wäre meine Antwort “auf keinen Fall” gewesen. Jetzt sehe ich aber, dass viele junge Menschen zu mir aufschauen. Zur letzten Jobmessse in Berlin waren 14.000 Schüler anwesend. Ich war die meist angefragte Person gewesen, obwohl ich noch nicht mal auf dem Programm stand.

business-on.de: Was würdest Du anderen Gründer:innen oder generell jungen Menschen raten?

Stepan Timoshin: “Mach es einfach.” Diesen Ratschlag gebe ich immer wieder. Wenn Du scheiterst, dann ist es nur halb so schlimm, wie Du es Dir jetzt ausmalst. Diesen Ratschlag gebe ich mir auch selbst oft. Vielleicht ist das jetzt ein blödes Beispiel… Aber als ich noch nicht verheiratet war und ein schönes Mädchen gesehen habe, das ich mich dann nicht getraut habe, anzusprechen, habe ich mich im Nachhinein immer viel zu lange darüber geärgert. Das Beispiel nehme ich mir immer zu Herzen, wenn ich unternehmerisch vor Entscheidungen stehe. Dann fange ich eher mit einer kleinen Stückzahl an, um das Risiko gering zu halten, anstatt gar nichts zu machen.

Generell bin ich ein Fan von schnellen Entscheidungen. Fairerweise muss man sagen, dass 60 bis 70 Prozent davon scheitern. Aber der Prozentsatz, der läuft, gleicht die Fehlschläge wieder aus. Ich denke, das ist der große Unterschied zu vielen anderen Unternehmern da draußen: Risiko eingehen, ja, auf jeden Fall. Aber es muss ein kalkuliertes Risiko sein!

Zu diesem “einfach machen” zählt für mich auch, sich nicht unterkriegen zu lassen. Und seinen eigenen Weg zu gehen. Viele Menschen, selbst hoch bezahlte Manager, machen sich abhängig von der Meinung anderer. Das wirkt nicht authentisch. Mir war es immer egal, was andere über meine Entscheidungen dachten.

Stepan Timoshin

Stepan Timoshin: “Am Ende des Tages bist nur Du alleine für Deinen Erfolg verantwortlich!”

business-on.de: Wie warst Du als Schüler?

Stepan Timsohin: Schlecht. Peinlich schlecht! Und das als einziger in der Familie. Meine Eltern und meine Schwester waren extrem gut in der Schule. Und auch meine Frau hat ihr Studium mit einer 1,2 abgeschlossen.

Ich habe mich eher für Fußball interessiert. Schule war mir nicht so wichtig. Ich hatte aber gute Lehrer und die beste Direktorin. Hätte sie sich nicht so hinter mich geklemmt und wäre so verständnisvoll gewesen, hätte ich mein Abi nicht geschafft. Dafür bin ich ihr heute sehr dankbar.

business-on.de: Wie ist Deine Meinung zur Diskussion um das Schulsystem in Deutschland, das aktuell scharf kritisiert wird?

Stepan Timoshin: Ich bin niemand, der in der ersten Reihe steht und pauschal behauptet, dass das Schulsystem schrott sei. Wer sich so weit aus dem Fenster lehnt, der sollte sich auf die sachliche Ebene beschränken und neue Konzepte präsentieren. Das Schulsystem war es zumindest nicht, was der Grund für meine schlechten Noten in dieser bestimmten Phase war. Am Ende des Tages war nur ich alleine verantwortlich für meine schlechten Noten. Früher war das anders; natürlich habe ich meinen Mathelehrer für die 5 verantwortlich gemacht. Den habe ich übrigens zur letzten Berliner Messe getroffen. Wir haben beide über die Schulzeit und die Probleme, die ich hatte, gelacht.

Ich bin aber der Meinung, dass sich das Schulsystem, vor allem bezüglich der Lernmethoden, der heutigen Zeit und den Bedürfnissen der Kinder anpassen müsste. Sich strikt an den Lernkanon zu halten, reicht nicht mehr aus.

business-on.de: Erwartest Du denn von Deinen Bewerbern Bestnoten?

Stepan Timoshin: Nein. Keine Bestnoten, aber auch keinen 5er Schnitt. Grundsätzlich sind für mich die Leistungen der praktischen Arbeit aussagekräftig.

business-on.de: Ein schulischer Werdegang ist nicht wichtig für Dich?

Stepan Timoshin: (Überlegt). Ein Uni-Abschluss ist mir überhaupt nicht wichtig. Das Abitur hingegen schon. Auch wenn ich selbst eine schlechte Phase hatte, habe ich die Kurve bekommen. Eine schulische Ausbildung ist mir wichtig, weil es mir zeigt, dass die Person einen Plan verfolgt und Ziele hat. Das hat nicht nur etwas mit Bildung zu tun, sondern auch mit Leistungsfähigkeit. Wer mit 16 meint, zu cool für die Schule zu sein… schön und gut. Wenn er dennoch die Zähne zusammenbeißt und weiter macht, ist er der Richtige für mich. Vor allem, wenn zusätzlich Erfahrungen außerhalb der Schulbank gesammelt wurden. Ich habe auch gejobbt. Und dadurch viel gelernt. Wer mit der Schule aufhört, weil er schnelles Geld sucht, kann sein Glück versuchen. Nur eben nicht bei mir.

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