Maßarbeit aus Holz: Worauf es bei individuellen Möbeln und Innenausbau ankommt

Ein Möbelstück nach Maß beginnt bei der geplanten Nutzung: Was soll untergebracht werden? Wie bewegt man sich durch den Raum? Welche baulichen Gegebenheiten müssen berücksichtigt werden? Sabine Merkl-Lupp kennt diese Fragen aus der täglichen Praxis. Die Schreinermeisterin führt die Schreinerei Merkl in München in zweiter Generation und beschäftigt sich mit individuellen Möbeln, Innenausbau sowie Lösungen für private und gewerblich genutzte Räume.
Im Gespräch erklärt sie, worauf es bei der Planung ankommt und weshalb Funktion und Gestaltung von Anfang an zusammengedacht werden sollten. Wer eine qualifizierte Schreinerei in München sucht, trifft hier auf einen Familienbetrieb, dessen Geschichte bis ins Jahr 1969 zurückreicht.
business-on.de: Frau Merkl-Lupp, was macht ein gutes Möbel nach Maß aus?
Sabine Merkl-Lupp: Entscheidend ist nicht nur, dass die Maße stimmen. Ein Möbel muss zum vorgesehenen Raum und vor allem zu seiner späteren Nutzung passen. Bei einem Schrank ist zum Beispiel wichtig, was darin untergebracht werden soll, wie häufig einzelne Bereiche gebraucht werden und wie sich Türen oder Auszüge öffnen lassen. Auch vorhandene Wände, Anschlüsse und Laufwege spielen eine Rolle. Erst wenn diese Punkte zusammen betrachtet werden, entsteht eine Lösung, die nicht nur passgenau aussieht, sondern im Alltag auch funktioniert.
business-on.de: Wo zeigt sich der Vorteil einer individuellen Planung besonders deutlich?
Sabine Merkl-Lupp: Ein gutes Beispiel sind Treppenschränke, Dachschrägen oder andere Raumsituationen, in denen Standardmöbel schnell an ihre Grenzen kommen. Dort geht es nicht nur darum, eine vorhandene Fläche möglichst vollständig auszufüllen. Wir müssen überlegen, wie der Stauraum genutzt wird, welche Bereiche leicht erreichbar sein sollen und welche Aufteilung sinnvoll ist. Das gilt ebenso für Einbauschränke, Küchen, Badmöbel oder Arbeitsplätze. Maßarbeit bedeutet für uns, den vorhandenen Raum gezielt für einen bestimmten Zweck zu planen.
business-on.de: Müssen Kunden schon mit einem fertigen Entwurf zu Ihnen kommen?
Sabine Merkl-Lupp: Nein. Oft ist es sogar hilfreicher, zunächst zu beschreiben, was an der bisherigen Situation nicht funktioniert und was die neue Lösung leisten soll. Fotos des Raums und vorhandene Maße können eine erste Abstimmung erleichtern. Danach geht es darum, die konkrete Einbausituation zu betrachten und Funktion, Gestaltung, Material und Montage miteinander zu verbinden. Ein fertiger Entwurf ist dafür nicht erforderlich. Wichtig ist vielmehr, dass Wünsche und Prioritäten möglichst klar benannt werden.
business-on.de: Welche Rolle spielt die Materialwahl?
Sabine Merkl-Lupp: Der Einsatzort und die Nutzung sollten immer der Ausgangspunkt sein. Ein Möbel, das täglich stark beansprucht wird, stellt andere Anforderungen als ein Stück, bei dem die gestalterische Wirkung besonders im Vordergrund steht. In Küche und Bad kommen die Bedingungen des jeweiligen Raums hinzu. Natürlich spielen auch Farbe, Struktur und Oberfläche eine wichtige Rolle. Wir arbeiten gerne mit Holz, beziehen aber ebenso moderne Werkstoffe und unterschiedliche Oberflächen in unsere Planung ein. Entscheidend ist, dass Material, Funktion und Gestaltung zusammenpassen.
business-on.de: Wie lässt sich verhindern, dass gutes Design zulasten der Alltagstauglichkeit geht?
Sabine Merkl-Lupp: Gestaltung und Funktion sollten von Beginn an gemeinsam betrachtet werden. Begriffe wie „modern“, „schlicht“ oder „natürlich“ beschreiben zunächst nur eine bestimmte Wirkung. Sie sagen noch nichts darüber aus, wie viel Stauraum gebraucht wird oder welche Bereiche schnell erreichbar sein müssen. Umgekehrt ist ein Möbel mit möglichst vielen Fächern nicht automatisch eine gute Lösung. Eine gelungene Maßanfertigung verbindet die gewünschte Gestaltung mit den tatsächlichen Abläufen im Raum.
business-on.de: Ihr Angebot richtet sich auch an Unternehmen. Was unterscheidet gewerbliche Projekte von privaten Aufträgen?
Sabine Merkl-Lupp: Bei gewerblichen Räumen steht häufig noch stärker die konkrete Nutzung im Mittelpunkt. Ein Arbeitsplatz, ein Stauraumbereich oder eine Einrichtung im Kundenkontakt erfüllt jeweils andere Aufgaben. Deshalb muss früh geklärt werden, wer die Räume nutzt, welche Arbeitsabläufe berücksichtigt werden müssen und welche baulichen Vorgaben bestehen. Bei solchen Projekten spielt außerdem die Abstimmung mit weiteren Beteiligten eine größere Rolle. Auch hier gilt aber derselbe Grundsatz: Eine individuelle Lösung muss zur Funktion des Raums und zu den Menschen passen, die dort arbeiten.
business-on.de: Die Schreinerei Merkl ist ein Familienbetrieb mit langer Geschichte. Welche Bedeutung hat das für Ihre heutige Arbeit?
Sabine Merkl-Lupp: Mein Vater hat die Schreinerei 1969 gegründet, und ich führe den Betrieb heute in zweiter Generation weiter. Tradition bedeutet für mich aber nicht, ausschließlich mit Lösungen von früher zu arbeiten. Wir verbinden klassisches Schreinerhandwerk mit modernen Materialien, technischen Möglichkeiten und zeitgemäßer Gestaltung. Der Anspruch bleibt dabei derselbe: Eine Lösung soll präzise gefertigt sein, dauerhaft funktionieren und zum jeweiligen Raum passen.
business-on.de: Was sollten Auftraggeber vor einem ersten Gespräch am besten vorbereiten?
Sabine Merkl-Lupp: Besonders hilfreich ist eine konkrete Beschreibung der Nutzung. Was soll untergebracht werden? Wer nutzt das Möbel? Welche Probleme bestehen mit der bisherigen Einrichtung? Dazu kommen Informationen zu Türen, Fenstern, Anschlüssen oder Flächen, die frei bleiben müssen. Fotos und vorhandene Pläne können ebenfalls helfen. Wer außerdem schon sagen kann, welche Formen, Materialien oder Oberflächen ihm gefallen, schafft eine gute Grundlage. Aus diesen Informationen lässt sich dann Schritt für Schritt eine individuelle Lösung entwickeln.
Maßanfertigungen entstehen damit nicht allein aus exakten Maßen, sondern aus dem Zusammenspiel von Raum, Nutzung, Material und Gestaltung. Gerade dort, wo Standardlösungen nicht ausreichen oder besondere Anforderungen bestehen, kann eine individuelle Planung vorhandene Flächen gezielter nutzbar machen.
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