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19. Juni 2019

Hermann Simon – Hidden Champions können optimistisch sein

Siegen. Der „Erfinder“ der Hidden Champions, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hermann Simon war auf Einladung von Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein und Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen zu Gast im Haus der Siegerländer Wirtschaft. Fast 150 Gäste lauschten seinen Ausführungen zur Zukunft der Weltmarktführer. Erst seine Forschung zum Erfolg des deutschen Mittelstands prägte vor etwa 25 Jahren den Begriff. Er gab damit vielen Unternehmen ein neues Selbstbewusstsein, das auch nach außen deutlich machte, wie wertvoll die industrielle Basis für den Wohlstand ist.

IHK-Präsident Felix G. Hensel betonte in seiner Begrüßung die internationale Anerkennung des Vortragenden sowie die imposante Entwicklung von Hermann Simon vom „Eifelkind zum global Player“ – so der Untertitel von dessen aktueller Autobiographie. Dass Simon dazu die Strategie der von ihm untersuchten Hidden Champions mit seiner Beratungsagentur Simon-Kucher & Partners auch selbst erfolgreich nutzte, wurde im Vortrag deutlich. Zunächst jedoch beschrieb Simon die Erfolge und Strategien der vornehmlich deutschen, mittelständischen Unternehmen. Dabei erstaunte manche Zahl, die den deutschen Exporterfolg, der vielfach durch genau diese Unternehmen erarbeitet wird, noch einmal deutlich machte: Mehr als 50 % der deutschen Produktion wird exportiert. Der Pro-Kopf-Export in Deutschland liegt bei etwa 18.500 €, in China bei etwa einem Zehntel davon. Das sei das größte Unterscheidungsmerkmal der deutschen Wirtschaft (inkl. Österreich und der Schweiz) von anderen Volkswirtschaften. Hier gebe es etwa 16 Hidden Champions je 1 Million Einwohner. Zum Vergleich: In Japan sind es 1,7, in den USA 1,2 und in China 0,1. Hidden Champions kennzeichnete Simon dabei so: Unternehmen mit weniger als 5 Mrd. € Umsatz pro Jahr, mit ihrem Produkt bzw. in ihrem Marktsegment erreichen sie Top 3 in der Welt oder Top 1 auf dem eigenen Kontinent und sie verfügen über einen relativ geringen Bekanntheitsgrad. Nach dieser Definition sind allein in Südwestfalen 166 Weltmarktführer zu finden, das sind etwa 100 je 1 Million Einwohner. In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe sind es 46, von denen fast alle die „Hidden Champion“-Kriterien erfüllen.

Und was sind nun die Erfolgsgeheimnisse der Hidden Champions? Hermann Simon charakterisierte diese so: Sie nutzten den Wachstumstreiber globale Vernetzung und seien insbesondere in der EU, den USA und in China als den stärksten Märkten aktiv. Sie seien produktiv im besten Sinne, die industrielle Basis sei Grundlage für den Erfolg. Sie verfolgten ambitionierte Ziele, konzentrierten sich auf ihren Kern und expandierten weltweit. Sie trieben die Innovation auf die Spitze und behielten dabei den Kundennutzen im Auge. Und, so die positive Aussage Simons, trotz vielfältiger Unkenrufe in Bezug auf die Digitalisierung, seien die Hidden Champions nicht nur das derzeitige Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sondern auch für die Zukunft sehr gut gerüstet. Sie entwickelten und nutzten Technologien der Künstlichen Intelligenz. Und sie seien führend im Bereich der Digitalisierung der B2B-Märkte, sprich der Produkte für andere Unternehmen. Mit ifm nannte er dazu ein Beispiel, das auch in Siegen, insbesondere durch den neulich eingeweihten Gebäudekomplex „Summit“, sehr präsent ist und das führend in den Industrie-4.0-Technologien sei. Fast die Hälfte der weltweiten Patente für autonomes Fahren sei von deutschen Unternehmen angemeldet. Und auch in Bezug auf die „Einhörner“ – Unternehmen mit einem Marktwert von über 1 Mrd. US-$ – müsse man sich nicht verstecken, Simon listete allein 16 deutsche davon auf. Und er verdeutlichte ein weiteres Merkmal der Hidden Champions, das sie für die Zukunft stärke: Das Führungsverständnis der Mittelständler sei häufig eher autoritär im Hinblick auf die Prioritäten, jedoch flexibel in deren Umsetzung. Dadurch hätten Mitarbeiter Freiräume und Chancen, die in Großunternehmen selten seien. Deshalb zeichneten die Unternehmen sich durch eine geringe Fluktuation und eine hohe Kontinuität aus. Das ermögliche erst die langfristigen Höhenflüge.

Der anhaltende Applaus im vollen großen Saal im Haus der Siegerländer Wirtschaft machte deutlich, dass viele der anwesenden Unternehmer sich in diesen Aussagen wieder fanden. Das wurde auch bei der durch Jörg Dienenthal, Vorsitzender der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein, moderierten Abschlussdiskussion deutlich. Zwar konnte auch Hermann Simon nicht abschätzen, wie sich die wirtschaftliche und politische Lage in Ländern wie China, Russland oder auf dem afrikanischen Kontinent weiter entwickle. Doch er zeigte sich optimistisch, dass insbesondere deutsche Mittelständler weiterhin erfolgreich auf den internationalen Märkten operieren könnten. Dabei setzte er auf marktwirtschaftliche Entwicklungen und warnte deutlich vor politischen Vorgaben. „Es ist gefährlich, wenn Politiker klüger sein wollen als der Markt“, so sein Standpunkt, der von vielen im Saal geteilt wurde. Auch für die Umwelt- und Klimadebatte bezeichnete er die Hidden Champions deutlich als „Teil der Lösung“, da durch unternehmerische Innovationen z. B. der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden könne. Als größte Herausforderung empfand Simon die Integration von Zuwanderern und die dazu notwendige Anpassung der Bildungsstrukturen an die gesellschaftliche Entwicklung. Die Integration über Arbeit sei eben nur bei entsprechender Kompetenz möglich. Der Abend endete so optimistisch wie er begann: „Mit der wertorientierten Strategie, die den Kundennutzen in den Mittelpunkt stellt, werden die mittelständischen Weltmarktführer auch weiterhin erfolgreich bleiben“, so das Fazit von Hermann Simon.

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