Definition Abmahnung (Arbeitsrecht)

Abmahnung en dienen der Vorbereitung einer verhaltensbedingten Kündigung. Ohne vorherige Abmahnungkann eine Kündigung nur bei schweren Verstößen gegen arbeitsvertragliche oder strafrechtliche Auflagen erfolgen. Inwieweit der Arbeitgeber zum Mittel der Abmahnung greift, bleibt ihm selbst überlassen. Alternativ kann er zu einer Ermahnung greifen, die keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen hat.

Gründe für eine Abmahnung

Eine Abmahnung begründet sich aus einem nachweislichen Fehlverhalten des Arbeitnehmers. Anbei sind einige Beispiele aufgeführt:

  • Schlechte Arbeitsleistung: An der geleisteten Arbeit treten nachweisbare Mängel auf. Auch die Nichteinhaltung von betrieblichen Auflagen kann zur Abmahnung führen.
  • Langsamkeit: Der Arbeitnehmer arbeitet erheblich langsamer, als er eigentlich könnte, oder er hält sich nicht an die Arbeitsreihenfolge.
  • Unpünktlichkeit: Kommt der Arbeitnehmer wiederholt zu spät zur Arbeit, hält er sich nicht an Pausenzeiten oder macht er überpünktlich Feierabend, ist er abmahnfähig.
  • Fehlende Krankmeldung :Im Krankheitsfall ist stets ein ärztliches Attest bzw. eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einzureichen. Bleibt sie aus, kann der Arbeitnehmer abgemahnt werden.
    Verstoß gegen das Strafrecht: Auf kleinere Diebstähle darf der Arbeitgeber nach dem sogenannten „Emmely-Urteil“ des BAG vom Juni 2010 nicht mehr mit einer fristlosen Kündigung reagieren. Zuvor muss eine Abmahnung eingehen. Nur bei schweren Straftaten ist eine fristlose Kündigung unmittelbar zulässig.
  • Verstoß gegen Weisungen: Verstöße gegen betriebliche Weisungen können im Einzelfall auch dann mit einer Abmahnung geahndet werden, wenn sie vom Arbeitnehmer als nicht sinnvoll erachtet werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Weisung eine belastbare Grundlage im Arbeitsvertrag hat.

Inhalt einer Abmahnung

Eine arbeitsrechtliche Abmahnunghat drei Funktionen. Sie soll den Arbeitnehmer auf sein Fehlverhalten hinweisen, ihn vor einem erneuten Verstoß warnen und das Fehlverhalten nachprüfbar dokumentieren.

Hinweisfunktion: Der Arbeitnehmer muss deutlich erkennen können, dass sein Verhalten falsch gewesen ist. Hierzu muss die begangene Fehlhandlung vor dem Hintergrund des Arbeitsvertrags als solche deklariert und in Hinblick auf das gewünschte Verhalten erörtert werden.

Warnungsfunktion: Die Abmahnung soll den Arbeitnehmer dazu anhalten, das Fehlverhalten künftig zu unterlassen. Ihm muss klar sein, dass im Falle eines erneuten Verstoßes eine verhaltensbedingte Kündigung folgen kann. Arbeitgeber sind deshalb dazu angehalten, die letzte Abmahnung vor der Kündigung besonders eindringlich zu gestalten.

Dokumentationsfunktion: Die schriftliche Abmahnung dient der nachprüfbaren Dokumentation des Fehlverhaltens. Im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung wird sie zum Beweismittel.

Widerspruch gegen Abmahnungen

Im Streitfall liegt die Beweislast für die Berechtigung der Abmahnung beim Arbeitgeber. Wenn der Arbeitnehmer der Abmahnung widerspricht, muss der Arbeitgeber dies gem. § 83 Abs. 2 BetrVG in die Personalakte aufnehmen. Eine Reaktion auf den Widerspruch an sich ist nicht erforderlich.

Eine Beschwerde seitens des Arbeitnehmers ist gem. § 84 BetrVG für den Fall vorgesehen, dass es keine hinreichenden Gründe für die Abmahnung gegeben hat. Auch bei unzureichender Beweisführung und zu allgemeinen Anschuldigungen ist sie anfechtbar. Wenn die Abmahnung ungerechtfertigt ist, der Arbeitgeber sie aber nicht zurückziehen will, folgt eine Klage vor dem Arbeitsgericht.

Christian Weis

Teilen:
Weitere Artikel
Café eröffnen – was es kostet und wann es sich lohnt
Ratgeber
Café eröffnen – was es kostet und wann es sich lohnt

Wer ein Café eröffnen will, durchläuft fünf zentrale Stationen. Am Anfang stehen Konzept und Standort, dann folgen Genehmigungen, Businessplan und Finanzierung. Realistisch braucht es dafür zwischen 50.000 und 150.000 Euro Kapital, je nach Größe, Lage und Ausstattung. Beim Risiko sollte man ehrlich bleiben. Das Gastgewerbe verzeichnet seit 2025 überdurchschnittlich viele Insolvenzen, und wer zu knapp kalkuliert, verschwindet oft schon im ersten Jahr wieder vom Markt. Entscheidend ist deshalb weniger die Leidenschaft für guten Kaffee als eine belastbare Rechnung. Genau die liefert dieser Beitrag mit Kostentabelle, Kalkulation pro Tasse und Break-even-Betrachtung. Alles Wichtige im Überblick Der Kapitalbedarf für ein eigenes Café liegt realistisch zwischen 50.000 und 150.000 Euro je nach Größe und Lage.

Lesen
Worauf Patienten heute bei der Wahl ihrer Zahnarztpraxis achten, ein Interview aus Murnau
Business
Worauf Patienten heute bei der Wahl ihrer Zahnarztpraxis achten, ein Interview aus Murnau

Eine gute Zahnarztpraxis in Murnau zeichnet sich heute durch moderne Technik, transparente Beratung, kurze Wege bei Zahnersatz und persönliche Betreuung aus. Die Wahl der richtigen Praxis ist längst mehr als eine Frage der Entfernung zum Wohnort. Wie sich dieser Anspruch im Alltag umsetzen lässt, zeigt ein Blick nach Oberbayern. In der beliebten Zahnarztpraxis in Murnau sprechen wir über Trends, Patientenerwartungen und die Frage, warum ein eigenes Dentallabor heute wieder ein Standortvorteil sein kann. Interview: Vom Routinetermin zum Vertrauensverhältnis – Moderne Zahnheilkunde in Murnau Die moderne Zahnmedizin hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Hightech-Verfahren, ganzheitliche Ansätze und der Wunsch nach mehr Transparenz prägen heute den Praxisalltag. Unsere Redaktion sprach mit Dr. Kai Uwe Lau, Dr. Martina Zeyer und Dr. Gero Böthig von der Zahnarztpraxis in Murnau am Staffelsee darüber, was eine zeitgemäße Patientenbetreuung auszeichnet, wie die Praxis der Zukunft aussieht und warum ein eigenes Labor ein echter Standortvorteil ist.

5 Min. LesezeitLesen
„Metall ist ehrliches Material" – Doris Wilhelm-Höfler im Interview über Handwerk, Verantwortung und drei Generationen Familienbetrieb
Business
„Metall ist ehrliches Material" – Doris Wilhelm-Höfler im Interview über Handwerk, Verantwortung und drei Generationen Familienbetrieb

Was hält einen Familienbetrieb über mehrere Generationen zusammen? Für Doris Wilhelm-Höfler, Chefin der seit 1946 bestehenden Wilhelm Bauschlosserei in München, sind es Kontinuität, Meisterqualität, Fleiß und der Mut zur Veränderung. Im Gespräch erklärt sie, warum Metallbau heute mehr ist als Schweißen und Schrauben, wie ein Meisterbetrieb in Feldkirchen bei München gegen Preisdruck besteht und was private wie gewerbliche Auftraggeber bei der Wahl ihres Metallbaubetriebs beachten sollten. Handwerk in der dritten Generation: Zwischen bewährter Qualität und neuen Kundenerwartungen business-on.de: Frau Wilhelm-Höfler, Ihr Betrieb existiert seit 1946. Was hält ein Familienunternehmen so lange am Leben?

4 Min. LesezeitLesen
Zur Startseite