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In Bilanzmeetings werden 490 Millionen Euro durch PowerPoint verbrannt

Kaum eine grosse Firma verzichtete darauf: Die Jahresrückblick-Präsentation im Januar/Februar eines jeden Jahres. Anwesenheit ist Pflicht. Lesen Sie hier vom Problem solcher Präsentationen und von der möglichen Lösung.

S. Hofschlaeger / Pixelio.de

In einer voll besetzten Halle werden da alle Zahlen, in allen Produktsegmenten, in allen Regionalverteilungen, in allen Soll-ist Vergleichen lückenlos in einem endlosen PowerPoint Foliensalat vor den Mitarbeitern abgespult. Teilnehmer meines Rhetorik-Seminars erzählten mir von solchen Folienschlachten von bis zu 132 Slides.

Dazu Worthülsensätze oberster Qualität. Kostprobe: „Innovatives Produkteportfolio aufbauen“ – „Kunden in Mittelpunkt des Handelns stellen“ – „Steigerung der Flexibilität“. Was mach ich ab morgen anders, was ich bis heute noch nicht getan habe? Schulterzucken!

Wenn man die anwesenden Mitarbeiter danach mit vorgehaltener Hand fragt: „Hat es sich für Sie gelohnt hier dabei zu sein?“ wird zu in acht von 10 Fällen diskret mit dem Kopf geschüttelt.
Betreutes Lesen auf Firmenkosten!

Motivation wird nicht aufgebaut, sondern vernichtet!

Lassen Sie mich einmal eine Rechnung aufmachen und die Stundenlöhne der weggedösten oder mental abwesenden Mitarbeiter zusammenrechnen.
Nehmen wir konservativ an, dass nur 20% der 41 Millionen Werktätigen in Deutschland in solchen Jahresrückblick-Präsentation sitzen müssen. Rechnet wir mit einer durchschnittlichen Dauer von 1.5 Stunden und einem Stundenlohn (mit Lohnnebenkosten) von 50 Euro, dann kommt man auf eine Summe von 490 Millionen Euro.

Noch schlimmer wird es, wenn man das PowerPoint Desaster auf das Jahr hochrechnet und annimmt, dass (konservativ gerechnet) sechs solcher als unnütz empfundenen PowerPoint Meetings stattfinden, dann ist entspricht das einer Summe von 6 Milliarden Euro – Nur in Deutschland! Verbrannt durch öde PowerPoint Präsentationen!

Es gibt eine Vorgehensweise, wie Sie ihre Präsentationen spannender machen können

Sie können anders präsentieren, es braucht nur Mut und ein paar frische Rhetorik Ideen.

Lassen Sie drei Viertel der Zahlen weg

Wenn man Ihre Mitarbeiter am nächsten Tag fragt, wie viele der Zahlen sie noch behalten haben, dann kommt man auf maximal 5%. Also präsentieren Sie nur die ca drei bis fünf Zahlen, die wirklich interessant sind und den Rest sollen sich die Interessierten zu Hause anschauen

So können Zahlen spannend gemacht werden

Erzählen Sie bei den übrig gebliebenen Ziffern nicht nur die Ziffer, sondern beschreiben Sie die Entstehung der Ziffer. Mit allen zu überwindenden Schwierigkeiten, Rückschlägen und Anekdoten. Denn, ähnlich wie bei einem Fußballspiel, ist nicht das Ergebnis das wirklich spannende, sondern die ENTSETHUNG des Ergebnisses. Und dann wird eine trockene Zahl plötzlich zu einer Geschichte. Geschichten hören alle Menschen gerne.

Benutzen Sie das Flipchart

Wenn Sie eine Grafik, ein Balkendiagramm oder eine Schemazeichnung auf das Flipchart zeichnen, dann ist die Aufmerksamkeit im Publikum um ein Vielfaches höher, als das fertige Ergebnis in PowerPoint. Hier ist der Grund: Ähnlich wie bei einer Zahl, liegt die Wirkung auch da nicht im fertigen Ergebnis, sondern im Erschaffen des Ergebnisses. Im Erschaffen durch eine echten Menschen aus Fleisch und Blut! Nicht durch Bits und Bytes.

Beispiel einer Flipchart-Präsentation

Eines Tages bereitete ich eine Berliner Werbeagentur in einem Rhetorik Coaching für eine Wettbewerbspräsentation (Pitch) vor, um einen Auftrag zur Gestaltung einer Kundenzeitschrift zu bekommen. Der Kunde war der Autokonzern Mazda.

Bei der Präsentation vor der Geschäftsleitung zeichnete der Agenturinhaber am Schluss schweigend, mit zwei V-förmigen Strichen die Schwingen eines stilisierten fliegenden Vogels auf das Flipchart (siehe Abbildung). Er drehte sich zur Geschäftsleitung: „Wir wollen mit Ihnen zu neuen Ufern fliegen“.

Dann drehte er sich wieder zurück und ergänzte den Vogel mit einem an den Ecken abgerundetem Viereck – und heraus kam… das Logo des Autokonzerns. „Ich danke Ihnen!“

Stellen Sie sich bitte vor, er hätte das Ganze „perfekt“ mit PowerPoint realisiert. Sie spüren es: Das hätte nur ein Abklatsch der Wirkung erzeugen können, die es tatsächlich gehabt hat.

 

Matthias Pöhm

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