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6. April 2021

Lieferkettengesetz löste Betroffenheit aus

Siegen/Olpe. „Ich danke Ihnen für Ihren Vortrag über das Lieferkettengesetz, der mich fast sprachlos, jedenfalls aber sehr betroffen macht. Die ehrenwerte Zielsetzung des Gesetzes kann ich nachvollziehen, die konkrete Ausgestaltung stellt ein weiteres Glied in einer langen Kette dar, die einem das unternehmerische Tun verleiden kann. Unternehmer sollten eigentlich Produkte und Dienstleistungen verkaufen und Beschäftigung schaffen, stattdessen müssen sie heute fast mehr Energie aufbringen, ihre selbständige Tätigkeit gesellschaftlich konsensfähig zu machen.“ Arnold Vetter machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Der geschäftsführende Gesellschafter der Vetter Industrie GmbH brachte mit seinem Redebeitrag das sicher bei den allermeisten Mitgliedern des IHK-Außenwirtschaftsausschusses vorherrschende Gefühl auf den Punkt, nachdem Carolin Steeger vom „Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte“ ihren fundierten Vortrag über das geplante Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten beendet hatte. Die Gastreferentin zeigte Chancen und Risiken des geplanten Gesetzes gerade für kleinere und mittlere Unternehmen auf und bot zugleich Unterstützung an: „Der Helpdesk soll eine ganzheitliche, individuelle Beratung von Unternehmen sicherstellen. Wir stellen Online-Tools zur Verfügung, mit denen Unternehmen Risiken in Lieferketten ausmachen und Maßnahmen zur Abhilfe bei sich umsetzen können.“ Befürchtungen, den Unternehmen stünde einmal mehr nur eine weitere Bürokratielast ins Haus, entgegnete die Referentin: „Kein Unternehmer wird Unmögliches leisten müssen. Es fängt niemand bei Null an.“ Das Resümee Arnold Vetters verdeutlichte der Referentin, dass diesen Aussagen der Bundesregierung in der heimischen Industrie nicht uneingeschränkt vertraut wird.

Zuvor demonstrierte Jens Brill, Außenwirtschaftsleiter der IHK, die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage zur tendenziell eher durchwachsenen Lage deutscher Unternehmen im internationalen Geschäft. „Insbesondere Entsendungen von Mitarbeitern ins Ausland sehen die Unternehmen gravierend erschwert – mit negativen Folgen für die eigene Vertragserfüllung.“ In der Runde wurden beispielhaft schleppende Visa-Erteilungen für die USA thematisiert. Die Hoffnungen liegen darauf, unter der neuen Administration in Washington zu einer Beschleunigung und Erleichterung zu kommen. Noch lassen aber ein „new deal“ und damit die Abkehr von den Erschwernissen der letzten Jahre auf sich warten. Ausschussvorsitzender Rainer Dango nahm aus der Diskussion mit, dass ein großer Anteil der Teilnehmer ungeachtet der vielfältigen Herausforderungen von einem zufriedenstellenden bis sogar sehr guten Geschäftsjahr 2020 berichtete. Jeder Vierte in der Runde sah jedoch auch negativ auf das vergangene Jahr zurück und betonte erhebliche Sorgen für 2021. Rainer Dango: „Die überwiegend zuversichtliche Stimmung liegt sicherlich an der Agilität und Anpassungsfähigkeit unserer Unternehmen, stets von Neuem innovative Produkte zu marktüblichen Preisen anbieten zu können. Allerdings kämpft auch ein nicht geringer Anteil der Unternehmen täglich damit, sich „neu erfinden zu müssen“ und mit günstigeren Strukturen weiterhin ein attraktiver Anbieter zu bleiben.“ Uwe Stupperich, Geschäftsführer des Logistikdienstleisters M.G. International (Holding) GmbH, beleuchtete die angespannte Situation im internationalen Frachtverkehr, wobei er unter anderem die starken Frachtpreiserhöhungen und die Kapazitätsengpässe bei See- und Luftfracht erklärte. Er wies insbesondere auf die Notwendigkeit einer vorausschauenden Planung von Frachtsendungen hin: „Schon am Beispiel der aktuell erheblichen Schiffswartezeiten in den Häfen von Los Angeles und Long Beach zeigt sich, dass es ein Muss ist, sich im Voraus auch mit alternativen Einlaufhäfen und den Möglichkeiten eventuell anschließender Bahnfracht zu beschäftigen.“

Roland Ollek, Geschäftsführer der Guntermann & Drunck GmbH, hatte die Teilnehmer zu Beginn der Zusammenkunft zu einer virtuellen Kontrollraumbegehung eingeladen. Das Siegener Unternehmen hat eine Möglichkeit virtueller Führungen geschaffen, um das hauseigene Portfolio an Steuerungsmöglichkeiten und raffinierten Schaltkonzepten aus der Ferne, aber vergleichbar interaktiv wie bei einem Live-Rundgang zu präsentieren. Potenzielle Kunden können eine solche Führung im Internet buchen. Das innovative Konzept verfehlte seinen Eindruck auch bei den Ausschussmitgliedern nicht, denen Roland Ollek damit einen Fingerzeig gab: „Unser ,ControlCenter-Xperience‘ hilft uns auch, den pandemiebedingten Ausfall großer Messen zu kompensieren. Das mag für den ein oder anderen den Anstoß geben, den selben Weg zu gehen.“

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