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  • 06.10.2020, 14:18 Uhr
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  • Deutschland
Wirecard

Folgen des Wirecard-Untergangs: Wie viele Existenzen hängen an dieser Misere?

Der Stapel an Skandalakten rund um das gescheiterte Fintech-Unternehmen Wirecard, wird von Tag zu Tag immer höher. Die horrende Betrugssumme von über 3 Milliarden Euro und ein international gesuchter Ex-Vorstand repräsentieren dabei bei weitem nicht das endgültige Ausmaß dieser selbstzerstörerischen Dynamik. Noch nie dagewesene, neue Finanzreglements sollen Neuauflagen eines derartigen Betrugsskandals verhindern: Keine privaten Beteiligungen an Aktiendeals von Bafin-Beschäftigten – Nur noch solide, profitable und transparente Unternehmen im DAX. Seit der globalen Finanzkrise von vor über einem Jahrzehnt hat kein Vorfall die Frankfurter Börse so vehement schaudern lassen wie dieses Wirecard-Beispiel. Eine der offenen Fragen heute: Was passiert mit den desillusionierten Aktionären der insolventen Münchener Start-up-Hoffnung?

Wirecard als Mahnmal der Aktienskeptiker

Zum Hintergrund: 1999 gegründet, startete das Münchener Fintech mit großen Ambitionen. Ähnlich wie es heute per Smartphone möglich ist von unterwegs zu zahlen, wollten die Gründer des Businesses den elektronischen Zahlungsverkehr im Bargeldland Deutschland etablieren. Der 2 Milliarden Euro Umsatz sowie der Einstieg an die Börse aus 2018, unterstrich die durchaus realistische Langzeitperspektive des Finanzdienstleisters. An einen vernichtenden Betrugsskandal dachte damals noch keiner unter den Kennern der innovativen Szene – praktizierte Wirecard doch selbst mit einer Anti-Betrugssoftware. Als zwischen 2019 und 2020 dann Bilanzfälschungen publik wurden, nach denen Treuhandkonten in Höhe von 2 Milliarden Euro schlicht und ergreifend nicht existierten, kam dann der Supergau für alle Beteiligten. Die Festnahme vom langjährigen Vorstandsvorsitzenden Markus Braun, die Flucht ins Ausland vom international gesuchten Ex-Vorstand Jan Marsalek und eine wertlose Aktie des gescheiterten Unternehmens. Für Politiker, Aktienskeptiker und skandalsüchtige Journalisten ein gefundenes Fressen – aus Perspektive der Aktionäre, die Aktien des Fintechs besaßen ein regelrechter Albtraum.

Finanzielle Folgen gehen für Private bis an eigene Existenz

Insider wissen: Ambitionierte Aktionäre, die zur Starterphase des Münchener Fintechs investierten, legten nicht nur kleine und mittlere Beträge an. Komplette Jahressätze von Kindergeldern, gar Vermögen im fünf bis sechsstelligen Bereich wurden in Wirecard gesteckt, erklärt etwa der selbständige Kölner Rechtsanwalt Markus Mingers, spezialisiert auf Bank- und Kapitalmarktrecht. Besonders zu Beginn der 2010er Jahre, als Wirecard international expandierte, rieten nicht wenige Marktbeobachter zum Börseneinstieg mit Anteilen des Finanzunternehmens. Damals wurden Kritiker von Wirecard, welche beispielsweise fehlende Transparenz monierten als Außenseiter gebrandmarkt, erinnert sich Mingers. Der Erfolg gab Wirecard jedoch recht und Negativschlagzeilen, in denen das Finanz-Start-up schlecht wegkam, wurden als mediale Störfeuer wahrgenommen. Im Frühjahr 2020 dann, eskalierten die Negativmeldungen über Wirecard und besiegelten gleichzeitig den Niedergang. Nachdem Wirtschaftsprüfer die fehlenden 1,9 Mrd. Treuhandkonten – eine Art Finanzairback für die Abwicklung von Online-Payment – aufklärten, war das Unternehmen bereits am Ende. Jahrelang gab die Wirecard-Chefetage fälschlicherweise Gelder als Absicherung des Geschäftsmodell an, die niemals vorlagen.

Der Rechtsstreit scheint nicht komplett ausweglos

Für Minger, der neben seiner juristischen Tätigkeit auch regelmäßig als Rechtsexperte bei RTL und n-tv auftritt, fängt die eigene Arbeit allerdings nach dem Riesenskandal erst an. Stellvertretend für seine hunderte Mandanten, die sich nach der Misere an ihn wendeten, klagt der Jurist gegen die gefallenen Chefs von Wirecard. Der Vorteil liege laut Minger auf der Hand: Gemäß Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG), können sämtliche relevante Rechtsfragen in einem Einzelverfahren gebündelt werden. Mit Erfolg: Denn anhand dieser zeitintensiven Musterklagen können sich Geschädigte auf bis zu 70% zurückerstattete Verluste Hoffnung machen. Ähnlich wie zu Zeiten des Betrugsskandal von Teilen der deutschen Automobilindustrie aus 2015 („Dieselskandal“), profilierte sich der Rechtsanwalt als gewissenhafter Justizexperte im Sinne der Kläger: „Für mich selbst gab es Wochen, in denen täglich Dutzende Mandanten an mich ran traten, um zumindest Teile ihrer verlorenen Summen zurückzuerstatten. Von Anfang an ging es mir darum, eine möglichst vielversprechende aber eben auch realistische Perspektive rauszuholen – und eine große Mehrheit der Betroffenen, kann sich jetzt reale Hoffnung auf ein gutes Ende machen.“

Markus Mingers ist Rechtsanwalt und Gründer der Mingers. Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Als Experte für Arbeitsrecht, Bank-und Kapitalmarktrecht vertritt er deutschlandweit Verbraucher von mittlerweile mehreren Standorten aus, u.a. Köln, Jülich. Gemeinsam mit seinem Team erkämpft er Gelder aus Urteilen und Gesetzen, die für Verbraucher bisher nicht zugänglich waren. Nach dem Prinzip „David gegen Goliath“ geht er gegen Großkonzerne, Banken und Versicherer vor. Somit konnte er für seine Mandanten bereits diverse erfolgreiche Prozesse im Bereich Widerruf Autokredit, Darlehen, Rückabwicklung Lebensversicherung und im Abgasskandal gewinnen.

Durch seinen Youtube-Channel entwickelte Markus Mingers die klassische Rechtsberatung weiter. Er informiert Verbraucher durch die Vlog-Formate #FragMingers oder „Cashkurs" und erläutert rechtlich, was die Nutzer aktuell interessiert. Zusätzlich machte sich Mingers einen Namen auf SocialMedia und als ntv-Rechtsexperte.

(Redaktion)


 


 

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