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business-on.de Redaktion
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9. Mai 2014

Der Aufstieg und Fall von Germany’s next Topmodel

Gestern Abend fand das Finale von Germany’s next Topmodel in der Lanxess Arena in Köln statt. Die 9. Staffel der Castingsendung gewann die 17-jährige Stefanie Giesinger. Dennoch erzielte Show von Supermodel Heidi Klum auf ProSieben die schwächste Einschaltquote der GNTM-Geschichte.

Es scheint, als würde neben „Deutschland sucht den Superstar“ auch der Glanz von Germany’s next Topmodel langsam verblassen. Die Einschaltquoten und der Marktanteil der Zielgruppen sinken langsam, aber stetig. 2011, beim Finale der 6. Staffel sahen noch über 4 Mio. Zuschauer das Finale (Marktanteil 24,3). Gestern Abend schauten sich nur noch 3,10 Mio. Fans (17,7% Marktanteil) das Finale an. Damit schließt die aktuelle Staffel noch schlechter ab als die erste Staffel, die bislang die insgesamt Schwächste war. Vor dem Finale zog insbesondere die polarisierende Kandidatin Nathalie die Leute vor den Fernseher. So sank die Quote im Vergleich zum Vorjahr zumindest bei den Auswahlshows nicht. Viele sahen sich die Finalshow nach dem Ausscheiden von Nathalie im Halbfinale aber nicht mehr an.

Werbekampagnen schlugen nicht an

Vor der diesjährigen Staffel sah man viele, teilweise aufreizende Werbeplakate und Banner, auf denen Heidi Klum posierte. Doch diese fanden offenbar keinen Anklang, eher im Gegenteil. Einige wurden von Sprayern übersprüht und mit Sprüchen verziert. „Zieh Dir bitte etwas an“ konnte man auf einigen Plakaten in Köln lesen. Neben dieser Aktionen führte die Werbekampagne auch nicht zu dem erhofften Erfolg mit steigenden Quoten. Wenn es einen Gewinner dieser Staffel gab, dann war es Jurymitglied Wolfgang Joop, der für die Models oft als eine Art „Ersatzpapa“ auftrat und so die Herzen der Fans gewann.

Kandidatinnen der letzten Jahre oft nicht erfolgreich

Viele Kandidatinnen oder gar die Siegerinnen der Topmodelstaffeln konnten sich nicht dauerhaft im Modelbusiness etablieren. Nur wenige von ihnen sorgen noch für Schlagzeilen. Eine von ihnen ist Larissa Marolt, die aktuell eine RTL-Karriere mit der Teilnahme am Dschungelcamp und bei der Tanzshow „Let’s Dance“ hinlegt. Die Gewinnerin der zweiter Staffel Barbara Meier sorgt ebenfalls kaum noch als Model für Schlagzeilen. Sie spielt mittlerweile in Filmen und TV-Serien mit. Die Siegerin der ersten Staffel Lena Gercke ist darüber hinaus nur noch in Fußballstadien als Freundin von Nationalspieler Sami Khedira auffällig. Den Titel eines Supermodels alla Klum, Rafaeli oder Bündchen kann man keiner Siegerin oder Kandidatin geben.

Große Kritik an GNTM

Die Castingshow musste sich insbesondere in der nun abgeschlossenen Staffel viel Kritik anhören. In den Medien war unter anderem von „Magerwahn“ gesprochen worden. Klum schickte zwei Mädchen deswegen sogar nach Hause. Außerdem versuchte sie sich häufig beim Essen von der Kamera einfangen zu lassen.
Darüber hinaus gab es gegen die Kandidatinnen mehrere Shitstorms. Einer von diesen wurde sogar zu einem Rassismus-Skandal, als viele Facebooker-User die dunkelhäutige Kandidatin Aminata mit fremdenfeindlichen Äußerungen auf ihrer Facebookseite beschimpften. Aminata selbst ging damit aber gut um.

Demo gegen Magerwahn

Im Rahmen des Finals von Germany’s next Topmodel demonstrierten etwas 200 Menschen am Kölner Dom gegen die Castingsendung. Sie beklagten das einseitige und unrealistische Frauenbild, dass die Sendung den Fans am Fernseher vermitteln würde. Mit Plakaten und Schildern forderten sie ein Ende des Magerwahns. „Lasst mich doch fett sein – es kann nicht jede beim Ballett sein“, stand auf einem Plakat. Andere trugen einen abgewandelten Standardspruch von Heidi Klum vor. „Heidi, für dich haben wir heute leider kein Foto“. Die Siegerin der 9. Staffel Stefanie äußerte sich ebenfalls zu den Protesten und der Demonstation. „Ich möchte ein Vorbild sein für euch. Wir sind alle schön. Und wir alle können etwas erreichen.“, sagte sie.

GNTM – Teurer Spaß für ProSieben

Die Castingsendung ist außerdem nicht ganz billig. Heidi Klum bekam für diese Staffel angeblich 8 Mio. Euro von ProSieben für die Dreharbeiten ausgezahlt. Auch der Mietpreis der Lanxess Arena für die Finalshow war ein teurer Spaß und dürfte im 7-stelligen Bereich gelegen haben. Aber auch die Co-Juroren Thomas Hajo und insbesondere Wolfgang Joop dürften hohe Summen für ihre Kommentare erhalten haben. Außerdem sind die Flugtransfers und die Produktion der Sendung in den USA ebenfalls teuer und dürften sich nur bedingt rentieren. Da die Einschaltquoten so schwach wie nie waren, gehen dementsprechend auch die Werbeeinnahmen des Senders zurück. Allerdings kommen durch die Kooperation mit Werbepartnern wie Opel, die „Jobs“ während der Castingshows an die Kandidatinnen verteilen, einige Einnahmen durch Productplacement zustande. Ob dennoch der Sender die Ausgaben im mittleren 8-stelligen Bereich wieder refinanzieren kann, ist fraglich.

Panne bei Finalshow

Neben der ganzen Kritik im Vorfeld des Finals leistete sich ProSieben während der Ausstrahlung auch noch einen dicken Bock. Die Finalistin Jolina wurde für den Bruchteil einer Sekunde „barbusig“ im Fernsehen gezeigt. Das alleine ist schon schlimm genug. So etwas bleibt den aufmerksamen Zuschauern in der heutigen Zeit nicht mehr verborgen. Doch dieser Fehler ist noch brisanter, da Jolina erst 17 Jahre alt ist und damit noch nicht erwachsen ist. Jugendschutz sieht definitv anders aus. Über die sozialen Netzwerke formiert sich die Sendung wegen des Vorfalls ein weiterer Shitstorm – als hätte es nicht schon genügend davon während der letzten Staffel gegeben. Somit bleibt neben der schwachen Finalquote und zahlreicher Kritik im Vorfeld des Finals und gegen die Castingshow selbst auch ein weiterer Skandal, der Germany’s next Topmodel und ProSieben belastet. „Eine 17-jährige ohne BH um Umziehen filmen ist selbst für GNTM ein Tiefpunkt.“, schrieb jemand bei Twitter. ProSieben entschuldigte sich mittlerweile für die Panne. „Wir sagen Sorry. Die Kamera hat vorhin eine Szene eingefangen, die so nicht geplant war. Aber das kann live passiern“, schrieb ProSieben bei Twitter. Die Fernsehzuschauer sehen das aber anders.

Christian Esser

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