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12. November 2020

Innovationsprämie der Bundesregierung kommt in Fahrt: Kundennachfrage übersteigt Angebot

Mit der seit dem Juli 2020 geltenden Innovationsprämie will die Bundesregierung den Verkauf von batterieelektrisch betriebenen E-Fahrzeugen (BEV) und Plug-In-Hybriden (PHEV) zusätzlich fördern. Damit wird die seit Juni 2016 bestehende Umweltprämie ergänzt und der Bundesanteil an der Förderung alternativer Antriebe verdoppelt. Aktuelle Absatzzahlen bei den E-Autoverkäufen deuten darauf hin, dass dieses zusätzliche Förderungsinstrument bereits wirkt, wie die neue Studie der Management- und Technologieberatung BearingPoint und des Handelsblatt Research Institute zeigt.

Förderung lässt Neuzulassungen deutlich ansteigen

In den ersten neun Monaten des Jahres 2020 wurden laut Kraftfahrtbundesamt in Deutschland 204.251 Elektrofahrzeuge (Elektroautos und Plug-In-Hybride) neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von 175 Prozent. Sie erreichten seit Jahresbeginn einen Anteil am Gesamtmarkt von rund zehn Prozent, nach rund drei Prozent im Jahr 2019, wie die Studie aufführt. Schon bevor die Bundesregierung die Förderung alternativer Antriebe im Zuge des Corona-Konjunkturpakets durch die Innovationsprämie kräftig erhöhte, war die Zahl der Förderanträge zum Erhalt des Umweltbonus massiv gestiegen.

Im September 2020 war bereits fast jede sechste Neuzulassung ein Elektrofahrzeug, wie BearingPoint und das Handelsblatt Research Institute aufzeigen. Die laut Kraftfahrtbundesamt 41.353 neu zugelassenen Elektrofahrzeuge im September 2020 entsprechen einem Zuwachs von insgesamt 337 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Neuzulassungen von BEV stiegen um 260 Prozent (21.188 Einheiten) und bei den PHEV sogar um 464 Prozent (20.127 Neuzulassungen). Meistgeförderte Marke war in den ersten neun Monaten 2020 BMW mit dem i3 und einer breiten Plug-In-Hybrid-Modellpalette, meistgefördertes Modell markenübergreifend der Renault Zoe.

Dr. Stefan Penthin, Globaler Leiter Automotive bei BearingPoint: „Die Innovationsprämie hat eine positive Wirkung auf die Transformation hin zu neuen Antriebstechnologien und das damit verbundene Ziel einer CO2-reduzierten Mobilität. Sie unterstützt die Autohersteller, und damit indirekt die noch stärker kriselnden Autozulieferer, nicht den Anschluss an die Zukunftstechnologie Elektromobilität zu verpassen. Zudem steht die Politik durch EU-Vorgaben beim Klimaschutz unter Druck. Denn um die Klimaziele 2030 zu erreichen, sind bis dahin sieben bis zehn Millionen Elektroautos in Deutschland notwendig. Damit das gelingt – Prämien hin oder her – muss die Automobilindustrie dringend die Produktionskapazitäten von Elektrofahrzeugen erhöhen, um der gestiegenen Kundenachfrage nachkommen zu können. Der Schlüssel zum Erfolg für die deutsche Automobilindustrie liegt dabei in der Kombination aus E-Mobilität und Digitalisierung – vor allem hinsichtlich der Wertschöpfungsprozesse, aber natürlich auch bei der Ausrüstung der Fahrzeuge und der Services.“

BEV-Klein- und Kompaktwagen besonders stark nachgefragt

Zwar lasse sich mit Blick auf den Gesamtmarkt aktuell noch keine eindeutige Aussage über die Wirkung der Innovationsprämie treffen, doch die Innovationsprämie dürfte im zweiten Halbjahr 2020 ihre positive Wirkung noch stärker entfalten, so BearingPoint und Handelsblatt Research Institute. Schon heute zeige sich im Bereich der BEV-Klein- und Kompaktwagen eine durch die Förderung angeregte sprunghafte Nachfrage. Manche Modelle waren demnach nur mit sehr langen Lieferzeiten erhältlich, andere konnten gar nicht mehr angeboten werden.

Einige Hersteller von E-Fahrzeugen schlecht vorbereitet

Dass es dazu kam, betont die Studie, sei ein Versäumnis von Teilen der Autoindustrie, die trotz monatelanger Diskussionen um die Ausgestaltung der Innovationsprämie von dieser Entwicklung scheinbar überrascht wurden. Höhere Produktionskapazitäten für Elektrofahrzeuge seien daher dringend notwendig, damit die Kunden ihre Fahrzeuge schnell bekommen und zulassen können. Denn die Innovationsprämie ist bis Dezember 2021 befristet und greift nur bei der Zulassung, nicht bereits beim Kauf, unterstreichen BearingPoint und das Handelsblatt Research Institute.

Dr. Sven Jung, Head of Economic Intelligence beim Handelsblatt Research Institute: „Mit der Innovationsprämie hat die Bundesregierung ein weiteres wichtiges Förderinstrument eingerichtet, das die E-Mobilität deutlich nach vorne bringen kann. Aus Sicht der Verbraucher sowie aus Perspektive des Autohandels gestaltet sich die Innovationsprämie aber in der Praxis komplex. Das Antragsverfahren beim BAFA musste inzwischen vereinfacht werden, weil es einen Antrags- und Bearbeitungsstau gab. Aus Sicht potenzieller Käufer hemmen dazu lange Lieferzeiten auf Seiten der Hersteller sowie eine Corona-bedingt immer noch problematische Situation bei vielen KFZ-Zulassungsstellen eine rasche Kaufentscheidung. Wenn die Rahmenbedingungen für die Förderung und die E-Mobilität allgemein allerdings passen und die Hersteller von Elektrofahrzeugen die Kundennachfrage entsprechend bedienen können, wird auch die Innovationsprämie die Verkaufszahlen weiter nach oben treiben und damit erfolgreich den gewünschten Effekt hin zu mehr E-Mobilität einleiten.“

Krise als Chance für wichtige Weichenstellung bei E-Mobility nutzen

Bei der Diskussion um Elektromobilität werde laut der Studie häufig vergessen, dass ein höherer Marktanteil von BEV- und PHEV-Fahrzeugen auch weitere Konsequenzen nach sich ziehe. Das gelte dementsprechend auch für die Innovationsprämie, die zwar den Absatz fördern wolle, aber erst einmal außen vorlasse, dass vor allem das Zusammenspiel mit der Infrastruktur und den entsprechenden Lademöglichkeiten Elektromobilität wirklich nutzbar mache. Das Krisenjahr 2020 könne hier laut BearingPoint und Handelsblatt Research Institute eine gute Weichenstellung bieten, den Blick in Richtung E-Mobility-Zukunft zu lenken.

(ots)

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