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Interviews

Georg Alef: „Köln ist Eventstadt und keine Kurstadt!“

Georg Alef ist Leiter der Forschung und Entwicklung sowie Qualitätssicherung bei „WECO Feuerwerk“ und Chef-Pyrotechniker der Kölner Lichter. Gebürtig aus Bergisch Gladbach stammend, verbrachte der heute 53-Jährige seine Kindheit in Köln-Dellbrück, wo er konsequent die Pyrotechnik als Passion verfolgte. Ebenso unbeirrt bleibt Alef mit seinen Wurzeln vernetzt; sowohl wirtschaftlich als auch kulturell.

Georg Alef

Business-on.de: Sind Sie gebürtig aus dem Rheinland?

Georg Alef: Ja, geboren in Bergisch Gladbach, aber frühe Kindheit verbracht in Köln, und das ist wichtig, in Köln-Dellbrück.

Business-on.de: Was ist das Besondere am Rheinland?

Georg Alef: Das Besondere am Rheinland ist eigentlich seine strategische Lage – ziemlich mittig in Europa. Dies haben ja nun auch schon die Römer erkannt; auch im Mittelalter nahm die strategisch-wirtschaftliche Entwicklung des Rheinlandes seinen Fortgang. Durch die Einwanderung verschiedenster Volksgruppen kommt es gerade im Rheinland und speziell in Köln dann dazu, dass es eigentlich keine festen Charakterzüge wie in anderen Gegenden Deutschlands gibt. Das hat zur Folge, dass Rheinländer manchmal als etwas unstet daherkommen, aber auch als gute Netzwerker bekannt sind.

Business-on.de: In welcher Branche sind Sie tätig und seit wann?

Georg Alef: Seit meiner Kindheit verfolge ich konsequent die Pyrotechnik als Passion. Seit 1985 besitze ich den Pyrotechnikerschein und seit dem 1.September 1988 bin ich bei der Firma WECO tätig.

Business-on.de: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Ihr Unternehmen?

Georg Alef: Über alle drei Werke sowie in der Qualitätssicherungsgruppe in China beschäftigen wir circa 400 Mitarbeiter.

Business-on.de: Wieso arbeiten Sie gerne im Rheinland?

Georg Alef: Naja – allein durch die Geburt ist man natürlich direkt vorgeprägt. Neben den oben erwähnten Standortvorteilen ist natürlich eine kulturelle Vernetzung – gerade auch im Hinblick auf den berühmten Karneval – ein Muss.

Business-on.de: Welche Vorteile sehen Sie für Ihr Unternehmen in einem Standort in der Region?

Georg Alef: Allein die Lage und die nahe Nachbarschaft zu anderen europäischen Staaten sowie die gute Verkehrsanbindung sind für den Bereich Pyrotechnik natürlich ein riesengroßer Vorteil.

Georg Alef: Der Karneval fördert die wichtigste Manager-Eigenschaft: Über sich selber lachen zu können!“

Business-on.de: Ihre Meinung zum berüchtigten Kölner Klüngel?

Georg Alef: Kölner Klüngel ist eigentlich nichts anderes als Netzwerken. Solange es sich im Rahmen „Man kennt sich, man hilft sich“ bewegt, bietet der Kölner Klüngel natürlich massive Vorteile. Wenn es allerdings zu „filzig“ wird, kehren sich die Vorteile ins Negative um. Wie so oft im Leben gilt: Alles, was zu viel genossen wird, schadet.

Business-on.de: Sind Sie im Karneval aktiv?

Georg Alef: Ja, es bietet doch die Möglichkeit beziehungsweise fördert die Eigenschaft, über sich selber lachen zu können und sich nicht ganz so ernst zu nehmen. Meiner Meinung nach ist dies eine wichtige Manager-Eigenschaft.

Business-on.de: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Georg Alef: Ich bin ein absoluter Familienmensch.

Business-on.de: In welchen Clubs netzwerken Sie?

Georg Alef: Nationale und internationale Normungs-Arbeitsgruppen für den Bereich Pyrotechnik, internationale Symposien für Pyrotechnik, Arbeitsgruppe der europäischen Kommission für das Inverkehrbringen von Feuerwerkskörpern auf den europäischen Markt.

Business-on.de: Was ist Ihr Lieblingsort in der Region und warum?

Georg Alef: Es gibt da einige. Einer ist die Erpeler Ley, weil man dort in ruhiger Atmosphäre den Überblick über das Rheinland genießen und auch zu sich selber kommen kann.

Business-on.de: Wie beurteilen Sie die Zukunft Ihrer Branche in der Region?

Georg Alef: Es ist ein stetiger Kampf mit immer neuen Vorschriften sowie mit Konkurrenzunternehmen aus Fernost, der aber geführt werden muss, da bei einer Einstellung der Produktion meiner Meinung nach ein Knowhow- Verlust stattfindet.

Business-on.de: Besteht Ihrer Meinung nach hinsichtlich der wirtschaftlichen Faktoren im Rheinland noch Optimierungsbedarf? Sehen Sie sich als Unternehmer seitens der Politik ausreichend unterstützt?

Georg Alef: Hier kommen wir mittlerweile eigentlich ganz gut alleine klar. Infrastruktur lässt natürlich im Rheinland teilweise zu wünschen übrig. Ein gutes Beispiel hierfür ist die marode Substanz der Kölner Rheinbrücken, die natürlich auch eine Folge des längeren „sich-nicht-drum-Kümmerns“ ist. Und dies ist exemplarisch nur ein Beispiel, was verbessert werden muss. Hier müsste meiner Meinung nach für solche Projekte auch eine Notfallplanung her.

Business-on.de: Vervollständigen Sie den Satz: „Der typische Kölner ist…

Geoorg Alef: … ein traditioneller Netzwerker.“

Business-on.de: Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissensstand noch mal von vorne anfangen könnten, welche Entscheidungen würden Sie revidieren?

Georg Alef: Absolut keine.

Business-on.de: Würde es beim Rheinland bleiben?

Georg Alef: JA.

Business-on.de: Beenden Sie diesen Satz: „Wenn ich nicht in Köln wäre, dann wäre ich…

Georg Alef: … beruflich in Valencia oder Neapel – beides Hauptstädte der europäischen Pyrotechnik – tätig.

Business-on.de: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Georg Alef: In zehn Jahren habe ich hoffentlich meine Nachfolge beziehungsweise jüngere Leute soweit ausgebildet, dass sie die Branche Pyrotechnik weiter voranbringen können bzw. die berufliche Entwicklung dieser Stelle mit der entsprechenden Begeisterung weiterführen können.

Business-on.de: Köln mag für Unternehmer seinen Reiz haben, doch ist es eine Stadt, in der Sie Ihre Kinder großziehen würden?

Georg Alef: Durch die Sensibilität der Produktion von Pyrotechnik, ein Unternehmen der Explosivstoffbranche, befinden sich die Fertigungsstätten natürlich nie in Stadtnähe, sondern eher auf dem Land. Die Frage, wo Kinder groß werden können, kann ich insofern beantworten, als beides meiner Meinung nach möglich sein muss und auch im Rheinland möglich ist. Gerade im Rhein-Sieg-Kreis gibt es einige hervorragende Bildungseinrichtungen; von Gesamtschule über Haupt-/ Realschule bis hin zu sehr guten Gymnasien ist hier selbst in der Landgemeinde Windeck eine große Bandbreite vertreten. Beides hat meiner Meinung nach seinen Reiz.  Die weichen Faktoren werden also gerade auch in den außerstädtischen Gebieten nicht zu kurz gehalten.

Business-on.de: Wenn Sie einen Tag lang die Fäden der Stadt ziehen dürften, welche für Sie längst überfällige Entscheidung würden Sie umsetzen?

Georg Alef: Da gäbe es viele, exemplarisch greife ich eine heraus: Köln ist eine Eventstadt und keine Kurstadt. Das heißt, meiner Meinung nach müssen Events auch über das normale Maß hinaus genehmigungsfähig bleiben. Der schmale Grat zwischen Rücksichtnahme auf Ruhebedürfnis und Möglichkeit zur Durchführung von größeren Veranstaltungen muss meiner Meinung nach wieder leicht in Richtung „Durchführung von Veranstaltungen“ geändert werden. Als Beispiel wäre hier zu nennen: Wer sich eine Eigentumswohnung in der Nähe eines seit Jahrzehnten festen Veranstaltungsortes wie dem Tanzbrunnen kauft, kann nicht erwarten, nach 22 Uhr mit einer Null-Immission zu leben. Eine Ausnahmeerweiterung bis 23 Uhr wäre hier vonnöten. Dies ist wie gesagt nur ein Beispiel.

Dr. Tobias Kollmann meint „Köln kann mehr!“.

 

Christian Weis

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