News·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
30. Juni 2020

Corona bremst Gehaltsentwicklung in Deutschland

Im Vergleich zu 2019 werden die Gehälter in der Gesamtwirtschaft in diesem Jahr mit 1,6 Prozent nur minimal steigen. Dies geht aus einer aktuellen Prognose der Hamburger Gehaltsspezialist*innen hervor. Für 2021 liegt der prognostizierte Zuwachs bei 0,3 Prozent. Zum Vergleich: Zwischen 2009 und 2019 betrug die durchschnittliche Lohnsteigerungsrate 2,57 Prozent.

„Die Corona-Krise wird über alle Berufsgruppen hinweg zu einem Einbruch der Lohnsteigerungsraten führen“, sagt Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de. Da Arbeitgeber die meisten Entscheidungen zur Lohnpolitik für 2020 bereits vor der Corona-Krise getroffen haben und viele Tarifverträge bereits abgeschlossen wurden, seien die Auswirkungen nicht unmittelbar und in voller Kraft spürbar, so Bierbach weiter. Die Entwicklung fällt je nach Berufsgruppe unterschiedlich aus – das verdeutlicht auch die zusätzliche Analyse acht ausgewählter Berufsgruppen.

Tarifgebundene Berufe kommen mit blauem Auge davon

„Berufsgruppen mit hoher Tarifabdeckung, klar geregelten Ausbildungsanforderungen und starker Präsenz in der öffentlichen Diskussion werden die Aufmerksamkeit durch die Krise besser in Tarif- und Gehaltsverhandlungen nutzen können“, sagt Bierbach. Besonders das Pflegepersonal in Krankenhäusern (+3,1 Prozent) kann hier profitieren. Für Altenpfleger*innen (+2,6 Prozent) sind ebenfalls stabile Lohnsteigerungsraten zu erwarten – wobei die Tarifbindung hier deutlich schwächer ausgeprägt ist.

Die prognostizierten Gehälter für Kranken- (39.749 Euro) und Altenpfleger*innen (33.788 Euro) lägen damit jedoch nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. Zum Vergleich: Fachkräfte in Deutschland verdienen jährlich rund 41.400 Euro. Das gilt ebenfalls für die Berufsgruppe der Erzieher*innen, bei der eine Lohnsteigerungsrate von rund +2 Prozent zu erwarten ist. Hier arbeiten etwa 75 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden. „Viele – vor allem soziale – Berufe werden trotz Krise weiter Lohnsteigerungen bekommen. Es ist allerdings zweifelhaft, ob diese stärker ausfallen werden als es ohne Corona-Krise der Fall gewesen wäre“, so Bierbach.

Trotz Beifalls und Anerkennung werden nicht alle systemrelevanten Beschäftigten mit einer gleichermaßen positiven Gehaltsentwicklung belohnt. Dies hängt – wie zum Beispiel beim Kassenpersonal (+1,7 Prozent) – unmittelbar mit niedrigen Ausbildungsanforderungen sowie dem Fehlen eines flächendeckenden Tarifvertrags zusammen. Zudem ist es im Falle der Kassierer*innen stark davon abhängig, ob die Beschäftigten im systemrelevanten bzw. nicht-systemrelevanten Einzelhandel arbeiten.

Keine Lohnsteigerung im Tourismus & leicht positiver Trend in der IT

Besonders drastisch trifft die Krise die Tourismusindustrie. Eingeschränkte Reisemöglichkeiten und geschlossene Reisebüros sind der Grund einer nur geringen Lohnsteigerungsprognose von 0,9 Prozent in 2020 und einer flächendeckenden Stagnation im darauffolgenden Jahr.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in der Automobilindustrie, denn auch hier sind die Einkommen stark konjunkturabhängig. Stillgelegte Autowerke, der Einbruch bei der Bestellung von Neuwagen im In- und Ausland sowie die Entscheidung gegen eine Kaufprämie seitens der Regierung treffen die Branche hart. So prognostizieren die Analyst*innen von Gehalt.de auch für KFZ-Mechatroniker*innen eine geringe Lohnsteigerung (+1,3 Prozent auf 32.947 Euro).

Ein leicht positiver Trend ist hingegen innerhalb der IT-Branche zu erwarten, denn Fachkräfte wie Softwareentwickler*innen werden nach wie vor gefragt sein. Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung werden Lohnsteigerungen jedoch auch in diesem Sektor geringer ausfallen als üblich (+1,7 Prozent). Das prognostizierte Gesamtgehalt (56.886 Euro) läge damit jedoch weiterhin im oberen Drittel unter den Gehältern in Deutschland.

Streichung von Bonuszahlungen wahrscheinlich

Grundsätzlich gilt, dass Gehälter eigentlich nicht sinken, auch nicht in Krisenzeiten. Ausnahmen bilden die erfolgs- und leistungsabhängigen Bezüge wie Sonder- und Bonuszahlungen oder das 13. Monatsgehalt. Gemäß der Prognose von Gehalt.de ist es aktuell nicht realistisch, dass Unternehmen die variablen Gehaltsanteile in 2020 in voller Höhe oder überhaupt auszahlen werden.

Prognose Gehaltsentwicklung 2021 & Vergleich zur Finanzkrise

„Die tatsächlichen Auswirkungen der Krise auf die Gehaltsentwicklung werden wir erst im nächsten Jahr zu spüren bekommen“, sagt Philip Bierbach. Die für 2021 prognostizierte Lohnsteigerungsrate von +0,3 Prozent in der Gesamtwirtschaft liegt knapp über dem Wert nach der Finanzkrise (2009: +0,2 Prozent). „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir im Hinblick auf Investitionen und Gehaltsentwicklung besser aus der Krise herauskommen können, da es sich bei der Pandemie um eine exogene Krise handelt, aber um keine Systemkrise“, so Bierbach abschließend.

ots

Teilen:
Weitere Artikel
Wie werde ich Sozialpädagoge? Wege in einen anspruchsvollen sozialen Beruf
Karriere
Wie werde ich Sozialpädagoge? Wege in einen anspruchsvollen sozialen Beruf

Wer Sozialpädagoge werden will, braucht in Deutschland in der Regel ein Studium. Der klassische Weg führt heute meist über Soziale Arbeit, Sozialpädagogik oder einen eng verwandten Studiengang an einer Hochschule. Dazu kommen Praxisphasen, häufig ein Anerkennungsjahr oder eine staatliche Anerkennung, je nachdem, wie die Hochschule den Studiengang aufgebaut hat und in welchem Bundesland der Berufseinstieg erfolgt. Eine einheitliche, bundesweit geregelte Sozialpädagogik-Ausbildung als klassischer Ausbildungsberuf ist dagegen nicht der typische Zugang. Damit beginnt die eigentliche Entscheidung aber erst. Denn die Frage, wie man Sozialpädagoge wird, lässt sich nicht allein mit dem Wort Studium beantworten. Wichtig ist auch, in welchem Bereich später gearbeitet werden soll, etwa mit Kindern und Jugendlichen, in der Familienhilfe, an Schulen, in der Jugendhilfe, in der Beratungsarbeit oder im Feld von Menschen mit Behinderung. Wer diese Unterschiede früh versteht, trifft die bessere Studienwahl und vermeidet Umwege. Wie wird man Sozialpädagoge in Deutschland?

Lesen
Wertschutz im Unternehmen: Strategien für die sichere Verwahrung von Wertgegenständen, Dokumenten und Daten
Business
Wertschutz im Unternehmen: Strategien für die sichere Verwahrung von Wertgegenständen, Dokumenten und Daten

Einbruchdiebstähle verursachen jedes Jahr hohe Verluste in Unternehmen – insbesondere durch den Verlust von Bargeld, Technik und sensiblen Unterlagen. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft entstehen dabei regelmäßig Schäden in Millionenhöhe, was die wirtschaftliche Relevanz unzureichender Sicherungsmaßnahmen deutlich macht. Genau hier setzt die sichere Aufbewahrung im Tresor an: Sie schützt zentrale Unternehmenswerte zuverlässig vor Diebstahl, unbefugtem Zugriff und anderen Risiken. Die Sicherheitslücken im modernen Büroalltag Trotz fortschreitender Digitalisierung bleiben physische Assets wie notarielle Verträge, Prototypen oder Offline-Backups unverzichtbar. Eine Lagerung in herkömmlichen Büromöbeln ist nicht nur grob fahrlässig, sondern gefährdet auch den Versicherungsschutz.

Lesen
Wie werde ich Berufsschullehrer? Studium, Voraussetzungen und Wege in den Schuldienst
Karriere
Wie werde ich Berufsschullehrer? Studium, Voraussetzungen und Wege in den Schuldienst

Wer Berufsschullehrer werden möchte, wählt einen Berufsweg mit besonderer Nähe zur Praxis. Anders als an vielen allgemeinbildenden Schulen geht es hier nicht nur um Fachwissen und Unterricht, sondern auch um den Bezug zur Arbeitswelt, zu Betrieben und zu ganz unterschiedlichen Bildungswegen. Der klassische Weg führt in der Regel über ein Studium für das Lehramt an beruflichen Schulen, anschließend in den Vorbereitungsdienst und danach in den Schuldienst. Je nach Bundesland, Fachrichtung und Vorbildung gibt es daneben weitere Möglichkeiten, etwa über den Seiteneinstieg. Wer sich für das Berufsschullehramt interessiert, sollte deshalb früh unterscheiden: Welche Schularten kommen infrage? Welche Fachrichtung passt? Und führt der eigene Weg über ein reguläres Lehramtsstudium oder über einen späteren Einstieg mit beruflicher oder akademischer Vorqualifikation? Genau diese Fragen entscheiden darüber, wie die Ausbildung aufgebaut ist und wie lang der Weg bis in das Klassenzimmer dauert. Was macht ein Berufsschullehrer im Alltag?

Lesen
Zur Startseite