News·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
3. Februar 2014

Als Freiberufler auf Mallorca – So klappt´s!

Keine Selbstständigkeit ohne finanzielle Rücklagen!

In Spanien wird mit dem Wort autónomo (spanisch für unabhängig, selbstständig ) der Freiberufler bezeichnet. Vor rund zehn Jahren war die Berufssparte der Freiberufler noch fast unbekannt und wer selbstständig war, war zumeist der Chef einer größeren Firma. Aus diesen Zeiten stammt auch der alte Spruch „Arbeitest du oder bist du Freiberufler? (¿Trabajas o eres autónomo?). Doch die Zeiten haben sich geändert und auch in Spanien steigt die Zahl der „autónomos“, die sich ihren Lebensunterhalt als Steuerberater, Handwerker oder Therapeuten verdienen.

Auf Mallorca ist es jedoch nicht anders als in Deutschland: Wer nicht genügend Eigenkapital mit sich bringt, kann kaum eine Kneipe am Ballermann eröffnen. Daher sollten Auswanderer stets ehrlich zu sich selber sein. Denn selbst wenn die erste Hürde geschafft ist, kann man trotzdem schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Und am Ende fehlt selbst das Geld für das Rückflugticket nach Deutschland.

Wer sich auf Mallorca selbstständig machen will, muss also über ein bestimmtes Budget verfügen – und dies sollte sogar höher sein, als in Deutschland. Denn was von vielen Auswanderern oftmals vergessen wird: Im Ausland fehlt das soziale Netz, welches in Deutschland jeden auffängt!

Als Faustregel gilt, dass genügend Geld vorhanden sein sollte, um noch mindestens ein Jahr ohne Einnahmen leben zu können. Denn so lange braucht beispielsweise ein Gastwirt, bis das Geschäft läuft. Wer mit weniger als 10.000 Euro nach Mallorca auswandern will, um dort eine Selbstständigkeit zu beginnen, sollte den Schritt in die Selbstständigkeit gründlich überdenken.

Nicht kalkulierbare Kosten beachten!

Aber selbst Auswanderer mit einem guten finanziellen Polster können sich schnell in der Schuldenfalle wiederfinden. In erster Linie ist dafür eine Unterschätzung oder falsche Berechnung der Kosten verantwortlich. Mieten und die Immobilienpreise auf Mallorca sind hoch. Dies gilt besonders für Touristenhochburgen wie Palma oder Calla Millor.

Die Kaution ist in der Regel höher als in Deutschland und zumeist ist auch eine hohe Summe für die Inventarübernahme fällig. Außerdem ist es in Spanien und auch auf Mallorca üblich, dass die Miete für mindestens ein Jahr im Voraus bezahlt wird. Damit das Geschäft beginnen kann, sind oftmals noch Investitionen für Renovierungen und andere Anschaffungen notwendig. So kommen schnell vierstellige Summen zusammen! Um sich einen Überblick über die Preise der Gewerbeimmobilien auf Mallorca machen zu können, ist diese Immobilienseite sehr hilfreich.

Wie in Deutschland auch, benötigen Gewerbetreibende auf Mallorca bestimmte Genehmigungen und Bescheinigungen. Auch hierfür fallen Kosten an. Oftmals müssen die aus Deutschland mitgebrachten Papiere übersetzt und beglaubigt werden, damit sie von den Ämtern anerkannt werden.

Als Freiberufler auf Mallorca – diese Unterlagen benötigt man

Um sich als Freiberufler selbstständig machen zu können, muss man mindestens 18 Jahre alt sein und sein Gewerbe anmelden (Alta en Impuestos sobre Actividades Económicas). Nach Erhalt der Gewerbeanmeldung muss sich der Trabajador autónomo mit der sogenannten NIE beim Finanzamt , der Agencia Tributaria (oft auch als hacienda bezeichnet), selbstständig melden und erhält dort die spanische Steueridentifikationsnummer NIF (número de identificación fiscal).

Die anfallenden Steuern werden entweder vierteljährlich (estimación directa) oder per Schätzung berechnet. Zu zahlen ist, ähnlich wie in Deutschland, die Einkommenssteuer (IRPF – Impuesto sobre al Renta de Personas Fisicas) und die Mehrwert- und Umsatzsteuer (IVA – Impuesto de Valor añadido). In der Regel wird vierteljährlich eine festgesetzte Summe bezahlt und am Jahresende wird vom Finanzamt die Gesamtsteuer errechnet. Dieses System nennt sich régimen a módulos und führt am Jahresende nicht selten zu angenehmen Überraschungen.

Auch bei der Sozialversicherung muss man sich als Freiberufler anmelden und monatliche Beiträge zahlen. Das zu versichernde Einkommen kann frei gewählt werden. Wird ein größeres Einkommen angeben, ist monatlich eine größere Monatsrate (cuota de autónomo) fällig. Dafür ist aber auch der Krankengeldanspruch und die Rente am Ende des Berufslebens entsprechend höher.
Die meisten Freiberufler versichern sich zu einem fiktiven Mindestgehalt, welches bei 850 Euro monatlich liegt. Dies führt zu einer monatlichen Belastung von derzeit 254 Euro für die Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung. Wird man arbeitsunfähig krank , wird ab dem vierten Krankentag 60 Prozent des Gehaltes ausgezahlt. Bei 850 Euro Monatsgeld sind dies 510 Euro im Monat. Wer länger als drei Wochen arbeitsunfähig erkrankt, erhält 75 Prozent des Grundgehalts.

Es ist ratsam, ein höheres Grundgehalt zu versichern, um im Krankheitsfalle nicht auf die schiefe Bahn zu geraten. So sind beispielsweise bei einem Monatsgehalt von 1.500 Euro zwar 450 Euro für die Sozialversicherung zu zahlen, dafür erhält der Freiberufler aber bei längerer Krankheit 1.125 Euro von der Berufsgenossenschaft (mutua laboral).

In der Praxis gibt es auf Mallorca eine Menge selbstständiger Kleinverdiener, die sich nur für zwei Monate im Jahr als Freiberufler anmelden, um dann Rechnungen stellen zu können. Dadurch wird zwar der Beitrag zur Sozialversicherung gespart, aber es drohen Strafen von 6.000 Euro und mehr!

Teilen:
Weitere Artikel
Unter der Oberfläche: Wie sich Geschäftsmodelle im Tiefbau strategisch wandeln
Business
Unter der Oberfläche: Wie sich Geschäftsmodelle im Tiefbau strategisch wandeln

Jedes erfolgreiche Bauprojekt beginnt im Verborgenen. Bevor Straßen den Verkehr leiten oder Gebäude in die Höhe wachsen, schafft der Tiefbau die notwendige Grundlage. Diese Branche bildet das wörtliche Fundament der modernen Infrastruktur. Doch die Zeiten, in denen es bei Erdarbeiten nur um den reinen Maschineneinsatz ging, gehören der Vergangenheit an. Der Markt verlangt heute nach deutlich mehr als der bloßen Ausführung von Bauplänen. Um langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, benötigen Bauunternehmen ein durchdachtes Geschäftsmodell. Wirtschaftlichkeit, neue technologische Entwicklungen und ökologische Vorgaben müssen dabei sinnvoll ineinandergreifen. Dieser Wandel rückt strategisches Denken in den Fokus einer traditionellen Branche.

4 Min. LesezeitLesen
Flexibilität auf vier Rädern: Der Pickup als multifunktionale Basis für Beruf und Freizeit
Innovation
Flexibilität auf vier Rädern: Der Pickup als multifunktionale Basis für Beruf und Freizeit

Die Arbeitswelt fordert heute ein hohes Maß an Flexibilität. Feste Büroräume treten in vielen Branchen in den Hintergrund, während ortsunabhängige Tätigkeiten an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklung verändert auch die Ansprüche an gewerbliche Fahrzeuge. Ein zeitgemäßer Firmenwagen muss mehr leisten, als lediglich Personen oder Material zu transportieren. Er wird zunehmend zu einem erweiterten Arbeitsplatz. Vor diesem Hintergrund rückt der Pickup in den Fokus. Einst als reines Nutzfahrzeug konzipiert, hat er sich zu einer durchdachten Mobilitätslösung entwickelt.

3 Min. LesezeitLesen
Werte mit Gewicht: Ein strategischer Leitfaden für das Geschäft mit Rohstoffen
Guide's
Werte mit Gewicht: Ein strategischer Leitfaden für das Geschäft mit Rohstoffen

Rohstoffe bilden das unsichtbare, aber unverzichtbare Fundament der weltweiten Wirtschaft. Ohne sie lässt sich weder eine moderne Maschine bauen noch ein Gebäude errichten. Klassische Finanzmärkte werden oft von der aktuellen Zinspolitik oder von schnellen Gewinnerwartungen angetrieben. Physische Güter hingegen folgen einer anderen, greifbareren Logik. Sie orientieren sich am tatsächlichen Bedarf der Menschen und der realen Produktion der Industrie. Das Geschäft mit diesen echten Werten bietet daher eine gute Möglichkeit, geschäftliche Vorhaben auf eine beständige Basis zu stellen. Man macht sich dadurch ein Stück weit unabhängiger von reinen Papierwerten oder den kurzfristigen Launen der Börse.

4 Min. LesezeitLesen
Zur Startseite