Aufbau einer Tochtergesellschaft
Die Tochtergesellschaft befindet sich in Bezug auf die Finanzen fast immer im mehrheitlichen Besitz der Muttergesellschaft. Ein besonderer Fall tritt ein, wenn die Tochtergesellschaft gleichzeitig eine Aktiengesellschaft ist. Hierbei übernimmt die Mutter meist die Mehrheit der Aktien. Ist die Tochtergesellschaft eine GmbH, so besitzt das Mutterunternehmen eine entsprechende Mehrheit im Stammkapital. Rechtlich bleibt das Tochterunternehmen jedoch immer eigenständig.
Befinden sich sogar 100 Prozent des Kapitals im Besitz des Mutterkonzerns, so ist hier von einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft die Rede. Grundsätzlich wird die Tochter immer von der Mutter gesteuert. Bei einem Joint Venture hingegen bleibt die Kontrolle bei der Tochtergesellschaft. Oftmals kommt in der Wirtschaft auch der Begriff der Schwestergesellschaften zum Einsatz. Hierbei versteht man zwei Tochtergesellschaften, die untereinander abhängig sind und durch ihr Kapital miteinander verbunden sind. Man spricht nicht von einer Tochtergesellschaft, wenn eine natürliche Person oder gar eine Personengesellschaft Eigentümer des Unternehmens sind.
Die vier Beziehungsfälle zwischen der Tochter- und Muttergesellschaft
Blickt man von außen auf die Konzernstruktur, spricht man von einer Holdinggesellschaft. In ihr sind sowohl das Mutterunternehmen, als auch alle seine Tochterunternehmen mitinbegriffen.
Je nach Holding-Struktur hat der Mutterkonzern mehr oder weniger Befugnisse in seinen Tochterunternehmen (Wie die rechtlichen Befugnisse genau geregelt sind, definiert ein Beherrschungs- und im Gewinnabführungsvertrag). Hier unterscheidet man vier Varianten, die die Ausgestaltung der Holding definieren:
- Operativ: Das Mutterunternehmen lenkt den operativen Bereich in seinen Tochterunternehmen und behält damit Einfluss und Kontrolle.
- Managementorientiert: Die strategische Weiterentwicklung der Töchter ist durch klare Richtlinien und Ziele seitens der Mutter vorgegeben.
- Organisatorisch: Die Töchter gestalten ihren operativen Betrieb weitgehend frei und selbstbestimmt.
- Finanziell: Die Muttergesellschaft fungiert lediglich als Vermögensverwaltung.
Die Besonderheiten einer Schachtelgesellschaft
Im Zusammenhang mit der Auslagerung von Unternehmensteilen stößt man häufig auf den Begriff Schachtelgesellschaft. Eine solche Gesellschaftsform liegt dann vor, wenn eine Kapitalgesellschaft mit mindestens 10 Prozent an einer anderen Kapitalgesellschaft beteiligt ist. Die Besonderheit besteht hierbei darin, dass der Anteilswert der Muttergesellschaft an der Schachtelgesellschaft nicht noch einmal der Körperschaftssteuer und der Gewerbesteuer unterliegt. Ertrag und Kapital der Tochtergesellschaft unterliegend damit keiner doppelten Steuerlast.
Beispiele für Tochtergesellschaften
In der jüngeren Vergangenheit haben viele deutsche Großkonzerne ihre IT-Abteilungen ausgegliedert und eigenständige Unternehmen aus ihnen gemacht. Ein bekanntes Beispiel ist die Siemens-Unternehmenstochter Infineon. Hintergrund der Auslagerung war es, die stark schwankenden Umsätze und Gewinne auf dem Halbleitermarkt vom Geschäftsergebnis des Mutterkonzerns abzugrenzen.
Aber auch aus anderen Branchen kommen bekannte Beispiele. In Deutschland ist die Verbindung zwischen Opel und General Motors bekannt. Die Opel GmbH ist die Tochtergesellschaft des amerikanischen Konzerns. Der deutsche Name blieb zumindest im deutschsprachigen Raum trotz der Übernahme erhalten, um das Vertrauen in die etablierte Marke nicht zu verlieren.
Ein anderes Beispiel bezieht sich auf die Oetker-Gruppe: Der größte Lebensmittelhersteller in Deutschland hat mehr als 350 Tochterunternehmen, unter anderem: Conditorei Coppenrath & Wiese, Radeberger Gruppe, Selters, Henkell.
Auch Instagram LLC, Oculus VR LLC und WhatsApp Inc sind nach ihrer Übernahme durch Facebook zu Tochtergesellschaften von Facebook geworden.
Achtung: Wenn es sich bei dem Mehrheitseigner der Tochtergesellschaft nicht auch um eine Gesellschaft handelt, spricht man nicht von einer Tochtergesellschaft. Dies war zum Beispiel bei der Deutsche Bahn AG der Fall.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| • Innovationen stärker gefördert • leichtere Finanzierung • größere Flexibilität • gleichmäßigere Verteilung des Risikos • bessere Verteilung der Steuerlast | • mögliche Interessenkonflikte zwischen Tochter- und Muttergesellschaft • lange Anlaufzeit von 10 bis 12 Jahren • hoher organisatorischer und finanzieller Aufwand, bis erste Erfolge eintreten |
Was ist eine Tochtergesellschaft
Eine Tochtergesellschaft ist ein rechtlich eigenständiges Unternehmen, das wirtschaftlich von einem Mutterunternehmen abhängig ist. Auch bei der strategischen Ausrichtung behält das Mutterunternehmen die Kontrolle. Im Zentrum der Zusammenarbeit zwischen Mutter-und-Tochterunternehmen stehen verschiedene Gewinnabführungsverträge.
Was sind die Voraussetzungen für eine Tochtergesellschaft?
Eine Tochtergesellschaft liegt dann vor, wenn die Muttergesellschaft 10 Prozent der Anteile hält.
Was ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft?
Von einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft spricht man, wenn sich 100 Prozent des Kapitals im Besitz des Mutterkonzerns befinden. Die Kontrolle verbleibt stets bei der Muttergesellschaft. Eine Ausnahme besteht lediglich beim Joint-Venture, bei dem das Tochterunternehmen selbstständig agiert.
Ist eine Tochtergesellschaft wirtschaftlich selbständig?
Die Tochter ist zwar ein juristisch eigenständiges Unternehmen, jedoch wirtschaftlich nicht selbstständig. Der sogenannte Beherrschungsvertrag regelt die konkrete Rechtsbeziehung zwischen Tochter- und Mutterunternehmen.
Worin bestehen die Unterschiede zwischen einer Tochtergesellschaft und einer Niederlassung?
Während eine Tochtergesellschaft vollkommen selbstständig ist, ist eine Zweigniederlassung keine eigene Rechtspersönlichkeit. Sie ist zivilrechtlich unselbstständig. Darüber hinaus führt eine Zweigniederlassung nur solche Geschäfte aus, die im Rahmen des Stammhauses liegen.
Wann gründet man eine Tochtergesellschaft?
Üblicherweise wird eine Tochtergesellschaft dann gegründet, wenn ein Unternehmensbereich nicht mehr zum eigentlichen Unternehmenskerngeschäft gehört. In diesem Falle kommt es zur Ausgründung. Die Muttergesellschaft behält dabei die Kontrolle, wirtschaftliche Probleme verbleiben aber allein bei der Tochter. Oft behalten sich Muttergesellschaften auch das Recht vor, die Mehrheit an der Tochter zu verkaufen, um auf diese Weise Risiken zu streuen.
Welche Rechtsform hat eine Tochtergesellschaft?
Obwohl für eine Tochtergesellschaft keine bestimmte Rechtsform vorgegeben ist, werden zur Gründung meistens die Rechtsformen GmbH, KG oder AG gewählt.
Worin besteht der Unterschied zwischen einer Tochtergesellschaft und einer Schwestergesellschaft?
Schwestergesellschaften liegen dann vor, wenn eine Muttergesellschaft mehrere Tochtergesellschaften ausgelagert hat, die durch ihr Kapital miteinander verbunden und voneinander abhängig sind.
- Titelbild: Foto von Karolina Grabowska
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