Definition Ad-hoc-Publizität

Mit dem Grundsatz der Ad-hoc-Publizität soll verhindert werden, dass Insider Informationen zu ihrem Vorteil nutzen können. Alle Marktteilnehmer sollen zur gleichen Zeit Zugriff auf wichtige Neuigkeiten haben und auf einem transparenten Markt agieren können.

Gesetzliche Grundlagen

Die Ad-hoc-Publizität ist über § 15 WpHG geregelt. Demnach verpflichten sich Emittenten von Wertpapieren dazu, „ohne schuldhaftes Zögern“ alle Informationen zu veröffentlichen, die sich auf den Börsenkurs der Aktien auswirken können. Auch drohende Insolvenzen sind den Aktionären unverzüglich bekannt zu geben.

Ablauf eines Publizitätsverfahrens

Ehe die Ad-hoc-Meldung (zur Meldung Definition) veröffentlicht wird, legt das Unternehmen sie der BaFin -geldsicherungbafin-spitze-bundesanstalt-versicherte-_id36273.html“>Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und den Börsenverantwortlichen vor (§ 15 WpHG). Die Börsen treffen dann eine Entscheidung darüber, ob der Kurs ausgesetzt werden soll. Das ist vor allem dann der Fall, wenn mit unkalkulierbaren Reaktionen des Markts gerechnet werden muss. Danach wird die Meldung in deutscher Sprache über die Börsenmagazine veröffentlicht. Meistens übernehmen dies Dienstleister wie:

  • Business Wire
  • Hugin (Thomas Reuters)
  • Deutsche Gesellschaft für Ad-hoc-Publizität
  • pressetext.adhoc

Meistens geht die Nachricht per Online-Formular an diese Gesellschaften. Sie teilen sie der BaFin, der Deutschen Börse und später der breiten Öffentlichkeit mit. Hierzu leiten sie sie an Agenturen wie Bloomberg oder Thomson Reuters weiter. Der Vorabversand muss stets per Fax erfolgen. Die Weiterveröffentlichung erfolgt 30 Minuten nach der Vorabveröffentlichung. Während dieser Zeit können Börse und BaFin entscheiden, ob sie den Börsenhandel wegen schwerer erwartbarer Reaktionen aussetzen wollen. Danach muss die Meldung umgehend an das Unternehmensregister weitergeleitet werden.

Veröffentlichungszeitpunkt

Die BaFin hält die Emittenten an, die Ad-hoc-Meldung möglichst während der Handelszeiten zu veröffentlichen. Dadurch sollen alle Marktteilnehmer möglichst schnell erreicht werden. Viele Meldungen werden sogar bereits vor der Marktöffnung veröffentlicht. Dadurch soll den Händlern die Möglichkeit geboten werden, über die Konsequenzen der Mitteilung nachzudenken, ehe sie eine wirtschaftliche Entscheidung treffen. Oftmals werden Ad-hoc-Meldungen auch während der Nachmittagszeit publiziert. Das hat den Vorteil, dass während dieser Zeit sowohl deutsche als auch europäische Börsen geöffnet haben.

Wie die Meldefristen im Einzelnen ausfallen hängt von der Art der Mitteilung ab. So eine Meldeschwelle über- oder unterschritten wird, liegt sie bei vier Handelstagen.

Schadenersatzansprüche

Für den Fall, dass der Emittent seiner Publizitätspflicht nicht nachkommt, ist er gem. § 37b WpHG zum Schadenersatz verpflichtet. Diesen hat er gegenüber all jenen zu leisten, die während der Unterlassung Wertpapiere erworben und nach Bekanntgabe noch besessen haben. Weiterhin besteht gem. § 37 c eine Schadenersatzpflicht, wenn falsche Tatsachen veröffentlicht wurden. Dies ist nur dann nicht der Fall, wenn der Emittent nachweislich nichts von der Unwahrheit der Aussage gewusst hat. Grobe Fahrlässigkeit ist dabei ausgeschlossen.

Es besteht die Möglichkeit, dass die Vorstände im Falle eines Verstoßes selbst haften müssen. Gesetzliche Grundlage ist das allgemeine Deliktsrecht gem. BGB. Hierbei besteht die Schwierigkeit für den Anleger allerdings darin, dass er nachweisen muss, dass seine Entscheidung durch den Informationsverstoß verursacht wurde.

Missbrauch von Ad-hoc-Mitteilungen

Da Ad-hoc-Meldungen auf dem Kapitalmarkt sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, lassen sich manche Emittenten dazu verleiten, sie als Marketing-Instrument zu nutzen. Besonders verbreitet war diese Praxis in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre (Neuer Markt). Dabei verfünffachte sich die Zahl der jährlich veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilungen. Ein solcher Missbrauch ist heute nicht mehr möglich. Mit der Novellierung des Finanzmarktförderungsgesetzes aus dem Jahr 2002 wurde genau festgelegt, welcher Inhalt für Ad-hoc-Mitteilungen zulässig ist. Demnach sind alle Informationen, die nicht unmittelbar mit der Veröffentlichungspflicht zusammenfallen, untersagt und können mit Bußgeldern belegt werden.

Große Agenturen wie DGAP etablierten infolge dessen neue Veröffentlichungskanäle für Pressemitteilungen. Auf diese Weise konnte der Missbrauch der Ad-hoc-Meldungen nachhaltig eingeschränkt werden. Einzig ein kurzer Absatz zur Geschäftstätigkeit des Unternehmens wird heute noch in der Meldung geduldet.

Christian Weis

Teilen:
Weitere Artikel
Wärmende Visitenkarte: der Kaminofen als repräsentatives Gestaltungselement im Foyer
Wirtschaft
Wärmende Visitenkarte: der Kaminofen als repräsentatives Gestaltungselement im Foyer

Der erste Eindruck ist für die Wahrnehmung eines Unternehmens maßgeblich. Das Foyer fungiert dabei als architektonische Visitenkarte und prägt das Bild, das sich Gäste und Geschäftspartner innerhalb weniger Augenblicke von einem Betrieb machen. Ein Kaminofen stellt in diesem Zusammenhang ein wirkungsvolles Gestaltungselement dar. Er bricht die oft sachliche Atmosphäre moderner Bürogebäude auf und schafft einen Ort der Ruhe. Durch das sichtbare Flammenspiel wird eine unmittelbare Behaglichkeit erzeugt, die Beständigkeit ausstrahlt. So verwandelt sich der Empfangsbereich von einer reinen Durchgangszone in einen einladenden Raum, der bereits vor dem ersten Gespräch eine wertschätzende Atmosphäre vermittelt.

4 Min. LesezeitLesen
RFID oder Barcode: Welche Technologie ist die richtige Wahl?  
Handel
RFID oder Barcode: Welche Technologie ist die richtige Wahl?  

In vielen Branchen ist die berührungslose Identifikation von Produkten und Gegenständen Pflicht oder zumindest sinnvoll. Wenn du selbst die Entscheidungsgewalt hast, wirst du irgendwann vor der Frage stehen, ob Barcodes oder RFID-Etiketten die sinnvollere Lösung für dich und dein Business sind. Beide Möglichkeiten haben einen Mehrwert, unterscheiden sich aber deutlich voneinander. Für welche Lösung du dich entscheidest, hängt von deinen Bedürfnissen und von der jeweiligen Industrie ab. Das sind die größten Unterschiede zwischen RFID und Barcode Um die richtige Wahl zu treffen, musst du zunächst die Unterschiede zwischen den beiden Systemen kennen. Während der klassische Barcode auf optischer Erkennung basiert, nutzt RFID (Radio Frequency Identification) elektromagnetische Wellen. Das hat massive Auswirkungen auf deinen Arbeitsalltag.

5 Min. LesezeitLesen
Wirtschaftlichkeit im Rückbau: strategische Kalkulation von Abrisskosten für Unternehmen
Wirtschaft
Wirtschaftlichkeit im Rückbau: strategische Kalkulation von Abrisskosten für Unternehmen

In der strategischen Immobilienentwicklung stellt der Rückbau von Bestandsgebäuden oft den ersten Schritt einer neuen Wertschöpfungskette dar. Unternehmen stehen häufig vor der Entscheidung, veraltete Strukturen zu entfernen, um Platz für moderne Standorte oder neue Produktionskapazitäten zu schaffen. Die präzise Kalkulation der Abrisskosten ist dabei für die Rentabilität des gesamten Vorhabens entscheidend. Anstatt den Rückbau lediglich als Kostenfaktor zu betrachten, rückt eine professionelle Planung die ökonomischen Chancen in den Vordergrund. Eine realistische Budgetierung vermeidet finanzielle Unwägbarkeiten und bildet das solide Fundament für die anschließende Neuentwicklung der Fläche. Nur wer die Kostenfaktoren kennt, kann den Weg für eine effiziente Flächennutzung ebnen. Standortfaktoren und logistische Herausforderungen

4 Min. LesezeitLesen
Zur Startseite