business-on.de: Herr Land, wie fit ist der deutsche Mittelstand für die Digitalisierung?
Karl-Heinz Land: Kommt darauf an, worüber wir reden. Der Mittelstand zeigt sich gut darin, sein bestehendes Geschäft zu digitalisieren, ganz im Sinne der Grundidee von Industrie 4.0. Die Unternehmen setzen zunehmend auf smarte Fabriken und digital optimierte Prozesse. Dazu werden sie ja auch von der Bundesregierung ermutigt, die viel Energie und Geld darauf verwendet, das Thema Industrie 4.0 voranzubringen. Indes – ich glaube nicht, dass dieser Weg die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands dauerhaft sichert. Industrie 4.0 optimiert bestehende, produktgetriebene Hersteller. Der Ansatz ignoriert völlig, dass wir eher in eine Wirtschaft 4.0 hineinrutschen. Sie ist hypervernetzt, wirbelt die Märkte durcheinander und weist den Playern multiple Rollen zu. Heute ist ja noch alles schön strukturiert. Der eine ist Hersteller, jener ist Händler, dazwischen hängen die Großhändler. Solche Strukturen wird es nicht mehr geben. Jeder kann mit jedem Geschäfte machen.
business-on.de: Industrie 4.0 ist eine Fehlentwicklung?
Karl-Heinz Land: Konstruktiv ausgedrückt: Sie deckt nur eine Facette der Digitalisierung von Unternehmen ab. Die Bundesregierung verabreicht Valium und suggeriert: Setzt auf Industrie 4.0, und ihr werdet gut durch die Transformation kommen. So einfach ist es aber nicht.
business-on.de: Welche Aspekte fehlen Ihnen?
Karl-Heinz Land: Digitale Transformation ist nur nachrangig eine Frage der Technologien. Es geht um Haltung, Offenheit und Kultur. Agilität ist kein belangloses Buzzword, sofern man es wirklich mit Leben füllt. Verantwortung delegieren, hierarchiefrei arbeiten, Teams flexibel je nach Projekt zusammensetzen, das Prinzip „Ober sticht unter“ aussetzen, kluge Köpfe von außen dazu holen, den deutschen Perfektionismus gegen die Lust am Experiment und den Rausch der Geschwindigkeit tauschen – darum geht es vor allem. Um nicht missverstanden zu werden: Es gibt viele Mittelständler, die sind voll auf Kurs. Aber es gibt noch zu viele, die die Digitalisierung zögerlich und eher notgedrungen angehen. Das führt dann zu abenteuerlichen Vorstellungen. Zum Beispiel treffe ich immer wieder auf Unternehmen, die eine digitale Struktur neben einer analogen aufbauen wollen. Das ist völlig absurd, denn die Digitalisierung durchdringt alle Bereiche des Lebens und des Wirtschaftens. Sie ist die Matrixfunktion unserer Zeit. Der Bitkom hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, wonach nur jeder fünfte Mittelständler sein Back Office digitalisieren will. Das ist ja wohl ein Scherz. Die Unternehmer müssen begreifen, dass alles digital wird.
business-on.de: Hapert es an der Einsicht der Unternehmensspitzen?
Karl-Heinz Land: Nicht bei allen, aber bei vielen. In einer anderen Studie beschweren sich Familienunternehmer, die ja eine Stütze des Mittelstands und der Wirtschaft sind, darüber, dass ihre Mitarbeiter für die digitale Welt nicht genügend qualifiziert sind. Unfassbar. Digitale Transformation ist Chefsache. Und die wichtigste Aufgabe besteht darin, einen kulturellen Change zu initiieren, den Wandel persönlich vorzuleben und dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter qualifiziert werden. Die benötigten Fähigkeiten regnen doch nicht vom Himmel auf die Leute hernieder.
business-on.de: Aber neue Talente und digitale Experten benötigen die Unternehmen auch. Und da haben viele Mittelständler schlechte Karten, weil sie abgeschlagen in der Provinz ihren Sitz haben.
Karl-Heinz Land: Natürlich gehört zur digitalen Transformation, Menschen an Bord zu holen, die das Unternehmen digital weiterbringen und auch den kulturellen Wandel mit voranzutreiben. Aber ich glaube, dass die Unternehmen auf dem Land mehr bieten können als grüne Landschaft und ein gutes Gehalt. Da ist die Phantasie der Human Resources-Abteilung gefragt, um Angebote für Freizeit, Lebensplanung, Work-Life-Balance zu schaffen. Da geht einiges. Wenn ich mich nicht irre, sehnen sich vor allem Städter nach dem Authentischen, nach der Verbindung mit der Natur, nach Rhythmus. Das ist quasi eine Gegenbewegung zur Hochgeschwindigkeitsdigitalisierung. Aber klar – den Möglichkeiten sind Grenzen gesetzt. Damit müssen die Unternehmen aktiv umgehen. Gründe ich Teams in digitalen Boomtowns wie Berlin oder Köln? Kann ich Prozesse virtuell und mit dem Einsatz von Freelancern organisieren? Gibt es Start-ups, mit denen ich kooperieren kann? Lohnt sich vielleicht das eine oder andere Investment? In einer vernetzten Welt wird es immer unwichtiger, wo ein Unternehmen seinen Sitz hat. Die neue Infrastruktur des Wohlstands ist das Internet der Dinge, und das kann überall sein.
business-on.de: Stichwort Start-ups: Können Mittelständler von ihnen lernen?
Karl-Heinz Land: Unbedingt! Deutsche Unternehmen liefern vor allem eines: perfekte Produkte. Sie müssen sich schnell daran gewöhnen, dass dies in der Digitalisierung nicht immer der alleinseligmachende Weg ist. Diese Start-up-Denke, lieber mit einem unfertigen Produkt rauszugehen und dieses dann im Dialog mit Markt und Kunden weiter zu verbessern, ist essentiell. Gleiches gilt für die Einsicht, dass künftig so gut wie jedes Produkt datengetrieben ist, also über einen digitalen Zwilling verfügt. Außerdem funktionieren Produkte nicht mehr als Solitäre, sondern entwickeln ihren Mehrwert als Teil eines ganzen Leistungssystems ist, an dem im Zweifel auch andere Anbieter beteiligt sind. Da haben etablierte Unternehmen häufig hohen Lernbedarf. Die Märkte der Zukunft gewinnen sie jedenfalls nur über Software und Services und in kooperativen Netzwerken.
Karl-Heinz Land ist zu diesem Thema als Speaker auf der StartupCon 2017 vertreten.
business-on.de: Die tiefste Einsicht nützt nichts, wenn am Unternehmensstandort kein schnelles Internet vorhanden ist.
Karl-Heinz Land: Das ist für eine führende Industrienation wie Deutschland wirklich nur noch peinlich. Die Programme und Initiativen der Bundesregierung springen alle viel zu kurz. Auch das Vorhaben, flächendeckend für 50-Megabit-Netze zu sorgen, ist nichts anderes als operative Hektik. Die Digitalisierung beginnt doch erst. Schon bald werden solche Bandbreiten hinten und vorne nicht mehr ausreichen. Nicht nur, weil die Unternehmen mehr Power benötigen. Auch die Bürger werden in der Masse viel mehr Daten – seien es Videos, Games, Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen – durch die Netze ziehen. Wenn Deutschland zukunftsfähig bleiben will, muss dieses Thema sehr viel strategischer, mit mehr Nachdruck und mit einer größeren Vision angegangen werden. Ich habe stark den Eindruck, dass statt der Politik die Deutsche Telekom als Platzhirsch mit ihren technisch limitierten Ausbauplänen das Tempo vorgibt. Sie hat so viel Kupfer verbuddelt, dass die Umstellung auf Glasfaser behindert wird. Da hilft es auch nicht, die Kupferleitungen mittels Vectoring schneller zu machen. Deutschland braucht ein flächendeckendes Hochgeschwindigkeitsnetz auf der Basis von Glasfaser. Punkt. Also, wenn Staat und Politik nicht des Digitalwashings überführt werden wollen, dann müssen sie das Gaspedal endlich voll durchdrücken.
HandelIn vielen Branchen ist die berührungslose Identifikation von Produkten und Gegenständen Pflicht oder zumindest sinnvoll. Wenn du selbst die Entscheidungsgewalt hast, wirst du irgendwann vor der Frage stehen, ob Barcodes oder RFID-Etiketten die sinnvollere Lösung für dich und dein Business sind. Beide Möglichkeiten haben einen Mehrwert, unterscheiden sich aber deutlich voneinander. Für welche Lösung du dich entscheidest, hängt von deinen Bedürfnissen und von der jeweiligen Industrie ab. Das sind die größten Unterschiede zwischen RFID und Barcode Um die richtige Wahl zu treffen, musst du zunächst die Unterschiede zwischen den beiden Systemen kennen. Während der klassische Barcode auf optischer Erkennung basiert, nutzt RFID (Radio Frequency Identification) elektromagnetische Wellen. Das hat massive Auswirkungen auf deinen Arbeitsalltag.
ArbeitslebenArbeitssicherheit ist ein Erfolgsfaktor. Sie schützt die Gesundheit der Mitarbeiter, stabilisiert Abläufe und senkt Ausfallzeiten sowie Kosten. Wer Unfallrisiken im Betrieb früh erkennt und systematisch bewertet, verbessert den Schutz im Arbeitsalltag. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und wirtschaftlich sinnvoll. Gerade bei hoher Belastung, knapper Personaldecke und wachsendem Dokumentationsaufwand wird ein gut organisierter Mitarbeiterschutz für viele Unternehmen immer wichtiger. Arbeitsschutz entscheidet über Stabilität im Betrieb Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass Mitarbeiter ihre Arbeit sicher und ohne vermeidbare Gesundheitsrisiken ausüben können. Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Unternehmen, Gefahren am Arbeitsplatz zu erkennen, passende Maßnahmen festzulegen, deren Wirkung zu prüfen und die Ergebnisse nachvollziehbar zu dokumentieren.
AktuellWer heute ein Bürogebäude, einen Handelsstandort oder eine gemischt genutzte Gewerbeimmobilie modernisiert, landet schnell bei derselben Frage: Reicht ein konventionelles Heizsystem noch aus, wenn Energiekosten, CO2-Emissionen und regulatorische Vorgaben gleichzeitig Druck machen? Genau an diesem Punkt wird die Wärmepumpe für viele Unternehmen interessant. Das zeigt auch der Blick auf den Markt. In Nichtwohngebäuden lag der Wärmeverbrauch 2023 bei 207 TWh. Davon entfielen noch 69 Prozent auf Öl, Gas und Kohle. Zugleich gewinnen Wärmepumpen im Neubau und bei neuen Projekten spürbar an Bedeutung. Die Debatte wird trotzdem noch zu grob geführt. In vielen Gesprächen geht es nur um die Frage, ob eine Wärmepumpe funktioniert. Die bessere Frage lautet: In welchem Gebäude, mit welcher Wärmequelle und unter welchen Lastprofilen rechnet sie sich? Für eine kleine Büroeinheit gelten andere Maßstäbe als für ein Produktionsgebäude mit hohem Wärmebedarf, langen Laufzeiten oder zusätzlicher Kälteversorgung. Genau deshalb braucht das Thema eine wirtschaftliche und technische Einordnung, die näher an der Praxis bleibt. Warum Wärmepumpen im Gewerbe gerade jetzt ein reales Entscheidungsthema sind

