Definition: Zinseszins

Berechnung des Zinseszinses

Errechnet wird der Zinseszins mithilfe einer entsprechenden Formel, die die Abhängigkeit vom festgelegten Nominalzins eines Kapitals und essen Höhe und Dauer berücksichtigt. Durch die Entstehung von Zinseszins kommt es zu einer exponentiellen Steigerung von Vermögen, ebenso aber auch von vorhandenen Schulden. Die Einbeziehung des Zinseszinses führt zu einer deutlich schnelleren Wertsteigerung einer Kapitalanlage, relativiert wird diese Steigerung jedoch durch die Einberechnung der Inflation, die über längere Berechnungszeiträume zu einem sehr großen Wertverlust führt. Der Zinseszins kann diesen Verlust teilweise abfangen.

Rechtsgrundlagen Zinseszins

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) untersagt Zinseszins-Vereinbarungen im Voraus im Zusammenhang mit Schuldverhältnissen. Dadurch sollen intransparente Zinskumulationen im Verzugsfall verhindert werden. Ausgenommen vom Verbot der Zinseszins-Vereinbarungen sind Guthaben- und Darlehenszinsen oder das Kontokorrent. Eine nachträgliche Vereinbarung der Verzinsung von rückständigen Zinsen dagegen ist zulässig, allerdings muss der Gläubiger den Schuldner vorher wirksam in Verzug gesetzt haben.

Beispiel

Was Zinseszins konkret bedeutet, erklärt folgendes Beispiel. Angenommen, es gibt eine Bank, die 2% Zinsen im Jahr auf Sparkonten anbietet. Legt man nun 1.000 Euro an, erhält man im ersten Jahr 20 Euro Normalzins. Auf dem Konto sind nun 1.020 Euro. Wird der gesamte Betrag verzinst, also 1.000 Euro plus der zusätzlichen 20 Euro Normalzins, erhält man im nächsten Jahr bereits 1.040 Euro und 40 Cent. Die 40 Cent sind der Zinseszins. Bei tausend Euro ist das noch recht trivial, nach fünf Jahren erhält man etwa 4 Euro Zinseszins. Bei höheren Geldanlagen kann durch die exponentielle Steigerung des Zinseszinses aber ein sehr hohes Guthaben über mittel- bis langfristige Zeiträume erzielt werden.

Was dämpft die Zinseszinsen?

War die Inflation, also der Wertverfall des Geldes, über den Zeitraum der Geldanlage sehr hoch, kann es sein, dass nicht nur der Zinseszins ausgelöscht, sondern auch der Gewinn durch die Zinsen beeinträchtigt wurde. Ist die Inflation höher als die Zinsen, geht sogar das angelegte Kapital nach und nach verloren.

Das heißt, die Inflation ist grundsätzlich negativ zu beurteilen?

Die Inflation dämpft die Zinseszinsen. Allerdings gilt das nicht nur für den Positivzins, sondern auch für den Negativzins. Schuldnern kommt die Inflation also zugute. Denn so steigen Negativzinsen nicht exponentiell.

Bin ich als Schuldner bzw. Kreditnehmer vom Negativzinseszins betroffen?

Das deutsche Recht verbietet eine Zinseszinsvereinbarung bei Schulden im Voraus. Im Nachhinein ist eine faire Verhandlung über den Zinseszins allerdings möglich. Das ist notwendig, weil durch die exponentielle Steigerung von Zinsen bei Kreditgeber und Kreditnehmer unvorhersehbare Effekte zum Nachteil einer Partei gereichen können.

Florian Weis

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